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Die Abwrackprämie Krise auch auf dem Gebrauchtwagenmarkt
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09:47 22.04.2009
Krisenstimmung beim Gebrauchtwagenmarkt am Essener Autokino. Quelle: Clemens Bilan/ddp
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Auf den ersten Blick wirkt alles wie in den vergangenen Jahrzehnten: Der große Platz am Essener Autokino hat sich in einen regelrechten Basar verwandelt. Aus aller Welt sind Käufer und Verkäufer gekommen, um über die ausgestellten Gebrauchtwagen zu verhandeln. Wer jedoch genauer hinschaut, dem bleiben die zahlreichen Lücken zwischen den Autos nicht verborgen.

„Noch bis vor kurzem konnten die Käufer Sonnabend für Sonnabend unter bis zu 3000 Autos wählen“, berichtet Sven Michalczak, der Geschäftsführer des Gebrauchtwagenmarktes. In den vergangenen Monaten sei das Angebot jedoch um über die Hälfte eingebrochen.

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Schuld ist seiner Meinung nach nicht zuletzt die Abwrackprämie. Diese lässt zwar die Verkaufszahlen für Neu- und Jahreswagen steigen, wie die Marktforschung Deutsche Automobil Treuhand (DAT) berichtet. Doch die Nachfrage nach älteren Autos lasse deutlich nach.

„Wer kauft denn ein zwei Jahre altes Auto, wenn er für das gleiche Geld durch die staatliche Subvention einen Neu- oder Jahreswagen haben kann?“, fragt Michalczak verbittert. Da sich viele Händler jedoch gerade auf zwei bis drei Jahre alte Autos spezialisiert hätten, bedeute dies nun für sie das Aus. “50 Prozent unserer Händler sind bereits Pleite gegangen“, berichtet Michalczak.

Insolvent ist Werner Fischer (Name von der Redaktion geändert) zwar nicht, doch auch seine Geschäfte laufen schlecht. „Seit 28 Jahren komme ich nach Essen“, berichtet der Händler aus Herne, der seinen Namen nicht in den Medien lesen möchte. „Früher kam ich mit zehn Autos und habe neun verkauft. Heute komme ich mit vier Wagen und fahre mit vier Wagen.“

Bereits seit einem Jahr hätten sich die Geschäfte verschlechtert, klagt der Händler. Die Wirtschaftskrise habe den Abwärtstrend jedoch noch einmal verstärkt. „Wer nicht weiß, ob er morgen noch Arbeit hat, der kauft sich heute sicherlich kein Auto mehr“, sagt der Herner.

Ein paar Wagen weiter steht Tijani. Möglichst 2700 Euro, mindestens jedoch 2500 Euro will der junge Mann für seinen Wagen - Baujahr 1994 - haben. Sich die Zeit auf dem Essener Basar zu sparen und lieber gleich die 2500 Euro Abwrackprämie zu sichern, kommt für ihn jedoch nicht in Frage.

„Ich habe kein Geld für ein ganz neues Auto, das ich mir dann kaufen müsste“, sagt er. „Da verkaufe ich lieber meinen alten Wagen und besorge mir mit dem Geld wieder einen günstigen Gebrauchten.“

Einen solchen Wagen sucht auch Eustache. Der 23-Jährige ist extra aus Luxemburg angereist, um sich auf dem Essener Markt umzusehen. Höchstens 2000 Euro will er ausgeben. Der Branchenverband Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe hält Eustaches Suche nicht für aussichtslos, obwohl viele billige Autos wegen der Abwrackprämie derzeit verschrottet statt verkauft werden.

„Die Umweltprämie bedeutet aber nicht das Ende des Marktes für billige Gebrauchte“, sagt Pressesprecher Ulrich Köster. Immerhin seien in Deutschland 7,6 Millionen Fahrzeuge zugelassen, die älter als neun Jahre seien und einen Wert von maximal 2500 Euro hätten. Aber nicht jeder - wie das Beispiel Tijani zeigt - habe Interesse an der Abwrackprämie.

Und tatsächlich: Eustache hat bereits nach kurzer Zeit mehrere Autos gesehen, für die sein Budget reichen würde. „Am besten gefiel mir ein Golf-Cabrio für 2200 Euro. Vielleicht lässt sich am Preis noch etwas machen“, berichtet er und seine Augen leuchten. Ganz sicher ist er jedoch nicht, ob er heute wirklich mit einem eigenen Auto nach Luxemburg zurückfahren wird.

„Vielleicht komme ich nächste Woche noch einmal wieder“, sagt er. „Und auch wenn ich dann nichts finde: Es gibt ja immer noch den Bus.“

ddp