Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wissen Deutsche sind die Europameister der Sorgen
Nachrichten Wissen Deutsche sind die Europameister der Sorgen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
21:58 07.06.2010
Vor allem die Arbeitslosigkeit bereitet den Bundesbürgern Kopfzerbrechen. Quelle: dpay
Anzeige

Deutsche nehmen die Probleme des Landes schwerer als andere Europäer: Vor allem die Arbeitslosigkeit bereitet den Bundesbürgern Kopfzerbrechen, wie die Marktforscher in einer am Montag veröffentlichten Studie zur Stimmung in Europa ermittelten.

GfK-Geschäftsführer Raimund Wildner befand, dass die Zahl der Sorgen der Deutschen „praktisch explodiert“ sei. „Also ich kann mich nicht erinnern, dass wir je so einen Sprung gehabt haben – die letzten 20 Jahre jedenfalls nicht. Im letzten Jahr hatte ein Deutscher im Durchschnitt 2,8 Sorgen, und jetzt sind es im durchschnittlich 3,2“ erklärte Wildner. Der Schwede hat nur 1,1 Sorgen.

Anzeige

Zwei Drittel der Deutschen – 66 Prozent – zeigen sich besorgt über den Arbeitsmarkt, neun Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr. Europaweit liegt der Wert bei 43 Prozent, und es fällt auf, dass es Länder mit größeren Problemen, aber kleineren Sorgen gibt. Dass 74 Prozent der Spanier die Arbeitslosigkeit beunruhigt, verwundert nicht, schließlich waren nach der Statistik der Internationalen Arbeitsorganisation ILO im April 19,7 Prozent der Iberer tatsächlich erwerbslos. In Deutschland aber waren es nur 7,1 Prozent – weit weniger als im EU-Durchschnitt. In Großbritannien lag die Quote bei 7,9 Prozent, aber nur 16 Prozent der Briten waren deswegen besorgt.

26 Prozent der befragten Deutschen bangen um die wirtschaftliche Stabilität. Das sind weniger als vor einem Jahr, allerdings sind in diesem Punkt nur die Spanier mit 31 Prozent noch besorgter. Auf Platz drei der Sorgenliste in Deutschland liegt die Entwicklung von Preisen und Kaufkraft (24 Prozent), obwohl die Jahresteuerung auf historisch niedrigem Niveau verharrt.

Die Erhebung beruht auf 13 200 Verbraucherinterviews in Deutschland, Frankreich, Österreich, Großbritannien, Italien, Belgien, den Niederlanden, Russland, Polen, Spanien und Schweden. Dabei wurde nach den dringendsten Aufgaben für das jeweilige Land gefragt.

Erklärungen für die miese Stimmung bietet die GfK nicht. Lag es daran, dass die Deutschen im Februar und März befragt wurden? Da wollte der Winter nicht enden, Lena hatte noch nicht in Oslo gesiegt, die Fußball-WM war fern. Oder pflegen die Deutschen ihre Ängste vor allem wegen des wohligen Gefühls, das sich einstellt, wenn am Ende doch nichts passiert? Der Göttinger Angstforscher Borwin Bandelow erklärt solche Lust an der Angst gern mit einem Winston-Churchill-Zitat: „Es gibt nicht Schöneres, als beschossen und nicht getroffen zu werden.“

Mathias Philipp

Anzeige