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11:10 02.11.2009
Der neue Forschungssatellit SMOS. Quelle: ESA
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Die Europäische Weltraumorganisation ESA nimmt den globalen Wasserhaushalt ins Visier. Der in der Nacht zum Montag vom russischen Militärkosmodrom Plessezk gestartete Satellit „SMOS“ (Soil Moisture and Ocean Salinity) misst erstmals gleichzeitig die Bodenfeuchtigkeit der Landflächen und den Salzgehalt der Ozeane. Er spielt damit eine Schlüsselrolle bei der Erforschung des Klimawandels.

Die „Rockot“-Trägerrakete hob pünktlich um 2.50 Uhr deutscher Zeit ab und setzte den knapp 660 Kilogramm schweren Raumflugkörper 70 Minuten später auf seiner sonnensynchronen Polarbahn in 758 Kilometern Höhe ab. Von dort soll er drei Jahre lang Daten für die erste globale Wasserkarte sammeln. Die Kosten der Mission, bei der Spanien und Frankreich federführend sind, betragen 315 Millionen Euro.

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ESA-Generaldirektor Jean-Jacques Dordain sagte, der Satellit gebe Europa „neue Werkzeuge“ zum besseren Verständnis unseres Planeten sowie eine neue „bahnbrechende Technologie“ an die Hand, mit der die europäische Industrie ihre Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt verbessern könne. Der ESA-Chef hatte dabei vor allem das einmalige Mikrowellenradiometer MIRAS (Microwave Imaging Radiometer using Aperture Synthesis) im Auge, das den Wasserzyklus zwischen Landflächen, Ozeanen und Atmosphäre überwacht.

Es zeichnet das Spektrum der von der Meeres- und der Erdoberfläche ausgehenden Mikrowellen-Strahlung auf. Durch die unterschiedlichen Strahlungsmuster können Bodenfeuchtigkeit und Salzgehalt ermittelt werden. MIRAS arbeitet im L-Band-Bereich bei 1400 Megahertz und erstellt mit 69 Antennen alle 1,2 Sekunden eine zweidimensionale Aufnahme von einer zirka 1000 Quadratkilometer großen sechseckigen Fläche.

Die von „SMOS“ gesammelten Daten ergänzen punktuelle Messungen, die bereits am Boden und auf den Ozeanen vorgenommen wurden, um die Wasserzirkulation zu ermitteln, wie der ESA- Direktor für Erdbeobachtungsprogramme, Volker Liebig, sagte. Das habe “überragende Bedeutung“ für die Meteorologen. Der Salzgehalt des Meeres ist zudem eine wichtige Kenngröße für die Umweltüberwachung. Wenn er etwa in der Polarregion stark absinkt, ist dies ein Alarmzeichen, das auf ein schnelleres Abschmelzen der Eiskappen hindeuten kann.

Deutschland ist mit einem Projektbüro an der Universität Hamburg an der Überprüfung und Kalibrierung der „SMOS“-Daten in der sechsmonatigen Testphase beteiligt. Seine Aufgabe ist es nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR), die Arbeiten in Deutschland und Europa koordinieren zu helfen und Nutzern außerhalb des wissenschaftlichen Umfelds als Informations- und Kontaktstelle zu dienen.

Nach dem erfolgreichen Start des Schwerefeldsatelliten „GOCE“ (Gravity Field and Steady- State Ocean Circulation Explorer) im März 2009 ist „SMOS“ die zweite Erdforschungsmission der ESA innerhalb ihres Programms „Lebender Planet“, an dem Deutschland mit 24 Prozent beteiligt ist. Es war 2002 aufgelegt worden, um mit Spitzentechnologien bei moderaten Kosten eine rasche Antwort auf wichtige wissenschaftliche Fragen zu finden.

Bereits für Februar 2010 ist die Mission „CRYOSAT“-2“ zur Erkundung der Eisstärke an den Polen geplant. Später folgen noch Missionen zur Erforschung der Atmosphärendynamik, des Magnetfelds der Erde sowie der Wechselwirkung zwischen Wolken und Aerosolen.

ddp