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20:04 11.07.2014
Von Veronika Thomas
Herzchirurg Axel Haverich (l-r), Patient Kurt-Josef M. und Oberarzt Jan Schmitto zeigen an der MHH ein Kunstherzsystem „Heartmate III“. Dem 56-jährigen Patienten wurde weltweit zum ersten Mal das neue kleine Kunstherzsystem implantiert. Quelle: Julian Stratenschulte
Hannover

Weil die Zahl der Spenderherzen seit Jahren drastisch zurückgeht, setzen Mediziner inzwischen verstärkt auf den Einsatz sogenannter Herzunterstützungssysteme. Als weltweit erstem Patienten wurde am 25. Juni dem 56-jährigen Kurt-Josef M. aus Hessen an der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) ein Kunstherz der neuesten Generation implantiert. Ihm geht es gut, er kann die Klinik in wenigen Tagen verlassen und beginnt ein Reha. Der Eingriff eines 20-köpfigen Operationsteams um den Herzchirurgen Prof. Axel Haverich dauerte 2,5 Stunden. Das neue Kunstherzsystem „Heartmate III“ ist kleiner als der Vorgänger „Heartmate II“; außerdem bietet es technisch eine Reihe weiterer Neuerungen.

Der Patient leidet seit 2001 an einer schweren Herzinsuffizienz, die umgangssprachlich als Herzschwäche bezeichnet wird. Ist die Krankheit weit fortgeschritten, bleibt als Überlebensmöglichkeit häufig nur eine Herztransplantation. Ein Kunstherz hilft den Patienten, die Wartezeit auf ein Spenderherz zu überbrücken. „Das Gerät, ein Linksherzunterstützungssystem, wird direkt in das Herz des Patienten implantiert und übernimmt die Pumpleistungen der geschwächten linken Herzkammer. Es sorgt so dafür, dass das sauerstoffreiche Blut aus der Lunge wieder durch den Körper gepumpt werden kann“, erklärte gestern Privatdozent Jan Schmitto, Oberarzt und Bereichsleiter für Herzunterstützungssysteme an der MHH-Klinik für Herz-, Thorax-, Transplantations- und Gefäßchirurgie. Ein Kabel verbindet das Kunstherz mit der Steuerelektronik und den Batterien, die der Patient außerhalb des Körpers trägt.

„Ich fühle mich deutlich besser“, sagte M., der vor der Operation an schwerer Luftnot und Erstickungsanfällen gelitten hatte. Die Pumpleistung seines Herzens betrug zeitweise nur noch 13 Prozent. „Jetzt schaue ich nur noch nach vorn, denn es kann nur noch besser werden.“

 

Das kann Jörg Böckelmann bestätigen, der vor zweieinhalb Jahren an der MHH ein Kunstherz erhalten hat. Er kann inzwischen wieder halbtags arbeiten und ist gerade von einem Schwarzwald-Urlaub zurückgekehrt, wo er eine sechs Kilometer lange Wanderung bewältigt hat. „Das war für mich das Größte“, sagte der 54-Jährige, der sich auch bei „Pulslos leben“ engagiert, einem Verein zur Unterstützung von Kunstherzpatienten.

Deutschlandweit erhalten jährlich etwa 1000 Patienten ein Herzunterstützungssystem, rund 100 von ihnen an der MHH. Die beiden gebräuchlichsten Geräte sind das HVAD der Firma Heartware und das weltweit am weitesten verbreitete Modell „Heartmate II“ der Firma Thoratec. Seit 2004 wurde es in Deutschland mehr als 1400 Patienten implantiert, weltweit erhielten es rund 17 000 Patienten. Viele von ihnen leben schon jahrelang damit; den „Europa-Rekord“ hält ein MHH-Patient aus der Region Hannover, der seit fast neun Jahren ein solches Kunstherz hat.

An der MHH ist erstmals ein Kunstherz implantiert worden. Dem Patienten geht es soweit gut.

„Kunstherzsysteme geben schwer kranken Patienten eine neue Lebensqualität“, sagte Prof. Haverich. „Angesichts fehlender Spenderherzen gewinnen sie immer mehr an Bedeutung.“ Im vergangenen Jahr seien bundesweit nur 301 Spenderherzen transplantiert worden. „Der Bedarf liegt deutlich höher“, betont Haverich. Allein an der MHH standen 2013 mehr als 60 Patienten auf der Warteliste, nur für 15 habe ein Spenderorgan zur Verfügung gestanden.

Hilfe für das schwache Herz

Alternative zur Transplantation: Herzunterstützungssysteme, auch Herzpumpen genannt, eignen sich nicht nur für Patienten, die auf eine Transplantation warten. Sie werden auch zur Dauertherapie für Patienten eingesetzt, die aufgrund ihres Alters oder Gesundheitszustands nicht mehr transplantiert werden können. Ein Kunstherz ist jedoch kein Herzersatz, denn das natürliche Organ bleibt im Körper erhalten.

Das am 25. Juni erstmals im Rahmen einer klinischen Studie für die CE-Kennzeichnung implantierte „Heartmate III“-System ist 200 Gramm schwer und 33 mal 55 Millimeter groß. Es verfügt über spezielle Oberflächen, wodurch sich weniger Blutgerinsel bilden sollen. Außerdem schwebt der Pumpenrotor gewissermaßen in einem Magnetfeld, wodurch es keine Verschleißerscheinungen mehr geben soll. Ein weiterer Pluspunkt besteht darin, dass mit „Heartmate III, im Gegensatz zu bisherigen Systemen, ein künstlicher Puls erzeugt werden kann. Die Pumpleistung beträgt zehn Liter Blut pro Minute. Das entspricht der Leistung eines gesunden Herzens.

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