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18:05 04.11.2015
Frieda und ihre Mutter Yvonne: Das Mädchen wurde 2010 als Europas jüngstes Frühchen geboren – nach nur 21 Wochen und fünf Tagen Schwangerschaft. Quelle: Jörn Perske/dpa
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Fulda

Europas jüngstes Frühchen hat sich entgegen aller Befürchtungen von Fachleuten gesundheitlich sehr gut entwickelt. "Frieda ist ein kleines Wunder. Wir können sehr zufrieden sein. Körperlich hat sie zwar Nachholbedarf, aber es geht stetig bergauf", sagte der Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Fulda, Professor Reinald Repp.

Mutter: Frieda hat sich toll entwickelt

Das Mädchen war im November 2010 bereits nach 21 Wochen und fünf Tagen im Klinikum Fulda zur Welt gekommen. Eine normale Schwangerschaft dauert 40 Wochen. Als sie entbunden wurde, war Frieda nur 26 Zentimeter groß und wog 460 Gramm. Wochenlang kämpften Ärzte um das Überleben des außergewöhnlich jungen Frühchens.

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Mediziner bezeichnen Frieda als ein Wunder. Auch wenn Europas jüngstes Frühchen immer noch kleiner und leichter ist als andere in seinem Alter.

18 Monate später war sie 72 Zentimeter groß und wog 6,3 Kilogramm. Mit drei Jahren hatte sie eine Körpergröße von 86 Zentimetern und ein Gewicht von neuneinhalb Kilogramm. Normal seien wenigstens zehneinhalb Kilo und 88 Zentimeter, sagt Repp. "Sie hat sich toll entwickelt. Wir sind sehr glücklich darüber. Die Erleichterung ist riesengroß", meint Friedas Mutter Yvonne (38).

Arzt erwartet keine schweren Probleme

Am Sonnabend feiert das Mädchen seinen fünften Geburtstag: "Sie ist altersgemäß entwickelt und hat keine großen Defizite, die über individuelle Besonderheiten hinausgehen", sagte Repp. "Bei Tests kann sie mit Normal-Geborenen mithalten. Sie ist an allem interessiert und spricht sehr gut."

Ob sich Friedas erstaunlich positive Entwicklung fortsetzt, sei schwer zu sagen, erklärte Repp. Es gebe zu wenig wissenschaftliche Erkenntnisse über den Lebensweg von extrem unreifen Frühchen. "Aber derzeit bestehen keine Anzeichen, dass schwere Probleme zu erwarten sind. Sie hat eine gute Prognose, aber keine Garantie."

Viele Frühchen haben dauerhafte Schäden

Friedas gute Entwicklung ist außergewöhnlich. Denn häufig tragen extrem unreife Frühchen dauerhafte Schäden davon – wenn sie überhaupt überleben. Lunge, Darm, aber auch Gehör und Netzhaut können geschädigt sein. Es drohen Hirnblutungen und bleibende Behinderungen.

Extrem junge Frühchen kommen in Deutschland immer mal wieder zur Welt. Die kleine Paulina Emily wurde 2011 in Greifswald in der 23. Schwangerschaftswoche mit 490 Gramm und 27 Zentimetern geboren. In Rostock kam im selben Jahr ein Frühchen in der 23. Schwangerschaftswoche mit 33 Zentimetern und 650 Gramm zur Welt. In Dortmund überlebte ein Frühchen mit einem Geburtsgewicht von lediglich 280 Gramm, etwas schwerer als ein Päckchen Butter.

Friedas Zwillingsbruder starb nach der Geburt

Wenn Frieda am Samstag Geburtstag feiert, wird aber auch Trauer mitschwingen. Denn Friedas Zwillingsbruder schaffte es nicht. Kilian starb sechs Wochen nach der Entbindung an Herz- und Darmproblemen. Wer Kilian war – davon hat sich Frieda ihr eigenes Bild gemacht. Sie sagt, sie habe mit ihm in Mamas Bauch gekuschelt.

Von Jörn Perske

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