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06:00 14.03.2019
Vor allem beim akuten Herzversagen ist Untätigkeit eines der größten Probleme. Quelle: Fotolia (Symbolbild)
Hannover

Auf einer Landstraße in Brandenburg hat sich ein schwerer Unfall ereignet. Am Fahrbahnrand einer viel befahrenen Straße liegt ein metallicgrünes Auto auf dem Dach, blutige Hände und Köpfe ragen aus den halb geöffneten Türen. Die beiden Frauen konnten offenbar gerade noch die Türen aufreißen, sie sind eingeklemmt, wirken leblos. Es muss jetzt schnell gehen, deshalb sind Ersthelfer wichtig. Doch: Die herannahenden Autos halten nicht. Manch ein Fahrer bremst ab und guckt, fährt dann aber schnell weiter. Ein Motorradfahrer stoppt und versucht, Autofahrer zum Anhalten zu bewegen – erfolglos. Es scheint niemanden zu interessieren.

Autounfall: Ignoranz hat Folgen

In diesem Fall hat die Ignoranz keine Folgen. Der Unfall war fingiert. Eine Fernsehproduktionsfirma hatte den Unfall mithilfe der Polizei in Brandenburg nachgestellt. Schauspieler simulierten die Verletzten im Autowrack, eine versteckte Kamera filmte die Szenen. Die Beamten wollten wissen, wie viele Menschen im Notfall Zivilcourage zeigen. Das Ergebnis war erschütternd: Neun von zehn Fahrern fuhren weiter – ohne zu helfen. Der Beitrag sorgte im vergangenen Sommer für Schlagzeilen und Entrüstung.

Zehntausende erleben Notfälle aus nächster Nähe

Dabei ist das Nichtstun im Notfall alltäglich. Zehntausende Menschen in Deutschland erleben akute Herzanfälle aus nächster Nähe, im Verkehr, an der Arbeitsstelle, im Haushalt, beim Sport oder beim Reisen. Meist passiert es schnell und unvermittelt: Ein Kind blutet nach einem Unfall, ein Erwachsener kippt einfach um, jemand erleidet einen Herzstillstand an seinem Schreibtisch. Die Umstehenden sind entsetzt – und leider meist auch wie gelähmt. Selbst wenn es um den eigenen Partner geht. Und das, obwohl Ersthelfer eine entscheidende Rolle für das Überleben der Betroffenen spielen.

Vor allem beim akuten Herzversagen ist Untätigkeit eines der größten Probleme. Das Deutsche Reanimationsregister geht von jährlich insgesamt 75 000 Herzstillstand-Fällen aus, die sich außerhalb der Kliniken ereignen. Derzeit werden davon 5000 Menschen erfolgreich reanimiert.

Ersthelfer könnten jährlich bis zu 10 000 Leben retten

„Wenn die Rettungskette von A bis Z optimal greifen würde, könnten wir auf 15 000 Überlebende kommen. Das heißt, wir könnten tatsächlich unsere Überlebensrate für diese Patienten in etwa verdreifachen“, sagt Prof. Jan-Thorsten Gräsner. Der Arzt ist Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel und Koordinator des Deutschen Reanimationsregisters.

Durch sofortige Hilfe von anwesenden Laien könnten jedes Jahr bis zu 10 000 Menschenleben mehr in Deutschland gerettet werden, bestätigt die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung.

Doch die Reanimationsquote liegt hierzulande nur bei 40 Prozent. „Das heißt, in vier von zehn Fällen fängt der Laie mit Widerbelebungsmaßnahmen an, bevor der Rettungsdienst dazukommt“, sagt Gräsner.

Zum Vergleich: Der europäische Durchschnitt liegt bei 52 Prozent. In Skandinavien sind es 60 bis 80 Prozent. Den Grund für die Differenz sieht Gräsner darin, dass in Skandinavien ein besseres Problembewusstsein vorherrsche. Dort werde schon früh damit begonnen, in den Schulen über Reanimation aufzuklären und diese zu trainieren. So sollte es auch in Deutschland sein. Das Fach „Schüler retten Leben“ sollte in allen Schulen Pflicht sein, fordert der Experte.

Bei den meisten ist der Erste-Hilfe-Kurs lange her

„Wer von Kindesbeinen an gelernt hat zu reanimieren – wie man auch laufen und Fahrrad fahren gelernt hat –, kann das Gelernte sein Leben lang wieder aufrufen.“

Bei den meisten Deutschen hingegen ist der Erste-Hilfe-Kurs so lange her wie der Führerscheinkurs. „Wenn man nicht gerade Betriebshelfer an seiner Arbeitsstelle ist, dann macht man so einen Kursus in der Regel einmal und nie wieder“, sagt Reanimationsexperte Gräsner.

