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Nachrichten Wissen Göttinger Forscher finden Glas in Aschewolke aus Island
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20:25 29.04.2010
Nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull legte eine Aschewolke tagelang den europäischen Flugverkehr lahm. Quelle: dpa
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Ein leichter Regen machte es möglich: Göttinger Geowissenschaftler haben erstmals mit einer Elektronen-Mikrosonde die chemische Zusammensetzung der Aschewolke untersucht, die nach dem Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull gen Westen getrieben war. Das Einsammeln des Probenmaterials fand nicht etwa in der Luft, sondern am Boden statt. Die Gelegenheit dazu bot sich am vergangenen Wochenende, nachdem es in Göttingen leicht geregnet hatte. Die Geowissenschaftler sammelten danach von der Oberfläche frisch gewaschener Autos die Staubpartikel ein, die mit dem Regen heruntergekommen waren.

Auf den Autos hatten sich zwar nur wenige Milligramm pro Quadratmeter abgelagert. Doch den Vulkanforschern Prof. Gerhard Wörner und Dr. Andreas Kronz aus der Abteilung Geochemie des Geowissenschaftlichen Zentrums gelang es, die Aschepartikel unter dem Elektronenmikroskop sichtbar zu machen. „In ihrer Konzentration war die Aschewolke nicht dichter als ein sommerlicher Sandsturm in der Sahara über Nordafrika“, sagte Wörner. Allerdings sei die Zusammensetzung ganz anders. Jetzt müssten Ingenieure herausfinden, wie und in welchen Konzentrationen die Vulkanasche die Triebwerke von Flugzeugen schädigen kann.

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Die untersuchten Partikel bestehen zum großen Teil aus Silikat-Glas. Diese entstanden, als im Schlot des Vulkans heiße Lava auf kaltes Gletscherwasser traf und in kleine Einzelteile zerplatzte. Durch die rasche Abkühlung erstarrten die herausgeschleuderten Teilchen schlagartig zu Glas.

Die Wissenschaftler fanden bei ihren Untersuchungen die typischen Elemente Silizium, Aluminium, Magnesium, Eisen und Kalzium sowie Kristalle, die ebenfalls für Island typisch sind. Auf der Oberfläche der Partikel konnten sie erhöhte Konzentrationen von Chlor und Schwefel messen. „Dies deutet darauf hin, dass sich vulkanische Gase aus der Eruptionswolke auf den Aschepartikeln niedergeschlagen haben“, erläuterte Wörner.

Die Feinstaubbelastung in Göttingen hat sich durch die Aschewolke kaum erhöht. Mit dem Regen seien ein bis zwei Kilogramm feinste Asche auf einen Quadratmeter verteilt worden, sagte Wörner. „Das entspricht der Menge einer Kinderschaufel voll Feinstaub verteilt über die ganze Göttinger Innenstadt. Allein durch Autoverkehr werden größere Mengen an Feinstaub produziert.“

pid

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