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Chronische Infektionskrankheiten: Syphilis: Eine totgeglaubte Infektion kehrt zurück

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15:34 02.08.2019
Ein Kondom schützt vor vielen Infektionskrankheiten, bei Syphilis bietet es aber nur eine Senkung des Risikos. Quelle: Peter Endig
Hannover

Laut eines Berichts des European Centre for Disease Prevention and Control (ecdc) steigen die Fälle von Syphilisinfektionen seit 2010. Bis zum Jahr 2017 wurde eine Zunahme von 70 Prozent ausgemacht. Woran es liegt, dass immer mehr Menschen sich anstecken, was die Symptome dieser Infektion sind und ob Syphilis wirklich nur durch Geschlechtsverkehr übertragen wird, erklärt Norbert Brockmeyer, Leiter des „Walk In Ruhr“ (WIR), Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin des Katholischen Klinikums und der Ruhr-Universität in Bochum. Das Zentrum bietet neben zahlreichen Informationsangeboten auch anonyme Beratungen an.

Herr Brockmeyer, warum treten wieder vermehrt Fälle von Syphilis auf?

Die Möglichkeit der schnellen sexuellen Kontakte, die wir durch Apps haben, ist ein ganz entscheidender Faktor: Auf ganz kurzem Wege werden diese Kontakte angebahnt und führen sehr leicht zu vielen verschiedenen Geschlechtspartnern.

Wir haben uns in der Prävention für sexuell übertragbare Krankheiten ganz stark auf HIV konzentriert – was sicherlich richtig war. Deutschland hat weltweit mit die niedrigsten HIV-Infektionszahlen. Jetzt aber sehen wir seit dem Jahr 2000 einen starken Anstieg bei den anderen sexuell übertragbaren Infektionen. Das heißt, wir müssen nun unsere Aufklärungsbotschaften anpassen.

Auch die Sexualität selbst hat sich gewandelt. Das betrifft nicht nur die Apps:

Oralverkehr und Analverkehr werden heutzutage viel häufiger praktiziert. Dabei wird häufig kein Kondom oder Lecktuch benutzt.

Übertragung: Durch Körperflüssigkeiten

Wie überträgt sich Syphilis?

Syphilis ist eine sexuell übertragbare Geschlechtskrankheit. Besonders viele Erreger finden sich in den ersten beiden Stadien, also in Geschwüren und später in den Haut- und Schleimhautveränderungen. Aber alle Menschen mit unbehandelter Infektion können die Krankheit übertragen. Denn im Prinzip ist eine Ansteckung überall da möglich, wo Körperflüssigkeiten eine große Bedeutung haben. Syphilis überträgt sich vor allem bei Genital-, Oral und Analverkehr. Besonders viele Infektionen gibt es gerade durch Oralverkehr.

Außerhalb des menschlichen Körpers sind die Erreger dagegen nicht lange lebensfähig, daher ist beispielsweise eine Ansteckung durch Toilettendeckel nicht möglich.

Was genau bedeutet es denn, an einer Syphilis zu erkranken?

Syphilis gehört zu den klassischen Geschlechtskrankheiten. Die Syphilis wird von Mensch zu Mensch übertragen. Sie betrifft nicht nur ein einziges Organ, sondern kann den ganzen Körper betreffen. Mit der Infektion sind sehr viele verschiedene Symptome verbunden. Der Erreger der Syphilis ist das Bakterium Treponema pallidum.

Syphilis hieß mal „Affe der Infektionen

Und woran erkenne ich eine Syphilis-Erkrankung?

Die Syphilis wurde früher auch „der Affe der Infektionen“ genannt, weil sie viele Symptome nachäffen kann. Es ist leicht, sie mit anderen Erkrankungen zu verwechseln – von allergischen Reaktionen in der Spätphase bis hin zu Krebsgeschwüren.

