Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wissen Ebola-Verdacht bei Hamburger Forscherin zunächst nicht bestätigt
Nachrichten Wissen Ebola-Verdacht bei Hamburger Forscherin zunächst nicht bestätigt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:46 19.03.2009
Die Frau wurde von der Isoliereinheit auf die reguläre Infektionsstation verlegt. Quelle: Lija Peter/afp
Anzeige

Die Frau wurde am Donnerstag - eine Woche nach ihrer Stichverletzung durch eine verseuchte Spritze - aus der Isoliereinheit des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) auf die reguläre Infektionsstation verlegt, wie die Klinik mitteilte.

Seit dem Nadelstich am 12. März sei die Patienten fieberfrei gewesen, erklärte das UKE. Alle täglichen Untersuchungen blieben demnach ohne Virusnachweis. Lediglich am Sonntag sei nach einer Impfung vom Vortag eine fieberhafte Reaktion aufgetreten, die rückblickend aber mit Sicherheit als Impfreaktion einzuordnen sei. Seit Sonntagabend sei die Forscherin völlig beschwerdefrei und alle Laboruntersuchungen unauffällig gewesen.

Anzeige

Bis zum Ende der maximal dreiwöchigen Inkubationszeit werde die Forscherin nun noch zur stationären Beobachtung im Krankenhaus bleiben, sagte eine Sprecherin des Bernhard-Nocht-Instituts (BNI) für Tropenmedizin. Daher handele es sich zunächst nur um eine „vorläufige Entwarnung“. Der Leiter der virologischen Abteilung des BNI, Stephan Günther, sagte AFP, seine Kollegin sei „noch nicht über den Berg“. Noch in den kommenden zwei Wochen könne es sein, „dass die Krankheit zum Ausbruch kommt“. Die Sterblichkeit des Ebola-Fiebers liegt beim betreffenden Virustyp laut UKE bei 90 Prozent.

Die Forscherin hatte sich im Hochsicherheitslabor versehentlich durch drei Sicherheitshandschuhe hindurch in die Hand gestochen. Sie arbeitet dort nach BNI-Angaben an der Herstellung von Ebola-Antikörpern. Laut UKE ließ sie sich noch am selben Tag untersuchen und am nächsten Tag vorbeugend auf der Infektionsstation aufnehmen. Am Samstag sei sie dann nach Rücksprache mit internationalen Experten mit einem in den USA bislang nur an Tieren erprobten Serum geimpft worden. Dieses besteht aus einem harmlosen Trägervirus, in das gentechnisch Teile des Ebola-Erregers eingebaut wurden. Am Tag nach der Impfung wurde die Forscherin vorsorglich in die Isoliereinheit verlegt.

Wie genau es zu dem Laborunfall kommen konnte, war laut BNI weiter unklar. Es handele sich um eine sehr erfahrene Wissenschaftlerin. „Das muss ein ganz blöder Zufall gewesen sein“, sagte die Srecherin. In den 30 Jahren seit Inbetriebnahme des Hochsicherheitslabors habe es dort noch keinen derartigen Vorfall gegeben.

Die Inkubationszeit bis zum Ausbrechen einer Ebola-Erkrankung beträgt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts zwischen zwei und 21 Tagen. Das bislang ausschließlich in Afrika bei Menschen gefundene Virus ist nur nach Ausbruch einer Erkrankung über Blutkontakt von Mensch zu Mensch übertragbar. Das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut ist die größte tropenmedizinische Einrichtung in Deutschland. Als Nationales Referenzzentrum für tropische Infektionserreger zählen zu seinen Aufgaben die Behandlung und Diagnostik von Tropenkrankheiten.

afp