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Nachrichten Wissen Friends of the Earth erhalten ersten Onassis-Umweltpreis
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15:13 17.11.2010
Im Jordan wurde einst Jesus getauft. Der Grenzfluss zwischen Jordanien und Israel ist heute stark verschmutzt und wegen der vielen Wasserentnahme stellenweise nur noch ein braunes Rinnsal. Quelle: dpa (Archiv)
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Die Nahost-Umweltorganisation Friends of the Earth Middle East hat in Hamburg den mit 250.000 Euro dotierten Onassis-Umweltpreis erhalten. Die Organisation - ein Zusammenschluss aus Israelis, Jordaniern und Palästinensern - engagiert sich seit 1994 für die Rettung des Flusses Jordan.

Nach Ansicht der Onassis-Stiftung kann sie dabei „auf herausragende Ergebnisse für den Schutz des Wasserkreislaufs bei zunehmender Wasserknappheit verweisen“. Der Preis wurde am Mittwoch zum ersten Mal vergeben. Künftig soll er alle zwei Jahre in der Hansestadt für herausragende Beiträge für den Schutz und die Verbesserung der Umwelt - einschließlich der nachhaltig sparsamen Nutzung von Energie - verliehen werden.

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Der „Aristotle Onassis Preis für den Schutz der Umwelt“ gilt als eine der höchst dotierten internationalen Umweltauszeichnungen. Er „will Einzelpersonen oder Organisationen fördern, die entweder heute schon herausragende Beiträge zum Umweltschutz leisten oder auch das Potenzial haben, solche Beiträge in absehbarer Zukunft zu liefern“, sagte die Jury-Vorsitzende, Hamburgs Umweltsenatorin Anja Hajduk (GAL).

Die Friends of the Earth Middle East hätten dies beispielhaft erfüllt. „Man braucht demokratische Lösungen, man braucht wissenschaftliche und wirtschaftliche Lösungen“, betonte der Präsident der Alexander S. Onassis Stiftung, Anthony S. Papadimitriou. Die Organisation decke all diese Fragen ab.

Im Nahen Osten sei eine gute und gesicherte Wasserversorgung auch entscheidend für den Erfolg von Friedensbemühungen, betonte Hajduk. So kümmere sich die Organisation um die gerechte und nachhaltige Verteilung des Wassers aus dem Jordan. Dazu zähle etwa das Projekt „Gute Wassernachbarschaft“, an dem grenzüberschreitend neun palästinensische und jeweils acht jordanische und israelische Gemeinden beteiligt seien. Darüber hinaus seien Touren zwischen den Orten erarbeitet worden, wodurch „das kulturelle Erbe, die Schönheit der Landschaft, aber auch ihre Zerstörung zum Ausdruck“ gebracht würden. Zudem seien etliche kleine Projekte zur Eindämmung der Wasserknappheit in der Region umgesetzt worden, sagte Hajduk.

„Wie jeder weiß, ist der Nahe Osten keine einfache Region in der Welt“, sagte der Vorsitzende der Organisation und jordanische Direktor Munqeth Mehyar. Dort Umweltschutz zu betreiben, gestalte sich sehr schwierig. Dabei sei die Hälfte der Artenvielfalt am Jordan bereits vernichtet. Nur noch zwei Prozent des Flusses seien in seinem ursprünglichen Zustand, betonte der israelische Direktor der Organisation, Gidon Bromberg. „Heute würden Sie sich dort sicher nicht mehr taufen lassen wollen“, sagte er mit Blick auf die Taufe Jesu im Jordan vor etwa 2000 Jahren. Der palästinensische Direktor, Nader Khateeb, kritisierte das geringe finanzielle Engagement der Verantwortlichen im Nahen Osten für den Umweltschutz. „Wenn es aber darum geht zu töten, zu zerstören, dann ist immer genug Geld da“, betonte er.

dpa

Dieser Artikel wurde aktualisiert.