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Wirtschaftszeitung Sturmfest und weltläufig
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15:38 10.03.2015
Von Stefan Winter
Gleichermaßen selbst-bewusst und zugänglich wollte sich die Nord/LB präsentieren. Heraus kam ein spektakulärer Bau im Herzen der Stadt.
Gleichermaßen selbstbewusst und zugänglich wollte sich die Nord/LB präsentieren. Heraus kam ein spektakulärer Bau im Herzen der Stadt. Quelle: Rainer Dröse
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Hannover

Die Nord/LB bezeichnet sich selbst als „führende Universalbank im Norden Deutschlands“. Als Landesbank für Niedersachsen und Sachsen-Anhalt unterstützt sie die öffentliche Hand bei Finanzierungen und übernimmt die Aufgaben einer Zentralbank für die Sparkassen. Außerdem betreut sie als Geschäftsbank Privat- und Firmenkunden auch international. Mehr als 7000 Mitarbeiter sind im Konzern beschäftigt, die Bilanzsumme liegt bei knapp 200 Milliarden Euro.

Wer glaubt, die Nord/LB ein bisschen zu kennen, hält einen schlichten grauen Zweckbau am hannoverschen Aegidientorplatz für das Zeugnis ihrer Ursprünge. Er steht schräg gegenüber vom gläsernen Neubau aus 2002, war früher einmal Heimstatt der Vorstandsbüros und legt den Gedanken nahe, dass dieses Institut irgendwann in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts entstanden sein muss. Das ist nicht ganz falsch – aber doch ziemlich.

Wenn die Landesbank in diesen Tagen Jubiläum feiert, kann sie sich auf den 9.März des Jahres 1765 berufen. An jenem Tag rief Herzog Karl I. zu Braunschweig und Lüneburg das „Herzogliche Leyhaus“ ins Leben. Es musste einiges passieren und diverse Stammlinien mussten zusammenfinden, ehe daraus endlich 1970 die heutige Norddeutsche Landesbank werden konnte, aber tatsächlich: Ihre Wurzeln reichen 250 Jahre weit zurück.

Der Herzog muss ein recht agiles Kind der Aufklärung gewesen sein. Jedenfalls gründete er nicht nur das „Leyhaus“, sondern auch die später in der Öffentlichen Versicherung aufgegangene Brandversicherungsgesellschaft, die Eisenhüttenwerke im Harz, die Glashütte zu Grünenplan und die Porzellanmanufaktur Fürstenberg, die heute zum Konzern der Nord/LB gehört – der Traditionspflege, nicht einer Rendite wegen. Auf einige Prägungen jener frühen Jahre beruft sich die Bank bis heute. Verantwortung den Kunden gegenüber, zum Beispiel: Der Herzog habe ein eigenes Geldhaus gegründet, um die unseriösen Verleiher zu verdrängen. Und Agrarkredite, für die das Institut einst gegründet wurde, sind bis heute ein wichtiger Teil des Geschäfts.

Eine alte Rivalität hat man dagegen in jahrhundertelanger Kleinarbeit überwunden. Denn immerhin: Die Wurzeln liegen in Braunschweig, die Zentrale steht heute aber in Hannover. Diese Kühnheit wagte 1970 der Ministerpräsident Alfred Kubel, ein gebürtiger Braunschweiger. In seiner Regierungszeit wurde das verzweigte öffentliche Bankwesen Niedersachsens zusammengeführt. Das Leyhaus war inzwischen zur Braunschweigischen Staatsbank samt Landessparkasse geworden, seit dem 19. Jahrhundert gab es außerdem die Hannoversche Landeskreditanstalt und seit 1918 die Niedersächsische Wohnungskreditanstalt. 1933 waren zudem die Landesbank der Provinz Hannover und die Girozentrale Hannover zur Niedersächsischen Landesbank – Girozentrale fusioniert worden.

Sie alle führte Kubel zur Nord/LB zusammen – und man ahnt, dass der Weg kein leichter war. Die letzten Schritte liegen noch gar nicht so weit zurück: Erst 2008 fand man die heute gültige, feinsinnige Konstruktion, in der die Braunschweigische Landessparkasse eine – wir bewegen uns schließlich im öffentlich-rechtlichen Bankensektor – „Anstalt in der Anstalt“ ist, Insider nennen dieses Konstrukt AidA. Dank der Sparkasse verfügt die Landesbank über ein sehr kräftiges Standbein im Retailbanking, das immer mal dafür gut ist, Schwächen in anderen Bereichen auszugleichen.

Alle zusammen ergeben eine sehr eigene Mischung. Sie erzählt auch viel von der langen Entstehungsgeschichte und der regionalen Verbundenheit des Instituts. Im Agrargeschäft zum Beispiel ist die Bank bis heute bundesweit führend, Windkraftanlagen wurden zu einem wichtigen, typisch norddeutschen, Geschäftsfeld. Natürlich gibt es die typischen Aufgaben einer Landesbank und einer Zentralbank der Sparkassen. Hinzu kommen Immobilien- und Mittelstandsgeschäft sowie – ebenso speziell wie lukrativ – ein Schwerpunkt bei der Flugzeugfinanzierung. Und dann ist da natürlich noch die Schiffsfinanzierung, in der sich Kompetenz seit einigen Jahren allerdings vor allem in der Kunst des Krisenmanagements erweist.

Mit stürmischen Seen kommt die Nord/LB zurecht, auch die Finanzkrise hat sie nicht in Schieflage gebracht. Im Gegensatz zu manch anderer Landesbank hat sie den Sturm nicht nur überstanden, sondern das auch noch ohne staatliche Rettungsaktionen. Mithilfe der Gesellschafter und eigener Anstrengungen wurde die Kapitaldecke aufgepolstert, sodass man auch den Stresstest der Europäischen Zentralbank im vergangenen Jahr souverän bestand.

Vorstandschef Gunter Dunkel sieht darin auch einen Beleg für die Robustheit des Geschäftsmodells. Umso größer ist der Ärger in der Chefetage, wenn es im Ausland mal wieder nicht verstanden wird. Ratingagenturen hatten immer wieder Klärungsbedarf, die EU-Kommission bekämpfte jahrelang – und letztlich erfolgreich – die staatliche Gewährträgerhaftung für die öffentlich-rechtlichen Banken, und jetzt macht die EZB das nächste Fass auf: Man müsse nicht Ergebnisse und Daten von Banken prüfen, sondern deren Geschäftsmodelle, heißt es dort.

Dunkel schwant, dass ein 08/15-Geschäftsmodell zum Standard erklärt werden könnte und alle Abweichler kritisch beäugt werden. Landesbank und Flugzeugfinanzierer, Girozentrale und international aktive Geschäftsbank, Schiffsfinanzierer und zwischendrin eine ganz normale Sparkasse – Gunter Dunkel wird den Mix nach norddeutscher Art wohl noch öfter erklären müssen. Immerhin kann er jetzt auf 250 Jahre Krisenfestigkeit verweisen.

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