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Deutschland und die Krise Die Banken trauen sich nicht
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12:00 13.12.2008
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Martin Blessing hat in dieser Woche eine schlichte Frage gestellt: „Was tun wir eigentlich?“, fragte der Vorstandschef der Commerzbank sich und alle Kollegen in der Bankenlandschaft. Bescheidener sollten die Banken werden, sich auf ihre Kernaufgaben besinnen und wegkommen von komplizierten Finanzprodukten und reiner Modellgläubigkeit. Blessing hat gut zugehört, als Bundespräsident Horst Köhler dies den Bankmanagern vor wenigen Wochen ins Stammbuch schrieb.

Doch das Bankgeschäft wieder in Gang zu bringen setzt im Moment Risikobereitschaft voraus. Zwar betonen die Banken immer wieder, dass es nach wie vor keine Kreditklemme gebe. Aber es ist schwieriger geworden, an Geld von den Banken zu kommen. Vor allem kleine und mittelgroße Unternehmen, die keine üppige Eigenkapitalausstattung vorweisen können, bekommen die neue Vorsicht der Banken zu spüren. Großunternehmen und vor allem Finanzinvestoren müssen zumindest mehr Überzeugungsarbeit leisten, wenn sie sich Geld leihen wollen.

Dabei ist Liquidität reichlich vorhanden – nur die Quellen sind heute andere als noch vor wenigen Monaten. Vor der Krise liehen sich Banken untereinander täglich bis zu 450 Milliarden Euro, inzwischen ist dieser so genannte Interbankenhandel fast völlig zum Erliegen gekommen. Zwar versucht die Europäische Zentralbank, mit Finanzspritzen ein vollständiges Austrocknen des Geldmarkts zu verhindern, doch ein wirklicher Ersatz für ein florierendes Kreditgeschäft unter den Banken kann das auf Dauer nicht sein.

„Wir müssen den Geldmarkt wieder ins Laufen bekommen“, wiederholen Spitzenbanker wie Martin Blessing immer wieder. Doch trotz eines milliardenschweren Rettungspakets, trotz 400 Milliarden Euro Staatsgarantien tut sich kaum etwas auf diesem Markt. Über die Gründe dafür schweigen alle Beteiligten lieber und verweisen auf die „Komplexität“ der Materie.

Dabei ist diese Materie gar nicht so komplex. Der Hauptgrund für den darniederliegenden Interbankenhandel ist nach wie vor das mangelnde Vertrauen der Banken untereinander. Wie die Erfahrung zeigt, sind viele Beteuerungen heute nicht mehr viel wert – vielleicht vermuten viele Banken daher, dass bei anderen doch noch die eine oder andere „Leiche im Keller“ liegt. Wenn zum Beispiel der Chef des Finanzmarktstabilisierungsfonds Soffin, Günter Merl, andeutet, dass es bald „drei bis fünf größere Fälle“ von Banken geben werde, die unter den Rettungsschirm schlüpfen wollen, dann stärkt das nicht das Vertrauen in die Kreditwirtschaft.

Hinzu kommt die Diskussion über Nachbesserungen des Rettungspakets. Soll eine „Clearingstelle“ als Vermittler in den Interbankenhandel eingeschaltet werden, wie dies die Bundesbank vorschlägt? Sollte man eine „Bad Bank“ gründen, in die riskante Wertpapiere eingebracht werden? Nationale Lösungen helfen auf Dauer nicht, international müssen neue Regeln gefunden werden. Doch das kann dauern.

Das Umfeld sei immer noch unklar, lautet daher das Fazit der Bankmanager. Doch wer, wenn nicht die Banken, sollte dafür sorgen, dass endlich mehr Klarheit herrscht? Ein Anspringen des Geldmarkts wäre ein wichtiges Zeichen dafür, dass die Banken den größten Teil der Krise hinter sich haben.

von Klaus Dieter Oehler

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