Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wissen Göttinger Wissenschaftler entdecken neue Menschenaffen-Art
Nachrichten Wissen Göttinger Wissenschaftler entdecken neue Menschenaffen-Art
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
13:48 21.09.2010
Die Anzahl der Individuen des Nördlichen Gelbwangen-Schopfgibbons schätzen die Forscher auf noch etwa 100.
Die Anzahl der Individuen des Nördlichen Gelbwangen-Schopfgibbons schätzen die Forscher auf noch etwa 100. Quelle: dpa
Anzeige

Göttinger Forscher haben eine neue Menschenaffenart entdeckt. Es handele sich um eine bisher nicht bekannte Gibbonart, sagte Professor Lutz Walter vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ). Die sogenannten Nördlichen Gelbwangen-Schopfgibbons (Nomascus annamensis) leben in Baumwipfeln des Berglandes zwischen Vietnam, Laos und Kambodscha. Die Wissenschaftler berichten über die Forschungsergebnisse im „Vietnamese Journal of Primatology 1(4), 2010.

Untersuchungen des Erbmaterials und eine Analyse des Gesanges hätten eindeutig gezeigt, dass es sich um eine eigene Art handelt, berichteten die DPZ-Forscher. Damit seien jetzt sieben Arten von Schopfgibbons bekannt. Gibbons werden wegen ihrer relativ geringen Körpergröße als „Kleine Menschenaffen“ bezeichnet. Neben Gibbons gehören Orang-Utans, Gorillas, Schimpansen und Bonobos zu den Menschenaffen.

„Die Entdeckung ist eine kleine Sensation“, sagte Prof. Walter. Dass diese sehr seltene Gibbon-Art der Wissenschaft bisher unbekannt war, liege zum einen daran, dass die Bergregion, in der die Tiere leben, nur sehr schwer zugänglich sei. Zum anderen hielten sich die Affen nahezu ausschließlich in den Wipfeln hoher Bäume auf. Charakteristisch für Gibbons sind ihre langen Arme und die Fähigkeit, sich mit weiten Schwüngen präzise durch höchste Baumwipfel zu hangeln.

Auf die Spur der neuen Art sind die Göttinger Wissenschaftler durch den besonderen Gesang der Tiere gestoßen, der vermutlich der Territorialverteidigung dient und wohl ein Vorläufer der menschlichen Musik ist. Die Analyse der Ton-Frequenz und der Tongeschwindigkeit habe gezeigt, dass es sich um eine eigene Art handelt, sagte Walter.

Dies hätten auch genetische Untersuchungen an Darmausscheidungen der Tiere belegt, berichtete der Primatenforscher Christian Roos. Die Anzahl der Individuen des Nördlichen Gelbwangen-Schopfgibbons schätzt er auf noch etwa 100. Er sei damit ähnlich stark bedroht wie die anderen Schopfgibbon-Arten in Südostasien.

Grund dafür sei die illegale Jagd. Gibbons würden als Haustiere gehalten, gegessen und zu traditioneller Medizin verarbeitet. Eine große Bedrohung sei auch der Verlust des Lebensraumes durch Rodungen für Plantagen oder den Abbau von Bodenschätzen. Als seltenste und am stärksten vom Aussterben bedrohte Affenart weltweit gilt der Hainan-Schopfgibbon, von dem es nur noch etwa 20 Individuen gibt.

dpa