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Weltweite Finanzkrise Angst vor Griechenland-Pleite: Märkte rutschen weiter ab
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17:55 12.09.2011
Das griechische Finanzdrama, die Furcht vor einer Pleite Athens und den Ansteckungsgefahren für andere Volkswirtschaften treiben die Märkte um. Quelle: dpa
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Athen/Berlin

Die Angst vor einer Pleite Griechenlands reißt die internationalen Finanzmärkte immer weiter in die Tiefe. Der Dax sackte am Montag zeitweise um mehr als 4 Prozent auf 4966 Punkte - der tiefste Stand seit Juli 2009. Auch andere Aktienmärkte gerieten in den Abwärtssog. Der Euro fiel zeitweise auf 1,35 US-Dollar und damit auf den tiefsten Stand seit Mitte Februar. Vor allem die aufgeflammte Debatte um einen möglichen Staatsbankrott Athens schürte die Sorgen der Anleger.

Auch der japanische Nikkei hatte deutlich nachgegeben und war am Montag um 2,31 Prozent auf 8535,67 Zähler und damit den tiefsten Stand seit April 2009 gefallen. In Europa wurden besonders die Banktitel gebeutelt - vor allem in Frankreich. Die Kurse der in Griechenland besonders engagierten französischen Banken Crédit Agricole, BNP Paribas und Société Générale sind am Montag zum Börsenauftakt drastisch in die Tiefe gestürzt. Sie verloren am Morgen bis zu 12 Prozent.

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In Athen werden am Mittwoch die Kontrolleure der „Troika“ aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und Europäischer Zentralbank (EZB) zurück erwartet. Sie wollen feststellen, ob Griechenland bereit ist, alle nötigen Maßnahmen zu treffen, um das Spar- und Reformprogramm umzusetzen. Geben sie kein grünes Licht für die Auszahlung der nächsten Tranche der Finanzhilfen von acht Milliarden Euro, ist das Land pleite. Die griechische Regierung kann nach eigenen Angaben die Löhne der Staatsbediensteten und die Renten nur noch bis Ende Oktober bezahlen.

„Es mehren sich Gerüchte, dass die deutsche Bundesregierung ein Ende der Griechenland-Hilfe anstrebt“, sagte Commerzbank-Experte Ulrich Leuchtmann. Er erwartet, dass das „Troika“-Urteil „desaströs“ ausfallen dürfte. Vor dem Hintergrund der immer stärkeren Rezession in Griechenland sei auch in nächster Zukunft nicht damit zu rechnen, „dass das Land die bisherigen Sparziele auch nur annähernd erreichen kann“.

Noch eindringlicher warnte Chefanalyst Folker Hellmeyer von der Bremer Landesbank: Es gehe um das „Endspiel“ der Eurozone, schrieb er in einem Kommentar. Die Situation habe sich in den vergangenen Tagen zugespitzt. Wirtschaftsminister Philipp Rösler hatte am Wochenende eine geordnete Insolvenz Griechenlands als ultimative Maßnahme nicht mehr ausgeschlossen.

Der griechische Ministerpräsident Giorgos Papandreou kritisierte am Montag - ohne Rösler beim Namen zu nennen - die Aussagen verschiedener europäischer Politiker. „In einigen Staaten der EU haben wir leider gesehen, dass die antieuropäischen Stimmen lauter werden“, sagte er in einer Sondersitzung mit Abgeordneten seiner Partei. Papandreou versicherte, Griechenland werde alle Auflagen erfüllen, koste es politisch für ihn „was es wolle“.

EZB-Chefvolkswirt: Kein Land darf sich in Sicherheit wiegen

Der noch amtierende EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark mahnte, kein Land dürfe sich in Sicherheit wiegen. „In der aktuellen Situation ist kein Land wirklich geschützt“, sagte er der „Irish Times“. Stark, der als sehr stabilitätsorientierter Geldpolitiker gilt, war am Freitag von seinen Positionen bei der EZB zurückgetreten. Er bezog seine Warnung auf die Gefahr, dass Länder plötzlich vom Kapitalmarkt abgeschnitten werden könnten wie etwa Griechenland. „Das kann auch größeren, hoch entwickelten Volkswirtschaften passieren.“

Die Risikoaufschläge für Staatsanleihen aus Italien und Spanien an den europäischen Anleihemärkten sind derweil wieder gestiegen. Die Rendite für die richtungsweisende italienische Anleihe mit einer Laufzeit von zehn Jahren stieg im Vormittagshandel um 0,06 Prozentpunkte auf 5,437 Prozent. Die Papiere mit gleicher Laufzeit aus Spanien legten ebenfalls 0,06 Prozentpunkte auf 5,179 Prozent zu. Zum Vergleich: Die Rendite der als besonders sicher geltenden deutschen Staatsanleihen rutschte zuletzt auf ein Rekordtief bei 1,708 Prozent.

In den vergangenen Handelstagen hatte die Europäische Zentralbank wiederholt Anleihen aus hochverschuldeten Euro-Staaten aufgekauft und so die Risikoaufschläge zu deutschen Staatsanleihen gedrückt. Laut Händlern soll die EZB auch zum Wochenstart am Markt zugekauft haben. Innerhalb der EZB ist der Kauf von Staatsanleihen umstritten. Der überraschende Rücktritt von EZB-Chefvolkswirt Stark wird mit dem Streit um Anleihenkäufe innerhalb der Notenbank in Verbindung gebracht.

Ungeachtet großer Sparanstrengungen wächst der Schuldenberg vieler EU-Staaten weiter. Der gesamtstaatliche Schuldenstand dürfte im kommenden Jahr im Schnitt 83,3 Prozent der Wirtschaftsleistung erreichen, teilte die EU-Kommission am Montag in Brüssel in einem Bericht zu den öffentlichen Finanzen mit. In dem Routinebericht werden keine neuen Defizitschätzungen für die Mitgliedsländer vorgelegt.

dpa