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Wissen Forscher testen Sturmfestigkeit der Wälder
Nachrichten Wissen Forscher testen Sturmfestigkeit der Wälder
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13:01 13.10.2009
Kabelstränge verlaufen bei Freiburg an dem Stamm eines Ahornbaums hinab. Quelle: ddp
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Von den Ästen laufen Kabelstränge den Stamm hinab, bis ins kleinere Geäst registrieren knopfgroße Sensoren alle Bewegungen der Äste und Zweige, während auf vier Stahlmasten rund um den Baum Windstärke und Richtung gemessen werden: ein Experiment, in dem Forscher weltweit erstmals einen Laubbaum in natürlicher Umgebung auf Windverhalten untersuchen. Experten aus der ganzen Welt reisen in dieser Woche in die südbadische Stadt. Am Dienstag beginnt an der Universität Freiburg der internationale Kongress „Wind Effects on Trees“.

Auf dem zweiten Symposium dieser Art in Deutschland geht es etwa um die Auswirkung der Walddichte auf die Standfestigkeit von Bäumen oder das Windverhalten von Wäldern einer einzelnen Baumart oder Wurzelverankerung bei Wind und Regen. Die Forschungsbeiträge kommen vornehmlich aus Deutschland, Frankreich, der Schweiz, Japan und den USA. Insgesamt kommen rund 100 Teilnehmer aus 30 Ländern, darunter Wissenschaftler aus Iran, Gambia, Nigeria, Thailand, der Türkei und China.

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Der Direktor des Meteorologischen Instituts der Universität Freiburg, Helmut Mayer, will auch die Messergebnisse der weltweit ersten Untersuchung über das „Schwingungsverhalten“ des verkabelten Baums in der Nähe von Freiburg präsentieren. Mayer zufolge ist eine „Vielfalt der Forschungsrichtungen“ vertreten. Die Sozialwissenschaftler untersuchen, wie sich Windbruch auf die Umwelt auswirkt und zu welchem Preisverfall von Holz dies erwartungsgemäß führt. Auch „die Schutz- und Erholungsfunktion“ der Wälder sei ein großes Thema, sagt der Konferenzveranstalter. Erst wenn die Wissenschaft die Auswirkung von Stürmen auf Wald und Bäume verstehe, könnte mit geeigneter Bepflanzung Schäden vorgebeugt werden.

Auf der Tagung kommen Meteorologen zu Wort, die vor einer Zunahme von Orkanen warnen. Physiker und Biologen beschäftigt, wie Bäume Sturm widerstehen und warum sie brechen. Standort und Baumart komme dabei große Bedeutung zu, sagt der Leiter der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg (FVA), Ulrich Kohnle. Die Bodenbeschaffenheit bestimme über die Standfestigkeit des Baums. Seine Höhe und Lage seien ausschlaggebend für die Windanfälligkeit.

Die aus der ganzen Welt zusammengetragenen Forschungsergebnisse münden Kohnle zufolge in praktische Empfehlungen der FVA an Waldbesitzer, Gemeinden und Forstämter. Diese könnten auf dieser Basis selbst entscheiden, wie viel Fläche sie für die Windbruch gefährdeten, jedoch weit ertragreicheren Nadelbäume ausweisen. In Deutschland würden mittlerweile zunehmend Laubbäume mit geringerem Sturmrisiko gepflanzt. Dies verändere auf lange Sicht die Landschaft - bei abnehmender Wirtschaftlichkeit, wie Kohnle beklagt.

ddp

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