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Coworking Spaces: Büro und Austauschort für alle

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05:00 04.06.2019
In der Factory in Berlin steht die Gemeinschaft im Mittelpunkt. Quelle: Jacqueline Schulz
Berlin

Hinter den Hallen der Internetmesse re:publica stand vor Kurzem ein begehbarer Truck mit einem ungewöhnlichen Logo. Es erinnerte an den Mercedes-Stern, hatte aber vier statt drei Zacken. Und auf dem Truck stand auch nicht Mercedes, sondern „Lab1886“. Mit dem schwäbischen Autogiganten hatte der Truck trotzdem zu tun. Lab1886, benannt nach dem Datum der Patentanmeldung der Motorkutsche durch Gottfried Daimler, ist der Name der digitalen Ideenschmiede des Konzerns. Aus diesem Innovationslabor gingen das Carsharing-Angebot car2go hervor, der Sammeltaxidienst Moovel und der digitale Zugang zur sogenannten Mercedes-Welt „Mercedes Me“. Hier schlägt das Herz des Umbaus eines Autobauers in einen Mobilitätskonzern. Aber wieso findet das alles nicht unter dem Daimler-Dach statt, sondern außerhalb, in Berlin, Kalifornien und Peking?

Brandenburg fördert Coworking in der Provinz

Bandenburg will mehr Kreative in ländliche Regionen locken. Dazu unterstützt das Land aktuell ein Coworking-Projekt der Stadt Wittenberge in der Prignitz im Nordwesten Brandenburgs mit mehr als 37 000 Euro aus Lottomitteln.

Die Stadt an der Elbe auf halber Strecke zwischen Berlin und Hamburg plant im Rahmen einer Imagekampagne, bis zu 20 sogenannte Digitalarbeiter für ein halbes Jahr einzuladen, um in Wittenberge zu wohnen und zu arbeiten. Dafür stellt die Stadt kostenlose Coworking Spaces zur Verfügung. Neben den Gemeinschaftsarbeitsräumen bekämen die Digitalarbeiter eine nahezu mietfreie Nutzung städtischer Wohnungen für den Zeitraum von sechs Monaten zugesichert. Das Projekt trägt den Namen „The Summer of Pioneers“ und richtet sich speziell an die Digitalwirtschaft.

Ziel sei es, Wittenberge als attraktiven Wohn- und Schaffensort für die Branche bekannt zu machen. Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) spricht von einer Chance, „die Digital- und Kreativwirtschaft als neue Zielgruppe potenzieller Zuzügler für sich zu interessieren und zugleich einen Beitrag zur Belebung der Innenstadt zu leisten“. Leer stehender Wohnraum werde genutzt und das Projekt könne der regionalen Kreativszene einen Schub geben.

Es gehe um „Unabhängigkeit und Freiheit“, sagt Susanne Hahn, Chefin des Lab1886. Und um Schnelligkeit. „Die digitalen Geschäftsmodelle beauftragen wir selbst“, erklärt sie, „und wir schaffen eigenständige Start-ups, an denen wir uns beteiligen.“ So kann Daimler auch Gründer, Nerds und Freigeister an sich binden, die nicht nach Stuttgart ziehen würden. Dabei geht Daimler noch einen anderen Weg als andere Konzerne: Der Hauptsitz von Lab1886 befindet sich eben doch in der Schwabenmetropole. Und mit dem Projekt „Startup Autobahn“ versucht Hahn, „die besten Start-ups der Mobilitätsindustrie nach Stuttgart zu ziehen“. Dabei legt sie auch Wert darauf, dass die Welten von Blech und Bytes nicht allzu sehr auseinanderdriften: „Für einige unserer Geschäftsmodelle ist es sinnvoll, dass die Lab-Mitarbeiter die Produktion kennenlernen und Geschäftsmodelle zusammen mit den Bandarbeitern entwickeln“, sagt sie.

Digitale Denkfabriken zieht es in die Hauptstadt

Ohne einen Standort in Berlin aber kommt keine digitale Denkfabrik eines Konzerns mehr aus. 40 Entwickler sitzen in einem Gebäude mitten in Mitte – und arbeiten natürlich in der Datencloud zusammen mit ihren Kollegen in China, den USA und Schwaben.

Andere Firmen setzen auf den Austausch und mieten sich in einem der neuen, schicken Coworking Spaces, also einer Art Bürogemeinschaft, der Hauptstadt ein. Wie etwa in der Factory mit ihren zwei Standorten in Mitte und am Görlitzer Park – zufällig beide am ehemaligen Mauerstreifen gelegen.

