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Nachrichten Wissen Bewerbungsfoto: Wer Gesicht zeigt, ist im Vorteil
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12:13 20.03.2019
Martin Wehrle ist Karrierecoach und Bestsellerautor, sein aktuelles Buch: „Noch so ein Arbeitstag, und ich dreh durch – Was Mitarbeiter in den Wahnsinn treibt“. Quelle: Privat
Hamburg

Über viele Jahre war es undenkbar, eine Bewerbung ohne Foto zu verschicken. Denn wie in den Ausweis ein Passfoto gehört, so gehörte auch eine Porträtaufnahme in die Bewerbungsmappe. Diese ungeschriebene Regel wollte der Gesetzgeber 2006 beenden. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz sollte ein neues Zeitalter des Bewerbens einläuten. Seither muss niemand mehr in einer Bewerbung ein Foto beifügen, sein Alter nennen, seine Nationalität angeben oder gar seine Religion offenlegen. Die Idee des Gesetzgebers: Kein Bewerber soll unfair behandelt werden, weil er ein paar Kerzen mehr auf der Geburtstagstorte, einen schiefen Zahn im Mund hat oder einen ausländischen Namen trägt.

Ein gutes Foto ist eine Visitenkarte

Aber noch immer schreiben die meisten Firmen ihre Stelle aus, ohne den Vermerk „Foto bitte weglassen“. Anders gesagt: Es ist dem Bewerber freigestellt, Gesicht zu zeigen oder nicht. Aber was geschieht, wenn man das Foto weglässt? Dann kann es demjenigen wie einem Verdächtigen ergehen, der gegenüber der Polizei die Aussage verweigert: Wer nicht aussagt, steht im Verdacht, etwas zu verbergen. Fotoverweigerer könnten zum Beispiel unberechtigt unter Hässlichkeitsverdacht geraten, was besonders ungünstig ist, wenn die zu besetzende Stelle viel Kundenkontakt beinhaltet, eine Sprecherfunktion oder repräsentative Führungsaufgaben. Mit einem guten Foto wäre man aus dem Schneider, auch falls der Bewerber nicht als Zwilling von George Clooney oder Claudia Schiffer durchgeht.

Ein Foto ist eine Visitenkarte, mit der sich Sympathiepunkte sammeln lassen. Dabei kommt es nicht auf makellose Schönheit, sondern auf eine gewinnende Ausstrahlung an. Ein Porträt bringt den Bewerber dem Empfänger näher und gibt der Bewerbung an sich eine individuelle Note. Wer Gesicht zeigt, ist gegenüber gesichtslosen Bewerbern im Vorteil. Warum sollte man also die Chance vertun, diverse Fotos von sich schießen und von Bekannten in einer Stichprobe das sympathischste für die Bewerbung aussuchen zu lassen?

Auf dem Foto einen guten Eindruck vermitteln

Wichtig ist, auf dem Bild den Eindruck zu vermitteln, der infrage kommenden Stelle gewachsen zu sein. Am besten lässt man sich von einem professionellen Fotografen ablichten, in einem Outfit, das dem angestrebten Beruf entspricht – besser zu fein als zu leger. Auch der Gesichtsausdruck muss zur Aufgabe passen: Für eine Position im Service ist Lächeln ein Vorteil, denn es steht für Freundlichkeit. Für eine Position als Manager ist ein ernster Gesichtsausdruck gefragt, denn Lächeln könnte mangelnde Durchsetzungsfähigkeit andeuten. Außerdem muss ein Bewerbungsbild aktuell sein. Wenn der Bewerber deutlich älter als auf seinem Foto ist oder durch eine neue Frisur kaum zu erkennen ist, sind die Gesprächspartner irritiert.

Angabe des Alters ist vergessen

Und wie steht es mit der Angabe des Alters in der Bewerbung? Kann man wenigstens daraus ein Geheimnis machen? Besser nicht, denn die Eckdaten eines Lebenslaufs bieten eine Steilvorlage für Spekulationen. Im Zweifel werden Bewerber für älter gehalten, wenn ein junger Bewerber gefragt ist, und für jünger, wenn es auf Erfahrung ankommt. Wer sein eigenes Alter nicht nennt, tritt die Deutungshoheit an andere ab. Die Fantasien, die so entfesselt werden, sind meist ungünstiger, auf jeden Fall aber unberechenbarer als die Fakten.

Das Allgemeine Gleichstellungsgesetz ist gut gemeint, aber noch nicht in der Praxis angekommen. Erst wenn Firmen in ihren Ausschreibungen klar sagen, dass Foto und Altersangabe nicht erwünscht sind, ist ein Bewerber, der darauf verzichtet, auf der sicheren Seite.

Von RND / Martin Wehrle

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