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Wissen Archäologen rekonstruieren die Schlacht am Harzhorn
Nachrichten Wissen Archäologen rekonstruieren die Schlacht am Harzhorn
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07:30 08.06.2010
Der Waldboden war übersät mit Pfeil- und Lanzenspitzen. Quelle: dpa
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Insgesamt hätten die Archäologen inzwischen 1500 Fundstücke geborgen, die eindeutig von den Römern stammten. Die Untersuchungen des Geländes gehen kontinuierlich weiter, so dass noch zahlreiche weitere Funde zu erwarten sind. Im Sommer werden Archäologen der Freien Universität Berlin dort außerdem eine weitere Ausgrabung vornehmen.

Die Entdeckung des römischen Schlachtfeldes vor zwei Jahren war eine Sensation, weil es der erste Beleg war, dass die Römer noch mehr als 200 Jahre nach ihrer Niederlage in der Varusschlacht groß angelegte militärische Vorstöße bis weit in das Innere Germaniens unternahmen. Das Schlachtfeld, das in unmittelbarer Nähe der Autobahn 7 liegt, entpuppte sich auch deshalb als einzigartiger archäologischer Glücksfall, weil es – anders als bei anderen Gefechten in der Antike – von den Kombattanten nicht abgeräumt wurde. Da das Gelände auch nie landwirtschaftlich genutzt wurde, blieben die vielen Geschosse und Ausrüstungsgegenstände über Jahrhunderte im Waldboden liegen. Die Forscher vermuten, dass die Römer damals trotz ihres Sieges die Lage weiterhin als brenzlig einschätzten und deshalb rasch weiterzogen, ohne die Hinterlassenschaften einzusammeln.

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Über die neuen Erkenntnisse der Forschung berichtet auch das Wissenschaftsmagazin „National Geographic“ in der Titelgeschichte seiner Juni-Ausgabe. Danach spricht inzwischen vieles dafür, dass die Schlacht am Harzhorn jene „Schlacht im Sumpf“ war, von der der Geschichtsschreiber Herodian (178-250) berichtet. Dies erscheint auch deshalb möglich, weil die Engstelle zwischen dem Höhenzug Harzhorn im Westen und den Ausläufern des Harzes im Osten zu der Zeit noch sumpfiges Gelände war. Die Wissenschaftler vermuten, dass die Schlacht im Herbst des Jahres 235 nach Christus stattfand.

Damals hätten die Römer unter Maximinus Thrax einen groß angelegten Rachefeldzug gegen die Germanen unternommen, der bis zur Elbe führte. Auf dem Rückmarsch geriet dann ein römischer Kampfverband am Harzhorn in einen Hinterhalt der Germanen. Diese hatten dort den schmalen Korridor zwischen dem Höhenzug und dem Sumpfgelände blockiert. Nach ersten Gefechten wichen die Germanen zurück, verfolgt von römischen Soldaten. Gleichzeitig zogen Teile des römischen Kampfverbandes einige hundert Meter nach Westen und nahmen den Gegner von dort mit Katapulten unter Beschuss. Dabei setzten sie auch mächtige Torsionsgeschütze ein, die sich durch hohe Geschwindigkeit und große Wucht auszeichneten. Gegen diese technologische Übermacht hatten die Germanen keine Chance. Die siegreichen Römer zogen anschließend vermutlich auf dem Höhenzug des Harzhorn weiter Richtung Westen ins Winterlager nach Mainz.

Heidi Niemann