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Patienten-Uni 2010 Gesund altern durch Prävention
Patienten-Uni 2010 Gesund altern durch Prävention
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17:38 11.11.2010
Von Nicola Zellmer
Geistig rege, sportlich aktiv und voller Lebensfreude – wer sich einen solchen Übergang in den Lebensabend wünscht, kann selbst viel dafür tun.

Letztere hängen viel mehr vom Lebensstil, der Bildung und der Einbindung in soziale Netzwerke ab als nur von den gezählten Lebensjahren. Und: Das biologische und das soziale Alter sind die Parameter, die über Lebensqualität und Gesundheit beim Älterwerden entscheiden.

Fakt ist, dass die Menschen heute immer älter werden. So zeigen Berechnungen, dass die Lebenserwartung für 65-Jährige im Jahr 2060 voraussichtlich um fünf Jahre höher sein wird als noch in den Jahren 2006/2008. „Dieses Älterwerden ist durchaus gewünscht – vor allem, wenn die Menschen gesund älter werden“, erklärt Prof. Ulla Walter vom Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheitssystemforschung der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). „Da hat Deutschland schon heute einen Zugewinn, steht aber im Vergleich zu Nachbarländern wie Schweden und Italien nicht so gut da“, erklärt Walter. So seien bereits heute vier Fünftel der 80- bis 85-Jährigen nicht pflegebedürftig.

In ihrem Institut untersucht die Professorin unter anderem, welche Faktoren für ein gesundes Altern nötig sind. „Langlebigkeitsgene gibt es zwar, aber ihr Einfluss macht maximal 25 Prozent aus“, sagt sie. Wichtig seien vor allem individuelle Faktoren wie die frühkindlichen Erfahrungen, das Bildungsniveau und das eigene Verhalten. Ihr Fazit: „Alterskrankheiten haben nicht allein mit dem Alter, sondern auch immer mit dem Lebensstil zu tun.“ Das bedeutet: In den meisten Fällen können wir selbst an einer guten Basis für gesundes Altern mitarbeiten. Je früher wir damit anfangen, desto besser.

„Ganz wichtig ist die Prävention in der Lebensmitte“, erklärt Walter. Je früher jemand das Rauchen aufgibt, den Alkoholkonsum senkt, seine Ernährung umstellt und auf ausreichend Bewegung achtet, desto größer sind für ihn die Chancen, länger beschwerdefrei zu bleiben. Dabei geht es nicht um Leistungssport und eiserne Disziplin. Auch Aktivitäten wie Haus- oder Gartenarbeit, regelmäßige kleine Spaziergänge oder Besorgungen zu Fuß zeigen Wirkung.

Unterstützt wird das positive Verhalten des Einzelnen durch entsprechende Angebote von Arbeitgebern und Gesellschaft. „Ein Schlüsselbereich ist etwa die betriebliche Gesundheitsförderung“, erklärt Walter. Aber auch die Stadtplanung könne mit sicheren und schönen Wegen in Wohnortnähe dazu beitragen, dass die Lust am Gehen steigt. „Naherholungsgebiete wie die Eilenriede in Hannover spielen eine wichtige Rolle“, sagt die Professorin. „Neben einer Schnellstraße spazieren zu gehen, ist dagegen wenig attraktiv.“ Ein weiterer Baustein können sogenannte Generationenparks sein: Plätze in Parks oder Waldgebieten, auf denen sowohl Jüngere als auch Ältere geeignete Fitnessgeräte finden.

Entscheidend sei zudem das individuelle und gesellschaftliche Altersbild. „Nach dem Krieg war das Altersbild geprägt von Einsamkeit, Passivität und einem sozialen Rückzug“, sagt Walter. Senioren bekamen Schonkost, trugen dunkle Kleidung und bereiteten sich auf das Lebensende vor. „Heute dagegen sind Senioren körperlich und geistig aktiver und mischen auch in der Gesellschaft mit“, berichtet Walter. Auch Gesundheit und Bildung hätten sich verbessert. „Das Älterwerden hat zwar immer noch ein Negativimage, aber dieses verschiebt sich auf die Hochbetagten und Pflegebedürftigen“, sagt sie.

Experten sprechen inzwischen von einem dritten und vierten Lebensalter. Das dritte Lebensalter umfasst die „jungen Alten“ bis 80 Jahre, das vierte vor allem die Hochbetagten. Gerade bei jüngeren Senioren hängt die Aktivität oft sehr vom eigenen Altersbild ab. So hat der Alterssurvey des Deutschen Zentrums für Altersfragen gezeigt, dass ein positives Altersbild dafür verantwortlich ist, dass sich die Älteren mehr bewegen – bei gleicher Gesundheit wie eine Kontrollgruppe. Walter möchte daher möglichst viele Senioren zu einem positiven Altersbild ermutigen: „Das ist dann so etwas wie eine selbsterfüllende Prophezeiung.“

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