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08:25 17.07.2014
Eine Operation ist nicht immer notwendig. In seltenen Fällen kann die Einnahme von Antibiotika ausreichen.
Eine Operation ist nicht immer notwendig. In seltenen Fällen kann die Einnahme von Antibiotika ausreichen. Quelle: dpa (Symbolbild)
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Köln

Es sind Symptome, bei denen manch einer von harmlosen Magen-Darm-Beschwerden ausgeht: Ziehen im Bauch, Übelkeit, manchmal sogar Fieber. Doch nicht immer verursachen Magen und Darm das Unwohlsein. Eine Appendizitis oder Wurmfortsatzentzündung, für die sich der Begriff Blinddarmentzündung eingebürgert hat, kann ebenso Auslöser der Symptome sein. Deshalb ist es wichtig, auf die Zeichen des Körpers zu achten und schnell zu reagieren.

Entstehung

Schon ein kleiner Fremdkörper wie ein Kirschkern kann eine Appendizitis auslösen. "Der Wurmfortsatz hat nur einen Eingang, keinen Ausgang und kann leicht verstopfen", erläutert Tanja Brunnert, Mitglied im Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ). Das muss aber nicht so sein: "Oft gibt es gar keine konkrete Ursache, der Wurmfortsatz kann sich auch von alleine entzünden." Wird die Entzündung nicht umgehend behandelt, kann es zu einem lebensbedrohlichen Blinddarmdurchbruch kommen.

"Das Haupterkrankungsalter liegt zwischen 10 und 15 Jahren", erklärt Brunnert. Jungs seien häufiger betroffen als Mädchen. Auch unter den 15- bis 20-Jährigen gibt es noch viele, die daran erkranken. Danach tritt die Krankheit seltener auf.

Unspezifische Symptome

Die Appendizitis geht meist mit unspezifischen Symptomen einher, die auch anderen Krankheitsbildern zugeordnet werden können. "Häufig treten Initialschmerzen im Oberbauch auf, die sich bald in den rechten Unterbauch verlagern. Begleitsymptome sind Übelkeit und Fieber", erläutert Prof. Christian Trautwein von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Die Appendizitis könne aber auch die Schmerzbilder anderer Krankheiten haben, zum Beispiel bei Frauen die einer Eierstockentzündung. Auch bei Kindern unter zwei Jahren ist es schwieriger. "Manchmal haben sie ganz andere Symptome, zum Beispiel Husten", sagt Kinderärztin Brunnert.

Meist prüft der Arzt mit einem Blutbild, ob die weißen Blutkörperchen und ein bestimmtes Protein als Zeichen der Entzündungsreaktion erhöht sind. Typisch sind Druckschmerzen, Verhärtungen oder der sogenannte Loslass-Schmerz: Dabei drückt der Arzt auf einen Bereich des Bauchs und lässt dann los. Liegt wie bei der Appendizitis eine lokale Entzündungsreaktion des Bauchfells vor, spürt der Patient Schmerzen an dieser Stelle. Eine Ultraschalluntersuchung ist ebenfalls hilfreich: "Der Wurmfortsatz ist bei einer Appendizitis verdickt, dies kann man im Ultraschall häufig gut sehen", erklärt Trautwein.

Operation nicht immer notwendig

Eine Operation ist nicht immer notwendig. In seltenen Fällen kann die Einnahme von Antibiotika ausreichen, sagt Prof. Hans-Peter Bruch, Präsident des Berufsverbands der Deutschen Chirurgen (BDC). Bei einer OP gibt es die Möglichkeit, einen sogenannten Wechselschnitt anzuwenden. Dabei öffnet der Arzt den Bauchraum genau an der Stelle, wo der Blinddarm liegt, und entfernt das entzündete Gewebe. Schonender ist die Bauchspiegelung (Laparoskopie). Dabei macht der Chirurg drei kleine Schnitte in die Bauchdecke. Durch diese führt er die Instrumente und eine Kamera in den Bauchraum ein. So kann er sehen, ob der Wurmfortsatz entzündet ist und entfernt werden muss. Diese Methode kommt am häufigsten zum Einsatz, wenn der Blinddarm noch nicht durchgebrochen ist. Bei einem Durchbruch öffnet der Chirurg den Bauchraum mit einem größeren Schnitt. Ist das entzündete Gewebe entfernt, muss der gesamte Bauchraum gespült werden. Dadurch lässt sich die Keimlast vermindern.

Probleme können unter anderem bei der Vollnarkose oder durch Wundheilungsstörungen auftreten. "Die Komplikationsrate ist aber gering", betont Trautwein. Laut Bruch besteht eine weitere Gefahr darin, "dass während der Operation Bakterien in die Bauchdecke gelangen, welche innerhalb weniger Tage einen Abszess veranlassen können". Dann muss der Chirurg die Stelle erneut öffnen, damit das Sekret ablaufen kann. Ebenso können narbige Verwachsungen im Bauch später Schwierigkeiten verursachen und zum Beispiel zu einem Darmverschluss führen.

Es hängt von der Behandlungsmethode, dem OP-Verlauf und dem Schmerzempfinden ab, wann der Körper wieder voll belastbar ist. Nach einer Laparoskopie können die meisten Patienten das Krankenhaus nach ein bis drei Tagen verlassen. "Besonders junge Patienten sind meist schon nach wenigen Tagen wieder fit", sagt Trautwein. Bei einem Bauchschnitt verbringt der Patient meist fünf bis sieben Tage im Krankenhaus. "Bei einer schweren Bauchfellentzündung können es auch 14 Tage werden", fügt Kinderärztin Brunnert hinzu. Sie empfiehlt, sich nach dem Krankenhausaufenthalt noch entsprechend zu schonen, zwei bis drei Wochen auf Sport zu verzichten und nicht schwer zu heben. Denn abgesehen von den äußerlichen Wunden entstehen durch den Eingriff auch im Bauchraum Wunden, die heilen müssen. "Es dauert etwa 14 Tage, bis das Gewebe vollständig belastbar ist", sagt Prof. Bruch.

dpa

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