Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wissen Forscher entdecken neue tropische Schneckengattung in Österreich
Nachrichten Wissen Forscher entdecken neue tropische Schneckengattung in Österreich
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:32 23.06.2010
Der stellvertretende Tiergartendirektor Harald Schwammer des Tiergarten Schönbrunn in Wien präsentiert ein Bild der neuen Schneckenart "Schwammeria". Quelle: dpa
Anzeige

Unbekannte tropische Schneckengattung im Zoo in Wien entdeckt: Jahrelang haben sich die Tierchen unbemerkt munter vermehrt. Wahrscheinlich sind sie zufällig mit importierten Pflanzen aus Borneo nach Wien gekommen. Ein russischer Wissenschaftler spürte den Sensationsfund nebenbei im Boden des Regenwaldhauses auf und taufte die neue Gattung zu Ehren des stellvertretenden Zoodirektors Schwammeria.

„Für mich ist das ein großer Spaß, aber auch eine sehr große Ehre“, sagt Namensgeber Harald Schwammer. Eigentlich sei er ja Elefantenexperte, aber auch die Mini-Kriecher finden seine Sympathie: „Mein Herz steht allen Tieren offen.“ Dass eine neue Tiergattung in einem Zoo entdeckt wird, ist seinen Angaben nach weltweit einzigartig. In Schönbrunn habe der Zufall eine große Rolle gespielt.

Anzeige

2004 lässt der Zoo für das neue Regenwaldhaus Kletter- und Bodenpflanzen von der Insel Borneo im indonesischen Archipel einfliegen. „Dazu gibt es sehr strenge Importvorschriften“, sagt Schwammer. Die Pflanzen würden beispielsweise desinfiziert und von jeglicher Erde befreit. Doch irgendwie müssen ein paar Schnecken die Prozedur und den langen Flug überstanden habe: „Anders ist es nicht möglich.“ Im feucht-warmen Boden des Tropenhauses fühlen sich die Tierchen schnell zu Hause und vermehren sich.

Vor zwei Jahren entdeckt dann der russische Forscher Anatoly Schileyko - zufällig ein international bekannter Schneckenexperte - bei einem Besuch die bisher geheimen Zoobewohner. Er nimmt einige zur genauen Untersuchung mit nach Hause und findet heraus, dass die schon 1895 oberflächlich beschriebenen Tiere falsch eingeordnet wurden: Ihre Häuser und inneren Organe unterscheiden sich völlig von allen anderen Schneckenarten - sie sind eine eigene Gattung.

„Vor vierzehn Tagen stand er dann überraschend bei mir Büro und sagte: „Wir haben eine neue Schnecke entdeckt und nach dir benannt““, schildert Schwammer. Die durchscheinenden, bräunlichen Kriechtiere mit ihren seiden glänzenden Gehäusen heißen nun statt Sitala rumbangensis künftig Schwammeria rumbangensis. Schileyko beschreibt sie detailliert in den „Annalen des Naturhistorischen Museums Wien, B“ (Bd. 111, S. 5).

Ein neuer Besuchermagnet werden die winzigen Wirbellosen wohl nicht werden. „Wir können sie nicht sichtbar ausstellen, dann würden sie vertrocknen“, sagt der Experte. Sie dürfen im Boden des Tropenhauses bleiben, wo sie Pflanzenreste fressen. Für die weitere Zucht müsse man nur klären, ob die Tierchen nicht Beute für die freilaufenden Geckos und Fröschen sind. Insgesamt leben im Tierpark nach Angaben Schwammers „ungefähr 500“ Tierarten - denn auf eine genaue Zahl will sich der Experte nach der Schnecken-Erfahrung nicht mehr festlegen.

dpa