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Wissen Forscher untersucht die Psychologie des Elfmeters
Nachrichten Wissen Forscher untersucht die Psychologie des Elfmeters
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07:19 06.06.2010
Quelle: dpa
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Von 75 Prozent könne die Trefferwahrscheinlichkeit auf über 80 oder sogar 90 Prozent gesteigert werden. „Da wird vieles im Training noch nicht ausgeschöpft“, glaubt der 31-Jährige. Am Institut für Psychologie der Universität Leipzig schreibt Froese zurzeit seine Doktorarbeit über Erfolg und Misserfolg beim Elfmeterschuss.

Froese sitzt mit Sporthemd und -schuhen in seinem Büro über den Dächern der Stadt. „Elfmeter hat mich schon immer fasziniert“, sagt er. „Dieses Spiel im Spiel ist sehr einfach, wird dann aber doch sehr komplex.“ Der 31-Jährige weiß, wovon er spricht. Seit 25 Jahren spielt er selbst Fußball, hatte es zwischenzeitlich mit seinem Heimatverein Union Berlin bis in die Regionalliga geschafft. „Ich hab dann gemerkt, dass es für den Profi-Fußball doch nicht reicht.“ Immerhin: Seine Elfmeter-Quote sei respektabel. Seinem Lebensthema blieb er treu, jetzt eben in der Wissenschaft.

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Der Diplom-Psychologe hat Fachliteratur durchforstet und Datenbanken mit rund 4000 Elfmetern der Bundesliga-Historie. Dazu kamen Interviews mit Fußballern, die ihm beschrieben, was ihnen am Elfmeterpunkt so durch den Kopf geht. Als nächster Schritt steht ein Experiment an, das Froeses Team passenderweise den „Elfmeterkönig von Leipzig“ getauft hat. Rund 60 bessere Amateurfußballer sind zu einem Turnier eingeladen. Unter Druck sollen sie sich als Elfmeter-Schützen beweisen. „Wir wollen sehen, ob sich ein Spielertyp durchsetzt, und welche Strategien in bestimmten Drucksituationen angewandt werden.“

Natürlich sei der „Elfmeterkönig von Leipzig“ nicht das WM-Finale, räumt Froese ein. „Aber grundsätzlich weiß man, dass die Simulation von Druck relativ gut funktioniert. Der Mechanismus als solcher bleibt gleich.“ Druck erzeugen im Training - das funktioniere zum Beispiel, indem der Schütze am Elfmeter-Punkt Rechenaufgaben lösen muss oder sich die Mannschaftskameraden demonstrativ um ihn herum versammeln. Wer Strategien erlerne, mit diesem Druck umzugehen, der werde ein besserer Schütze, sagt Froese voraus.

Die Doktorarbeit soll nächstes Jahr fertig sein. Dann hofft Froese, dass seine Erkenntnisse eine neue Grundlage für das Elfmeter- Training bieten. „Das Ganze soll münden in ein Leistungsmodell, in dem die Leistungsfaktoren erfolgreicher Elfmeterschützen wissenschaftlich nachgewiesen werden.“ Schon mit der Jugend könne entsprechend trainiert werden.

dpa