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Weltweite Finanzkrise Athen-Drama geht weiter
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14:23 23.09.2011
Der Athener Finanzminister Venizelos soll erstmals über eine geordnete Umschuldung Griechenlands gesprochen haben. Quelle: dpa
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Washington/Athen

Aus Sorge vor einem Abrutschen der Weltwirtschaft wollen die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer die Banken rund um den Globus notfalls mit ausreichend Geld versorgen. Die Zentralbanken würden die Institute mit der notwendigen Liquidität ausstatten, heißt es in der in Washington veröffentlichten Erklärung der G20. In der Euro-Schuldenkrise soll Griechenlands Finanzminister Evangelos Venizelos derweil über eine geordnete Umschuldung seines Landes mit einem Schuldenschnitt von 50 Prozent gesprochen haben. An der Börse ging es am Freitag nach leichter Erholung wieder kräftig abwärts.

In Washington trafen sich die Finanzminister und Zentralbankchefs der G20-Länder vor Beginn der Jahrestagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank. Bei der Zusammenkunft an diesem Wochenende stehen die Euro-Schuldenkrise und die Probleme der USA im Vordergrund. Angesichts der Schuldenkrise gerieten zuletzt Banken auf beiden Seiten des Atlantiks immer stärker unter Druck.

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Das Finanzsystem sei fragil, hieß es in der G20-Erklärung weiter. „Wir verpflichten uns zu einer starken und koordinierten Antwort auf die neuen Herausforderungen für die Weltwirtschaft“, erklärten die Finanzminister und Notenbankchefs. Die Eurozone verpflichte sich, die Feuerkraft des Rettungsmechanismus (EFSF), die Flexibilität und die Wirkungskraft zu verbessern. Die Beschlüsse dazu waren bereits auf einem Krisengipfel im Juli gefallen; bis Oktober wird mit der Zustimmung aller Euroländer gerechnet. Der Bundestag wird nächste Woche darüber abstimmen.

Vor allem Entwicklungs- und Schwellenländer fürchten ein Übergreifen der Krisen in den Industrienationen und fordern vor allem von der Eurozone entschiedenere Schritte im Kampf gegen das Debakel. In der Vergangenheit hätten sie wichtige Beiträge zur weltweiten Wirtschaftserholung geleistet, erklärten die in der Gruppe der G24 zusammengeschlossenen Länder am Donnerstag nach einer Konferenz in Washington. Nun aber „sind wir besorgt über die Risiken eines ausgedehnten Abschwungs als Folge eines widrigen globalen Umfeldes“.

In Europa geht die Suche nach einer Lösung im griechischen Schuldendrama weiter. Während der Athener Finanzminister Venizelos erstmals über eine geordnete Umschuldung des Euro-Sorgenkinds gesprochen haben soll, schließt der niederländische Notenbankchef Klaas Knot sogar eine Pleite Griechenlands nicht mehr aus.

Venizelos erörterte am Vortag vor Abgeordneten seiner Partei die verschiedenen Szenarien für die griechische Finanzkrise. Eins davon sei der Verbleib des Landes im Euroland mit einem Schuldenschnitt von 50 Prozent, berichtete die regierungsnahe Athener Zeitung „Ta Nea“ und die Nachrichten Internetseite „in.gr“ am Freitag. Auch das Boulevardblatt „Ethnos“ veröffentliche diese Informationen. Venizelos' Büro reagierte darauf mit der Bemerkung: „Alle diese Diskussionen, die Gerüchte, die Kommentare und Szenarien lenken ab vom zentralen Ziel.“ Dies sei die Fortsetzung des Sparkurses.

Der niederländische Notenbankchef Knot sagte der niederländischen Wirtschaftszeitung „Het Financieele Dagblad“, eine Staatspleite Athens sei „eines der Szenarien“. Knot ist Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB). „Ich sage nicht, dass Griechenland nicht bankrott gehen kann“, zitierte das Blatt Knot am Freitag in einem Vorab-Bericht. Die offizielle Linie europäischer Entscheidungsträger laute bislang, dass eine Zahlungsunfähigkeit Griechenlands nicht zur Debatte stehe.

Schlechte Nachrichten gab es für griechische Banken: Die Ratingagentur Moody's sieht eine weiter gestiegene Gefahr von Bankenpleiten in dem Schuldenstaat und hat die Kreditwürdigkeit von acht Instituten um zwei weitere Stufen gesenkt.

Am deutschen Aktienmarkt ging es nach einem freundlichen Auftakt wegen der anhaltenden Unsicherheit der Anleger wieder kräftig ins Minus: Der deutsche Leitindex Dax rutschte bis zum Mittag um fast 2,5 Prozent auf ab und knüpfte damit an seine jüngsten Verluste an.

dpa