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Wissen Deutscher Medizin-Professor fälscht wissenschaftliche Studie
Nachrichten Wissen Deutscher Medizin-Professor fälscht wissenschaftliche Studie
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18:53 29.11.2010
Das Klinikum Ludwigshafen betonte, dass kein Patient des Krankenhauses zu Schaden gekommen sei. Quelle: dpa

Der bisherige Chefanästhesist des Klinikums Ludwigshafen hat Untersuchungen zufolge mindestens eine wissenschaftliche Studie gefälscht. Zu diesem Ergebnis kommt eine Kommission, die das Klinikum einberufen hatte. Nun sollen auch andere wissenschaftliche Arbeiten des Mediziners auf den Prüfstand kommen. „Ich vermute, es ist die Spitze eines Eisbergs“, sagte am Montag der Vorsitzende der Kommission, Prof. Eike Martin, Direktor der Klinik für Anästhesiologie an der Uniklinik Heidelberg. Der Fall sei in der deutschen Anästhesiologie bisher einmalig.

Das Klinikum hatte sich in der vergangenen Woche von dem Mediziner getrennt. Der Professor hatte im vergangenen Jahr eine Studie in einem amerikanischen Fachmagazin veröffentlicht. Darin wurde die Wirkung von zwei Medikamenten, die bei Herzoperationen in einer Herz- Lungen-Maschine zum Einsatz kommen, verglichen. Tatsächlich kann aber einer der beiden sogenannten Plasmaexpander gar nicht zum Einsatz gekommen sein. Die Kommission hat keine Belege gefunden, dass die Studie überhaupt durchgeführt wurde.

Die Untersuchungen ergaben, dass der Mediziner auch Unterschriften von Co-Autoren in der Studie gefälscht hat und von den Patienten nicht wie vorgeschrieben schriftliche Einverständniserklärungen eingeholt hatte. Außerdem konnte der Professor keine Daten vorlegen, die seine angeblichen Forschungen belegt hätten. Auch hatte er die Studie nicht wie vorgeschrieben einer Ethikkommission vorgelegt. Die Landesärztekammer Rheinland-Pfalz sprich von einem „klaren Verstoß gegen die ärztliche Berufsordnung“ und prüft Konsequenzen gegen den Mediziner. Sie hat außerdem die Staatsanwaltschaft eingeschaltet.

Die vermeintliche Studie war zu dem Ergebnis gekommen, dass der Plasmaexpander Hydroxyethylstärke (HES) Vorteile habe gegenüber einer Albuminlösung, die aber tatsächlich gar nicht in der Maschine zum Einsatz kam. Martin sagte, zu HES gebe es in der Fachwelt unterschiedliche Meinungen. Der Ludwigshafener Mediziner habe immer zu denjenigen gezählt, die HES favorisiert hätten.

Das Klinikum betonte erneut, dass kein Patient des Krankenhauses zu Schaden gekommen sei. Dem Klinikum sei aber ein großer Imageschaden entstanden. Die Krankenhausleitung will Vorkehrungen treffen, um künftig derartige Fälle zu verhindern. Von dem Mediziner gibt es den Angaben zufolge rund 300 Publikationen, die Martin jetzt infrage gestellt sieht. Eine Aufarbeitung werde Jahre dauern, sagte er. Eine Erklärung des Mediziners, der seine Professor an der Uni Gießen hat, zu den Vorwürfen konnte die Kommission nicht vorlegen.

Die Ungereimtheiten in der entlarvten Fälschung waren erst Lesern des US-Fachmagazins „Anesthesia & Analgesia“ aufgefallen. Sie hatten moniert, dass es bei bestimmten Werten eine auffällig geringe Streuung gab. Daraufhin war der Herausgeber des Magazins aktiv geworden und hatte Nachforschungen angestoßen.

dpa

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