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„Das Ziel kann nur sein, keine Art mehr zu verlieren“

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08:00 07.05.2019
Svenja Schulze, SPD, ist seit März 2018 Bundesumweltministerin. Zuvor war sie Wissenschaftsministerin in Nordrhein-Westfalen. Quelle: dpa
Berlin

Beim Klimaschutz gibt es das Zwei-Grad-Ziel: Der Temperaturanstieg in diesem Jahrhundert soll darauf beschränkt werden. Welches Ziel sollten sich Deutschland, Europa und die Welt im Kampf für den Erhalt von Biodiversität setzen?

Das Ziel kann nur sein, keine Art mehr zu verlieren. Wir müssen das Menschenmögliche tun, um das Artensterben zu stoppen. Davon sind wir leider noch weit entfernt. Auf dem Weg dahin gibt es viele andere Unterziele, die uns voranbringen: Schädliche Subventionen stoppen, weniger Pestizide einsetzen, den Regenwald schützen, die Meere nicht weiter überfischen, mehr und bessere Schutzgebiete einrichten, um nur einige Beispiele zu nennen.

Sind mehr Schutzgebiete wirklich das Gebot der Stunde?

Weltweit auf jeden Fall. Ein internationales Schutzgebietsnetz auf der Hohen See wäre für den Meeresnaturschutz ein ganz wichtiger Schritt. Daran arbeiten wir gerade in den Vereinten Nationen. In Deutschland kommt es vor allem auf die Qualität an. In vielen Schutzgebieten ist zum Beispiel immer noch der Einsatz von Pestiziden erlaubt. Das muss sich dringend ändern. Ich habe dazu Vorschläge in meinem Aktionsprogramm Insektenschutz gemacht.

Wie viel Schuld am Verlust von Artenvielfalt trägt der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat denn überhaupt?

Glyphosat tötet alles, was grün und keine Nutzpflanze ist. Also auch Ackerwildkräuter, die aus Sicht der Landwirtschaft unproduktiv sind. Wo blühen denn noch Kornblume und Klatschmohn auf den Feldern? Viele Äcker sind heute klinisch sauber, da ist fast nur noch totes Substrat. Mit Natur hat das nicht mehr viel zu tun. Und wo die blühenden Wildkräuter fehlen, fehlen auch Insekten und Vögel. Dass Glyphosat und andere Pestizide der Artenvielfalt schaden, ist in der Wissenschaft übrigens unbestritten. Darum bestehe ich auf einem Glyphosat-Ausstieg und will strenge Auflagen für alle Pestizide. Wer künftig naturschädliche Pestizide einsetzen will, muss sogenannte Biodiversitätsflächen als Ausgleich schaffen. Es wird Zeit, dass die Landwirtschaftspolitik das endlich anerkennt. Sonst sägt sie an dem Ast, auf dem sie selbst sitzt.

Wo sehen Sie darüber hinaus Handlungsbedarf?

Der größte Hebel ist die Reform der EU-Agrarförderung, die nach der Europawahl ansteht. Momentan fördert die EU mit Milliarden Euro Steuergeld auch Entwicklungen, die unsere Natur zerstören. Nötig wäre aber ein System, das die Landwirte für das bezahlt, was sie für die Natur und damit für uns alle leisten. Wir brauchen die Landwirte für den Naturschutz. Aber die Landwirte brauchen auch die richtigen staatlichen Anreize. Natürlich kann auch jeder Einzelne etwas für die Artenvielfalt tun, auf dem Balkon oder im Garten. Wer anstelle des stets kurz geschorenen Rasens zum Beispiel insektenfreundliche Wildblumen wachsen lässt, tut der Natur einen großen Gefallen.

Von Rasmus Buchsteiner

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