Oder gar nicht. Beinahe jeder Achte in Deutschland hat noch nie an einem Erste-Hilfe-Kurs teilgenommen. Das geht aus einer Umfrage des Patientenmagazins „Hausarzt“ im vergangenen Jahr hervor. Von den Frauen hat demnach jede Siebte noch keinen Erste-Hilfe-Kurs absolviert, von den Männern jeder Zehnte.

Bei mehr als der Hälfte der Frauen und Männer in Deutschland (54,1 Prozent) liegt der Kurs schon mindestens zehn Jahre zurück. Wer also nicht hilft, weiß möglicherweise nicht, dass man im Notfall überhaupt etwas machen kann und dass es auf diese Maßnahmen tatsächlich ankommt.

Wiederbelebung: So geht’s

Atmet ein Mensch nicht mehr und lässt sich kein Puls fühlen, ist das Massieren des Herzens durch Druck auf den Brustkorb lebensnotwendig. Damit sollte sofort begonnen werden – bis der Patient wieder einen Puls hat oder der Notarzt eintrifft. Schon Zwölfjährige haben normalerweise die Kraft, das hinzubekommen.

So einfach ist das: Der Helfer muss einen Handballen auf die Mitte des Brustbeins des Patienten legen, die andere Hand darüber, Arme durchstrecken und dann fünf bis sechs Zentimeter nach unten drücken. 100- bis 120-mal pro Minute, und das so lange, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Um im richtigen Rhythmus zu drücken, hilft Musik. Es gibt weit bekannte Lieder, die genau den richtigen Beat haben. Dazu gehören „Stayin’ Alive“ von den Bee Gees, „Atemlos“ von Helene Fischer, „Yellow Submarine“ von den Beatles, „Dancing Queen“ von Abba oder „Highway to Hell“ von AC/DC.

Die Beatmung durch Mund oder Nase ist zweitrangig. Generell gilt die Anleitung: zwei Beatmungen folgen auf 30-mal Drücken.

Die Sorge, dass man zu stark auf den Brustkorb drücken könnte, ist unbegründet: Im schlimmsten Fall kann eine Rippe dabei brechen. Diese wiederum verheilt mit geringen Schmerzen. Wer gar nicht erst drückt, riskiert am Ende den Tod des Patienten.

Wer nicht eingreift, macht sich strafbar

Viele haben auch Angst, im Notfall etwas verkehrt zu machen, so die Erfahrung der Ärzte. Augenzeugen rufen oft den Rettungsdienst und denken: Die machen das schon. Das sei in vielen Fällen ja auch so, sagt Gräsner. „Aber nicht beim Herzstillstand. Da zählt jede Minute.“

Wer nicht eingreift, macht sich auch strafbar. Jeder ist gesetzlich verpflichtet, bei einem Unfall oder einem akuten Verletzungsfall vor Ort Erste Hilfe zu leisten. Alles andere ist unterlassene Hilfeleistung, für die bis zu ein Jahr Haft oder eine Geldstrafe drohen.

Bei dem fingierten Unfall in Brandenburg hatte die Polizei im Vorfeld geschätzt, dass etwa die Hälfte der Autofahrer die Unfallstelle links liegen lässt. Der Versuch lief mehr als fünf Stunden, real fuhren 90 Prozent vorbei.

Die Polizei winkte anschließend gut 100 Autofahrer heraus und stellte sie zur Rede. Tatsächlich erklärten viele, sie hätten Angst gehabt, bei der Ersten Hilfe etwas falsch zu machen. Andere behaupteten, die Unfallstelle nicht gesehen zu haben.

Rettungsmediziner Gräsner wird indes nicht müde, Menschen für die Erste Hilfe zu bewegen. Sein Leitsatz: „Das Einzige, was man verkehrt machen kann, ist nichts zu tun.“

Erste Hilfe bei Kindern stellt eine besondere Herausforderung dar. Denn die empfohlenen Maßnahmen gleichen nicht immer den Empfehlungen für Erwachsene. Wie Sie bei Wespenstichen, Verbrennungen oder Unfällen richtig reagieren, erfahren Sie in unserer Bilderstrecke.

Von RND / Sonja Fröhlich

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