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Wissen Alles Bio, oder was?
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07:37 08.12.2011
Von Stefanie Nickel
Foto: Überall präsent: Deutschland ist der größte Markt für Biolebensmittel in Europa.
Überall präsent: Deutschland ist der größte Markt für Biolebensmittel in Europa. Quelle: dpa
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Ob mit EHEC kontaminiertes Gemüse, Dioxin-Eier oder Antibiotika im Fleisch – nach jedem Lebensmittelskandal greifen die Verbraucher im Supermarkt beherzter zum Produkt mit Biosiegel. Hinzu kommt ein allgemein größer gewordenes Bewusstsein über gesundes Essen, umweltschonende Lebensmittelproduktion und artgerechte Tierhaltung. Deutschland ist der größte Markt für Biolebensmittel in Europa. Im vergangenen Jahr legte der Umsatz um etwa zwei Prozent auf 5,9 Milliarden Euro zu, wie der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft bilanzierte.
Umso größer ist die Verunsicherung der Verbraucher, wenn – wie im Fall des jüngsten Lebensmittelfälscherskandals in Italien – mit dem Biosiegel Schindluder getrieben wird. „Wer sicher sein will, dass wirklich Bio drin ist, wo Bio draufsteht, sollte regional und saisonal einkaufen“, sagt Brigitte Ahrens, Lebensmittelexpertin bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Das Biosiegel hat aber als Orientierungshilfe nicht ausgedient: „Wir gehen davon aus, dass der Anteil von Betrugsfällen am Gesamtumsatz mit Bioprodukten bei unter 0,5 Prozent liegt“, sagt eine Sprecherin vom Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. Im Übrigen helfen mittlerweile diverse Siegel und Logos bei der Orientierung.

Biosiegel

Das sechseckige, grün-schwarz-weiße Symbol wurde im September 2001 als Orientierungshilfe für die Verbraucher eingeführt. Das Biosiegel soll EU-weit einheitliche Standards für den ökologischen Landbau garantieren. Die EG-Öko-Verordnung besagt: Biolebensmittel müssen zu mindestens 95 Prozent aus dem ökologischen Landbau stammen. Es darf keine Gentechnik, kein chemisch-synthetischer Pflanzenschutz und kein Mineraldünger verwendet werden. Die Verordnung besagt einen „weitgehenden Verzicht“ auf Antibiotika, Zukauf von Futter in großen Mengen hingegen erlaubt sie. Dadurch kommen Großhändler ins Spiel, die Lieferketten werden länger und weniger transparent. Biobetriebe werden in Deutschland von staatlich zugelassenen privaten Kontrollstellen überprüft. Gleiches gilt für Demeter, Bioland und Naturland.

EU-Biosiegel

Im Juli vergangenen Jahres wurde ein EU-weit verbindliches Bio-Siegel eingeführt. Inhaltlich ändert das Logo nichts, das neue Siegel steht für die gleichen Kriterien wie das sechseckige deutsche Biosiegel. Neben dem EU-Logo können auf dem jeweiligen Produkt weiter nationale Logos wie das deutsche Biosiegel verwendet werden, aber auch regionale oder private Logos wie die von Anbauverbänden wie Demeter oder Bioland. Das neue EU-Logo ist verpflichtend.

Demeter

Das Demeter-Siegel garantiert eine biologisch-dynamische Wirtschaftsweise nach strengen Regeln, die über die EG-Öko-Verordnung hinausgehen. Demeter-Bauern betrachten ihren Hof als „lebendigen, einzigartigen Organismus“. Sie beziehen sich damit auf die anthroposophische Lehre Rudolf Steiners. Alle Teilbereiche des Hofes müssen nach dem „Demeter“-Prinzip wirtschaften. Saatgut und Futter für die Tiere müssen also auf dem eigenen Hof gezüchtet und angebaut werden.

Bioland

Gärtner, Landwirte, Winzer, Obsterzeuger, Imker und Hersteller müssen nach den Bioland-Richtlinien arbeiten, die über die EG-Öko-Verordnung hinausgehen. Der Anbauverband setzt besonders auf die Regionalität der Produkte. Häufig werden die Produkte direkt von den Landwirten an die Kunden verkauft, etwa in Bioläden, Wochenmärkten oder Reformhäusern. Bei allen Bauern wirtschaftet der gesamte Betrieb ökologisch und verwendet nur Saatgut aus ökologischem Anbau. Bioland-Betriebe dürfen keinen konventionellen Anbau parallel betreiben. Außerdem dürfen keine synthetischen Pestizide und chemisch-synthetische Stickstoffdünger eingesetzt werden. Die Verwendung von Herbiziden ist ebenfalls verboten. Bioland legt Wert auf artgerechte Tierhaltung. Mindestens die Hälfte des Futters muss vom eigenen Hof kommen.

Naturland

Der Naturland-Verband für ökologischen Landbau e. V., kurz „Naturland“, hat sich mit dem Ziel gegründet den ökologischen Landbau weltweit zu fördern. Grundsätzlich orientiert sich „Naturland“ an den Regeln von Bioland, vergibt sein Siegel aber auch für ökologischen Waldnutzung und Ökoaquakulturen (Fische, Krebse und Algen), ökologische Waldnutzung und Textilien.

Auch alle großen Supermarktketten in Deutschland haben mittlerweile eigene Biomarken etabliert – nach Untersuchungen von „Öko“-Test halten auch diese Lebensmittel größtenteils, was sie versprechen. Dass die Märkte günstigere Preise haben als der kleine Naturkostladen, liegt vor allem an ihrer effizienteren Logistik.

07.12.2011
07.12.2011