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Wissen Forscherin in Hamburg möglicherweise mit Ebola-Virus infiziert
Nachrichten Wissen Forscherin in Hamburg möglicherweise mit Ebola-Virus infiziert
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17:35 17.03.2009
In Deutschland gibt es möglicherweise einen Fall von Infektion mit dem hochansteckenden Ebola-Virus. Quelle: Roland Magunia/ddp
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Die Frau habe sich im Hochsicherheitslabor versehentlich durch ihre Schutzkleidung hindurch mit einer leeren Spritze gestochen, die zuvor Proben des Virus enthalten habe, teilte das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) am Dienstag mit. Bisherige Untersuchungsergebnisse deuteten nicht auf eine Ebola-Erkrankung hin, die Frau sei aber vorsorglich in eine Isoliereinheit verlegt worden. Es wäre nach Kenntnis der Uniklinik die erste Ansteckung mit Ebola-Fieber in Deutschland.

Der Unfall im Labor des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNI) ereignete sich bereits am vergangenen Donnerstag. Die Wissenschaftlerin piekste sich mit der Nadel laut einer UKE-Sprecherin durch drei Sicherheitshandschuhe hindurch in die Hand. Die Frau sei noch am selben Tag untersucht worden und habe sich am folgenden Tag vorbeugend auf der UKE-Infektionsstation aufnehmen lassen. Da sie keine Symptome gezeigt habe, bestand demnach auch keinerlei Ansteckungsgefahr für Kontaktpersonen.

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Die Sterblichkeit des Ebola-Fiebers liege beim vorliegenden Virustyp bei 90 Prozent, erklärte die Uniklinik. Vor diesem Hintergrund und mangels anderer Möglichkeiten zur Vorbeugung oder Behandlung sei der Wissenschaftlerin mit einem in den USA bislang nur an Tieren erprobten Impfstoff geimpft worden. Dieser besteht aus einem harmlosen Trägervirus, in das gentechnisch Teile des Ebola-Erregers eingebaut wurden.

24 Stunden nach der Impfung vom Samstag trat demnach bei der Frau Fieber auf, eine erwartete Impfreaktion. Da allerdings auch eine Ebola-Erkrankung mit Fieber begänne und dieses den Beginn der Ansteckungsgefahr aufzeigen würde, sei die Geimpfte am Sonntag unverzüglich in die Isoliereinheit verlegt worden. Seither werde das Blut der Betroffenen kontinuierlich untersucht, um mithilfe hochsensitiver molekulargenetischer Methoden zu beobachten, ob die erhöhte Temperatur auf die erwartete Vermehrung des harmlosen Impfvirus oder ein Erscheinen des Ebola-Virus zurückzuführen sei.

Die Inkubationszeit bis zum Ausbrechen einer Ebola-Erkrankung beträgt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts zwei bis 21 Tage. Das bislang ausschließlich in Afrika bei Menschen gefundene Virus ist laut UKE nur nach Ausbruch der Erkrankung über Blutkontakt von Mensch zu Mensch übertragbar. Das Hamburger Bernhard-Nocht-Institut ist die größte tropenmedizinische Einrichtung in Deutschland. Als Nationales Referenzzentrum für tropische Infektionserreger zählen zu seinen Aufgaben die Behandlung und Diagnostik für Tropenkrankheiten.