Drinnen herrscht konzentrierte Arbeitsatmosphäre, draußen tobt der tägliche Kampf ums Überleben. Aus den Fenstern der Bibliothek der Factory Görlitzer Park haben Mitglieder des neu eröffneten Business-Club für Start-ups und Tech-Unternehmen direkten Blick auf die zweite boomende Branche von Kleinunternehmern in Berlin: Auf der stillgelegten Bahnbrücke über den Landwehrkanal haben sich die Dealer aus dem angrenzenden Görlitzer Park versammelt. Alle paar Stunden rauscht ein Kleinbus der Polizei heran, dann gibt es ein paar Minuten Unruhe.

Die Gemeinschaft steht im Mittelpunkt

Udo Schloemer ist Geschäftsführer der Factory. Quelle: Jacqueline Schulz

Drinnen aber laufen die Geschäfte ungestört. Auf 14 000 Quadratmeter Fläche sollen sich Gründer und Konzerne in Club-Atmosphäre treffen und gemeinsam das nächste große Ding schaffen. Restaurant, Café, Berlins größtes Bällebad und smarte Gepäckschließfächer gibt es bereits. Konzerne wie Vodafone und Siemens haben sich in der Factory Görlitzer Park neben Blockchain-Spezialisten und namenlosen IT-Gründern eingemietet.

Udo Schloemer tänzelt durch das Gebäude, verteilt hier ein Lächeln, da eine Umarmung und begrüßt alle in seinem unverwechselbaren Schwäbisch. Früher war er Immobilienentwickler, jetzt ist er Geschäftsführer von „Europas größtem Start-up-Club“, wie es in der Selbstdarstellung heißt. Dabei geht es nicht mehr nur um die Existenzgründer, um die Kleinen in der Branche. Berlins boomende Technologieindustrie zieht längst auch die Großen an, die „Corporates“, wie es im Branchensprech heißt.

Schloemer stellt sich auf eine Treppe und holt weit aus: „Unsere Idee in der Factory ist die Gemeinschaft. Jeder kann von jedem etwas lernen. Start-ups von Corporates, Corporates von Start-ups. Wenn du hier bist, ist es egal, ob du CEO eines Konzerns bist oder jemand, der ganz neu anfängt. Hauptsache, du kannst etwas beitragen.“

Von wegen elitär – jeder kann Mitglied in der Factory werden

Und dann bricht wieder kurz der Immobilienentwickler durch, der er von Haus aus eigentlich ist: „Die Lage hat mich hier am meisten fasziniert. Mitte ist für viele zu teuer geworden, hier gibt es noch Potenzial, in Kreuzberg genauso wie in Treptow.“

In dem alten Industriebau begann einmal die Unternehmensgeschichte des Chemiekonzerns Agfa. Lange nach dem Mauerfall blieben die angrenzenden Kieze in Kreuzberg und Treptow vom Bauboom ausgespart. Das ist vorbei: Nirgends in der Hauptstadt stiegen die Mieten jüngst so rasant wie rund um den Görlitzer Park. Hier hat sich nicht nur die internationale Partyszene niedergelassen, sondern – durchaus in deren Windschatten – die ebenso internationale Tech-Industrie.

Und nun kommen die ganz Großen der Branche. Zwar hat sich Internetgigant Google nach Protesten von seinem Plan eines „Google Campus“ für befreundete Start-ups mitten in Kreuzberg verabschiedet, doch Zalando baut an der Spree die letzte Brache voll, und Schloemer wirbt damit, dass bis zu 10 000 Factory-Mitglieder gleichzeitig in dem neuen Bau Platz haben. Hat er ein elitäres Raumschiff in diesen einst wild-lebendigen Teil der Stadt gesetzt? Der Wachmann vor der Tür achtet darauf, dass die Welten klar getrennt bleiben. Schloemer aber sagt: „Wir sind nicht elitär. Der monatliche Beitrag in der Factory beträgt 50  Euro. Hier kann jeder Mitglied werden. Ich komme aus einer Handwerkerfamilie in Stuttgart, das war damals eine üble Gegend. Ich sehe also keinen Grund, warum die Kiezkids aus Kreuzberg oder Treptow es nicht auch schaffen können.“

Von RND / Jan Sternberg

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