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Wissen Achtung, bissig! - Zuschnappen aus Wut
Nachrichten Wissen Achtung, bissig! - Zuschnappen aus Wut
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15:41 25.06.2014
 Luis Suarez zeigt auf dem Fußballplatz ein typisch „archaisches Verhalten“ sagt Psychologieprofessor Herbert Scheithauer. Quelle: dpa
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Berlin

„Auch viele Tiere fangen an zu beißen, wenn sie sich in die Ecke gedrängt oder bedroht fühlen.“ Ähnlich sei Suárez' Aktion zu beurteilen. „Der Fußballer stand in der Situation enorm unter Stress und konnte seine Wut nicht kontrollieren. Er wählte ein falsches Verhalten, das natürlich vollkommen inadäquat war.“ Dass Suárez schon häufiger zugeschnappt habe, weise auf ein eingespieltes Verhaltensmuster hin.

„Wir haben über viele Generationen hinweg gelernt, dass Beißen unter Menschen kein angemessenes Verhalten ist“, sagt Scheithauer. Im Kindesalter werde im sozialen Umfeld erlernt, wie man sich verhalten soll, wenn man wütend ist - und wie nicht. „Es gibt Kinder, die ihre Gefühle gut regulieren können und andere, die damit Schwierigkeiten haben“, sagt Scheithauer. Offenbar muss auch mancher Fußballspieler noch an seinem Steuervermögen arbeiten.

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Bei anderen Berufsgruppen gebe es ebenfalls ein erhöhtes Risiko, gebissen zu werden - bei Fahrkartenkontrolleuren oder Polizisten zum Beispiel. „Immer wenn Menschen im Berufsalltag oft mit anderen Personen in Kontakt kommen und dabei Stresssituationen entstehen können, steigt die Chance, dass etwas Negatives passiert“, sagt Scheithauer.

Auch im Liebesspiel beißen einige Menschen öfter zu. Hier sei vor allem die sexuelle Komponente entscheidend und es gibt ebenfalls Analogien zum Tierreich: Katzen oder bestimmte Prachtfinkenarten etwa beißen sich während der Paarung im Nacken des Weibchens fest.

Menschenbisse können lebensbedrohliche Folgen haben

Menschenbisse gelten als gefährlicher und mit höheren Infektionsraten verbunden als die vieler Tiere. Hundebisse zum Beispiel infizieren sich viel seltener. Ursache sind potenziell gefährliche Bakterien aus der Mundflora, die übertragen werden können - häufig Streptokokken oder Staphylococcus aureus. Viren wie Hepatitis B und HIV spielen kaum eine Rolle.

Breiten sich die Bakterien im Körper aus, kann das zu Blutvergiftung, Hirnhautentzündung oder Endokarditis - einer Entzündung am Herzen - führen. Ein großer Teil der ärztlich behandelten Menschenbisse sind Liebesbisse bei sexuellen Aktivitäten. Die übrigen stammen fast alle von Schlägereien.

Bekannt sind zudem skurrile Fälle: Menschen ohne Fahrschein oder Ausweis, die nach Ordnungshütern schnappten, eine Oktoberfest-Besucherin, die ihre Zähne in eine vor ihr auf dem Tisch tanzende Männerwade grub. Auch Wut über ein zugeparktes Auto war bereits Anlass, herzhaft zuzubeißen.

dpa

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