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E-Highways: Erste Elektro-Autobahn für Lastwagen – eine ökologische Alternative?

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14:54 07.05.2019
Eine Scania R450 Hybrid Zugmaschine (M) fährt mit ausgefahrenem Stromabnehmer während der Inbetriebnahme der ersten deutschen Teststrecke für E-Lastwagen mit Oberleitung auf der Autobahn 5 (A5). Quelle: dpa
Langen

Die erste Elektro-Autobahn für den Güterverkehr in Deutschland ist am Dienstag in Hessen in Betrieb genommen worden. Auf der A5 können nun Hybrid-Lastzüge im realen Verkehr über Stromabnehmer an Oberleitungen Energie tanken. Die Lastwagen sollen wie Züge an die Leitung andocken und die Batterien aufladen. Im Rahmen des Projektes sollen alle Daten gesammelt werden, die für einen späteren Ausbau des Systems in Deutschland relevant sein könnten. Auf der Autobahn 5 sind in beide Fahrtrichtungen auf der rechten Spur jeweils fünf Kilometer mit Oberleitungsmasten versehen.

Das Bundesumweltministerium hat die Strecke auf der stark befahrenen, vierspurigen A5 zwischen Langen und Weiterstadt mit knapp 14,6 Millionen Euro finanziert. Weitere rund 15 Millionen Euro sollen nach Angaben von Schwarzelühr-Sutter in Datensammlungen und Auswertungen bis 2022 fließen. „Wir müssen in innovative Lösungen investieren“, sagte die Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesumweltministerium, Rita Schwarzelühr-Sutter (SPD), bei der Inbetriebnahme der Strecke an der A5. Es gebe große Herausforderungen beim Klimaschutz auch im Verkehrsbereich.

Oberleitungs-LKW als preiswerte und ökologische Alternative

Das Öko-Institut hatte im vergangenen Jahr eine Technologiebewertung von Oberleitungs-LKW vorgelegt. Der Bericht zeige unter anderem, dass Oberleitungs-LKW ab 2025 insgesamt betrachtet preiswerter sein können als Diesel-LKW, teilte das Science Media Center (SMC) mit. Gleichzeitig lasse sich auch unter Berücksichtigung einer noch vorhandenen fossilen Stromerzeugung gut ein Drittel der Treibhausgas-Emission des LKW-Fernverkehrs reduzieren. Brennstoffzellen-LKW wären dagegen bei weitem nicht so vorteilhaft.

Dieses Ergebnis ist ein erster Teilbericht des Forschungsvorhabens StratON, mit dem das Bundesumweltministerium untersuchen lässt, ob Oberleitungs-LKW eine Alternative zur Verlagerung von Gütern auf die Schiene sind, um den Kohlendioxid-Ausstoß des Güterverkehrs zu reduzieren. Derzeit werden dazu auch drei Teststrecken auf Autobahnen in Deutschland eingerichtet.

Ein Techniker fährt vor Beginn der Inbetriebnahme der ersten deutschen Teststrecke für E-Lastwagen mit Oberleitung an einer Raststätte der Autobahn 5 (A5) an einer Scania R450 Hybrid Zugmaschine den Stromabnehmer hoch. Quelle: Silas Stein/dpa

Experten halten E-Highways für sinnvoll – aber auch problematisch

Experten bewerteten die Ergebnisse positiv, sehen aber die Politik in der Pflicht. „Der zukünftige Einsatz des Systems eHighway wird außer von positiven Ergebnissen aus den Feldversuchen wesentlich von den Entscheidungen der Politik zur Infrastrukturinvestition und von der Mitwirkungsbereitschaft der Automobilindustrie abhängen“, kommentierte Prof. Manfred Boltze, Leiter des Instituts für Verkehrsplanung und Verkehrstechnik von der Technischen Universität Darmstadt, gegenüber dem SMC.

Laut Prof. Felix Creutzig vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change in Berlin weist das Öko-Institut nach, „dass Oberleitungs-LKW mittelfristig einen kostengünstigen und klimafreundlichen Beitrag zur Verkehrswende beitragen können“. Das liege zum einen daran, dass die Infrastruktur mit 3 Millionen Euro pro Kilometer einfach finanzierbar sei, so Creutzig dem SMC zufolge. Zum anderen ergebe sich durch das Nutzen der Oberleitungen die Möglichkeit, die Batterien für die kommende Elektrifizierung der LKW als E-LKW klein zu halten, da nur noch kürzere Distanzen im reinen Batteriebetrieb zurückgelegt werden könnten.

„Jährlich sind eine Milliarde Euro nötig“

Aber: „Das Henne-Ei-Problem ist das größte Hindernis. Solange es keine Oberleitungen gibt, rüstet kein Fuhrunternehmer seine Fahrzeuge um. Und solange es keine geeigneten LKW gibt, lohnt sich die Infrastruktur nicht“, folgert Creutzig.

Konkret schlägt er vor, dass die Bundesregierung in den nächsten zehn Jahren jährlich eine Milliarde Euro für de Aufbau der Infrastruktur investieren sollte, um die Infrastruktur aufzubauen, und in den ersten Jahren mit günstigen Krediten für Fuhrparkbetreiber und erniedrigten Mautgebühren die Umrüstung von LKW zu fördern.

„Damit könnte die Bundesregierung Handlungsfähigkeit beweisen und ein Zukunftsthema für sich besetzen“, konstatiert Creutzig. „Wichtig ist allerdings auch, dass der Kohleausstieg rasch gelingt. Damit könnte der Elektrizitätssektor und der Verkehrssektor im Tandem bis 2040 oder 2050 klimaneutral werden.“

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Von RND/dpa/Sonja Fröhlich

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