Das Bakterium Treponema pallidum führt nach Ansteckung bei 50 bis 60 Prozent der Menschen an der Stelle, in der es in den Körper eingetreten ist, zu einem kleinen Geschwür, das aber selbstständig wieder abheilt. Man kann dieses Geschwür als erstes Stadium der Krankheit bezeichnen. Es ist in der Regel schmerzfrei. Von da aus breitet sich der Erreger dann über Lymphbahnen und Blutbahnen im Körper aus. Dadurch kommt es zur Schwellung der Lymphknoten.

Was passiert danach?

Einige Wochen später kommt es dann zum zweiten Stadium: Die meisten Menschen bekommen dann einen Hautausschlag, der wie Masern oder Schuppenflechte aussehen kann. Was die Syphilis aber nicht auslöst, sind Bläschen oder Juckreiz. Das sind also gute Abgrenzungspunkte zu allergischen Reaktionen, mit denen man eine Syphilis zu 99 Prozent ausschließen kann.

Infektion: Heilung und Risikogruppen

Heilt Syphilis wieder komplett ab?

Gerade am Anfang der Syphilis lassen sich schon Veränderungen der Leberwerte, des Gehirns und der Hirnhäute feststellen. Der weitere und spätere Verlauf der Infektion kann dann auch zu vielen psychischen Störungen führen. Das ist heute aber quasi nie der Fall, weil die Syphilis bei den meisten Menschen früh entdeckt und therapiert wird. Deswegen heilen die Syphilis-Symptome meistens auch wieder vollständig ab, ohne Restschäden zu hinterlassen.

Gibt es besondere Risikogruppen?

Für Frauen in der Schwangerschaft kann es bei einer Ansteckung durch Syphilis zu einer massiven Schädigung des Kindes bis hin zum Kindstod kommen. In Amerika nehmen die Zahlen der Ansteckungen in der Schwangerschaft momentan auch deutlich zu, was für das ungeborene Kind sehr gefährlich sein kann.

Wo gibt es besonders viele Ansteckungen?

Wir sehen die Syphilis immer in Zirkeln kreisen, wo Menschen viele sexuelle Kontakte haben. Menschen, die zum Beispiel Apps nutzen, um viele verschiedene Sexualkontakte zu finden, sind eine Gruppe, in der viele Geschlechtskrankheiten auftreten.

Kondom: Kein hundertprozentiger Schutz vor Ansteckung

Wie kann ich mich vor Syphilis schützen?

Natürlich schützt auch hier das Kondom – aber bei Weitem nicht so gut wie vor HIV. Bei HIV geht der Schutzfaktor gegen 90 Prozent, bei bakteriellen Geschlechtskrankheiten ist der Schutz niedriger.

Viele Menschen denken immer noch, dass Geschlechtskrankheiten sich nicht durch Oralverkehr übertragen lassen. Aber das gilt eben nicht für bakterielle Geschlechtskrankheiten. Mindestens zwei Drittel aller Infektionen sind oral oder anal weitergegeben worden. Gerade bei solchen Kontakten sollte man sich durch Kondome oder Lecktücher schützen.

Wichtig ist aber, dass man sich immer wieder auf Geschlechtskrankheiten testen lassen sollte. Wer beispielsweise in einem halben Jahr mit mehr als drei Menschen sexuellen Kontakt hatte, sollte sich unbedingt auf sexuell übertragbare Infektionen untersuchen lassen. Außerdem sollte man mit dem Partner über eine Syphilis-Infektion sprechen. Denn 50 Prozent aller Reinfektionen werden beim selben Partner erworben.

Anstieg von Syphilis: Flüchtlinge sind keine Ursache

Immer wieder kursieren Behauptungen und Gerüchte, dass Migranten Syphilis eingeschleppt hätten. Ein großer Irrtum, weiß Klaus Jansen, Experte für sexuell übertragbare Infektionen am Robert Koch-Institut. 2014 bis 2015 hätte es umfassende Untersuchungen der zuständigen Behörden in Bayern, Sachsen und Hamburg gegeben. „Migranten wurden gescreent, auch auf Syphilis. Die ausgewertete Datenlage schloss die Einschleppung von Syphilis durch Migranten eindeutig aus“, stellt Jansen fest.

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Von Heidi Becker und David Sander/RND

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