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Forscher berechnen: So viel Energie verbrauchen Bitcoins wirklich

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17:15 12.06.2019
Bitcoin-Münze, fotografiert in Berlin beim Münzhandel «BitcoinCommodities». Quelle: Jens Kalaene/zb/dpa
München

Die Digitalwährung Bitcoin verbraucht sehr viel Rechenleistung von Computern und damit Energie. Wissenschaftler der Technischen Universität München haben nun errechnet, wie groß ihr ökologischer Fußabdruck ist.

Mit Stand von November 2018 verbrauchten alle Rechner, die Bitcoins erstellen, etwa 45,8 Billionen Wattstunden pro Jahr. Dies führt der Studie zufolge zu einem jährlichen Ausstoß von 22 bis 22,9 Millionen Tonnen Kohlendioxid (CO2). Damit liege der Ausstoß ungefähr auf dem Level von Staaten der Größe wie Jordanien oder Sri Lanka.

Bitcoin seit 2008 auf dem Vormarsch

Die kryptografische Währung Bitcoin gibt es seit 2008. Für Vertrauenswürdigkeit und Absicherung des digitalen Geldes soll ein Mechanismus mit dem Namen Blockchain sorgen. 2017 boomte die auf der Blockchain-Technologie basierende Kryptowährung dermaßen, dass eine Bitcoin-Einheit zwischenzeitlich fast 20 000 US-Dollar (heute knapp 18 000 Euro) wert war.

Damit nicht zu große Mengen Bitcoins auf den Markt kommen, müssen per Computer komplizierte mathematische Rätsel gelöst werden, um Bitcoins zu „schürfen“ - wie Edelmetall aus einer Mine.

Forscher rechnen mit allen Umständen

Die Münchner Wissenschaftler nutzen die Daten der Hersteller von Hardware für das Bitcoin-Schürfen, die im Zuge von Börsengängen veröffentlicht wurden, um den Energieverbrauch der Bitcoin-Schürfcomputer zu schätzen. Sie berechneten auch den Verbrauch für Kühlung und Zusatzgeräte mit ein und bedachten sogar den Umstand, dass die meisten Bitcoins in Island geschürft werden, wo viel Energie aus nachhaltigen Quellen kommt. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Forscher in der Fachzeitschrift „Joule“.

Die Methoden, um Bitcoins zu gewinnen werden von Jahr zu Jahr komplizierter und damit Energie-intensiver. Inzwischen wird eine Anwendung der Blockchain-Technologie auch in anderen Bereichen, etwa in der Vertragsgestaltung, diskutiert. Darunter gibt es Methoden, die deutlich weniger Energie verbrauchen als das Schürfen von Bitcoins.

CO2-Ausstoß stärker berücksichtigen

„Wir stellen nicht die Effizienzgewinne, die die Blockchain-Technologie in bestimmten Fällen bieten könnte, in Frage“, wird Stoll in einer Mitteilung der Zeitschrift „Joule“ zitiert. Allerdings konzentriere sich die aktuelle Debatte um diese Technologie auf den erwarteten Nutzen.

Nach Auffassung der Forscher müssten jedoch die Kosten einschließlich des CO2-Ausstoßes stärker berücksichtigt werden.

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Von rnd/dpa/humml