Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wissen EU-Behörde zweifelt Schock-Studie zu Genmais an
Nachrichten Wissen EU-Behörde zweifelt Schock-Studie zu Genmais an
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
18:10 04.10.2012
Ein Forscherteam hatte Krebserkrankungen und frühen Tod bei Ratten auf den Konsum des gentechnisch veränderten Maises NK 603 zurückgeführt.
Ein Forscherteam hatte Krebserkrankungen und frühen Tod bei Ratten auf den Konsum des gentechnisch veränderten Maises NK 603 zurückgeführt. Quelle: dpa
Anzeige
Brüssel/Parma

Nach deutschen haben auch europäische Experten die schockierende Studie über Krebsrisiken von Genmais und Pflanzenschutzmitteln als unglaubwürdig eingestuft. „Die wissenschaftliche Qualität ist unzureichend für eine gültige Risikobeurteilung“, erklärte die europäische Lebensmittelaufsichtsbehörde EFSA nach einer ersten Überprüfung am Donnerstag. Ein französischer Forscher hatte für Wirbel gesorgt, als er nach einer Langzeitstudie Ratten mit Riesentumoren präsentierte.

In seiner Untersuchung über zwei Jahre hatte Gilles Eric Séralini vor zwei Wochen nach eigenen Angaben nachgewiesen, dass Ratten, die mit dem Genmais NK603 oder dem Pflanzenschutzmittel Glyphosat gefüttert wurden, häufiger große Krebsgeschwüre entwickelten und eher starben. Die Fotos der Ratten mit tischtennisballgroßen Tumoren schürten die Angst vor Genfood.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) war bereits vor zwei Tagen zu dem Schluss gekommen, dass „die Schlussfolgerungen der Autoren nicht nachvollziehbar sind“. Es bemängelte wie jetzt auch die EFSA, dass in den einzelnen Untersuchungsgruppen zu wenig Nagetiere waren. Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) schreibt 50 Tiere pro Gruppe vor, Séralini hatte aber nur jeweils Gruppen mit zehn Ratten untersucht.

Die EU-Experten kritisierten auch, dass der französische Forscher die Tiere zwar in zehn Gruppen untersuchte, aber nur eine Kontrollgruppe dagegenstellte. Außerdem fehlten Einzelheiten zur Beschaffenheit des Futters, das möglicherweise auch durch andere Substanzen wie Pilze krankheitserregend war.

Die EFSA sieht aufgrund der Mängel der Studie auch keinen Anlass, die Gefahren der untersuchten Genmais-Sorte des US-Herstellers Monsanto oder von Glyphosat neu zu bewerten. Die Behörde forderte Séralini auf, zusätzliche Informationen über den Versuchsablauf vorzulegen. Ende Oktober will die EFSA dann eine zweite Einschätzung abgeben.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace kritisierte, dass Genprodukte in der EU bisher nach Tests zugelassen wurden, die höchstens drei Monate dauerten. „Die EU muss die Sicherheitstests so organisieren, dass sie routinemäßig Langzeitfolgen untersuchen“, forderte der Experte Marco Contiero. Für solche Langzeitstudien müssten entsprechende Kriterien festgelegt werden, nach denen die französische Studie dann wiederholt werden sollte.

Séralini, der seine Ergebnisse in der Fachzeitschrift „Food and Chemical Toxicology“ veröffentlichte, sieht sich selbst als Opfer der Agrarlobby. Die Gen-Kartoffel Amflora sei bereits nach Tests mit fünf Ratten zugelassen worden, sagte der Forscher nach ersten Zweifeln an seiner Studie Ende September.

dpa/dapd

Mehr zum Thema

Die französische Studie zu genmanipuliertem Mais hat die Diskussion über die Zulassung solcher Pflanzen in Europa neu entfacht."Wenn es den Verdacht gibt, dass hier krebserregende Stoffe drinnen sind, dann muss man das schleunigst und mit Hochdruck untersuchen", sagte der österreichische Landwirtschaftsminister Nikolaus Berlakovich beim Treffen mit seinen EU-Amtskollegen am Montag in Brüssel.

24.09.2012

Der Mais NK 603 könnte in aller Munde gelangen - in Europa ist er für Lebensmittel zugelassen. Dabei bekommt der genveränderte Mais Ratten scheinbar nicht. Französische Forscher fütterten die Tiere zwei Jahre damit. Und stellten fest, dass sie früher starben.

19.09.2012

Deutsche Biologen haben die französische Studie zum erhöhten Krebsrisiko durch Genmais scharf kritisiert."Sowohl von der Auswahl der Tiere als auch vom statischen Ansatz her ist das Studiendesign nicht vertretbar", sagte der Vizepräsident des Verbandes Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBio), Prof. Diethard Tautz.

21.09.2012