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Wissen HI-Virus: schnelle Mutation narrt die menschliche Immunabwehr
Nachrichten Wissen HI-Virus: schnelle Mutation narrt die menschliche Immunabwehr
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16:11 26.02.2009
Quelle: Tengku Bahar/afp
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Durch extrem schnelle Mutationen könne das HI-Virus genetischen Entwicklungen zuvorkommen, die zu einem natürlichen Schutzschild gegen den tödlichen Erreger werden könnten, heißt es in einer Studie von Forschern der britischen Universität Oxford. Sie verdeutlicht damit ein neues Hindernis auf der Suche nach einem HIV-Impfstoff: Dieser muss die Mutationen des Virus in verschiedenen Bevölkerungsgruppen berücksichtigen.

"Sogar in der kurzen Zeit, in der HIV beim Menschen vorkommt, leistet es beim Ausweichen unserer natürlichen Immunkontrolle eine effektive Arbeit", sagte Oxford-Wissenschaftler Philip Goulder. "Das ist Hochgeschwindigkeitsevolution innerhalb weniger Jahrzehnte."

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Goulders Team untersuchte die Erbinformationen und Virusstränge von 2800 HIV-Infizierten aus Nordamerika, der Karibik, Europa, Afrika, Australien und Japan. Die Forscher konzentrierten sich dabei vor allem auf die sogenannten Menschlichen Leukozyten-Antigen-Gene (HLA-Gene). Diese Gene kontrollieren bestimmte Proteine, die eine Alarmfunktion haben und Eindringlinge wie etwa winzige HIV-Teilchen an die T-Zellen melden. Die T-Zellen, eine Art Schutzschild des Körpers, spüren das Virus auf und vernichten es.

Seit das HI-Virus vor mehr als 25 Jahren bei Menschen als Aids-Erreger identifiziert wurde, fiel auf, dass die Krankheit bei einigen Infizierten schneller, bei anderen langsamer ausbricht. Dies führen Experten auf genetische Merkmale zurück: Nur ein kleiner Unterschied im Erbmaterial - das Vorhandensein einer günstigeren Variante des HLA-Gens - kann dazu führen, dass der Ausbruch der Krankheit länger hinausgezögert werden kann. Nun fand Goulders Team heraus, dass das Virus mutieren kann, wenn es auf die erfolgreichere Genvariante trifft.

Die Forscher sprechen von einer "Flucht-Mutation". Wenn ein günstiges HLA-Gen in hohem Maß in einer bestimmten Bevölkerungsgruppe vorhanden sei, gebe es ein hohes Maß an Mutation, erklärte einer der Co-Autoren der Studie, Rodney Philips. Die Studie wurde in der Zeitschrift "Nature" veröffentlicht.

afp