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Ig-Nobelpreis-Träger aus Lübeck: “Gekränkt war ich nicht”

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17:00 13.09.2019
Andreas Sprenger ist Träger eines Ig-Nobelpreises Quelle: privat

"Ignobel", das heißt übersetzt: "unwürdig" oder auch "schändlich". Oft wird der Ig-Nobelpreis aber auch einfach Anti-Nobelpreis genannt. Dabei ist die Auszeichnung gar nicht so schlimm wie ihr Ruf. Schließlich soll er erst zum Lachen, dann zum Nachdenken anregen - und beschert den Wissenschaftlern jeden Menge Aufmerksamkeit. Einer, der es wissen muss, ist Andreas Sprenger. Der Psychologe von der Universität zu Lübeck gewann den Ig-Nobelpreis 2016 gemeinsam mit Kollegen im Bereich Medizin.

Herr Sprenger, Sie haben 2016 den Ig-Nobelpreis gewonnen. Freut man sich in so einem Moment oder ist man eher gekränkt?

Nein, gekränkt war ich nicht. Ich muss ehrlich sagen, ich kannte den Preis vorher auch gar nicht. Ich habe mich erst mal schlau machen müssen. Am Anfang war ich mir auch nicht sicher, ob wir den Preis überhaupt annehmen sollen. Denn wenn man sich Videos von der Veranstaltung anschaut, dann sieht das erstmal nach einer reinen Jux-Veranstaltung aus.

Schlussendlich sind Sie dann aber doch zur Preisverleihung nach Boston gefahren.

Wir haben das in der Arbeitsgruppe gründlich überlegt und uns dann dafür entschieden. Denn wir wussten, dass unsere Studie wissenschaftlich begründet ist und keine Witz-Studie ist. Als ich das dann meinen anderen Kollegen hier erzählt habe, kam von ihnen zurück: „Oh ihr habt den Preis gewonnen? Das ist ja toll. Wir haben uns nämlich dafür beworben und sind nicht mal nominiert worden.“ Diese Anerkennung hat mich schon überrascht.

Was passiert denn bei der Preisübergabe? In den Videos sieht die Veranstaltung sehr spaßig aus, da fliegen Papierflieger, es gibt Aufführungen, Musik und Experimente auf der Bühne.

Das ist eine sehr enthusiastische, verrückte Truppe, die das organisiert. Die haben wirklich einen Heidenspaß dabei. Ich fand es während der Veranstaltung aber auch ganz interessant zu sehen, dass die allermeisten Studien wirklich seriös und gut durchgeführt waren. Ich war ganz davon angetan, was die anderen Preisträger untersucht hatten. Mit manchen von ihnen bin ich noch heute in Kontakt. Die Preise werden dann ja auch von echten Nobelpreisträgern übergeben. Mit denen haben wir uns auch ganz ernsthaft unterhalten, die haben sich wirklich dafür interessiert, was wir gemacht haben. Ich war hinterher erleichtert, dass es nicht nur reiner Blödsinn war.

Werden Sie denn noch häufig auf den Preis angesprochen?

In Vorlesungen und Seminaren berichten wir natürlich über unsere Studie und was wir dabei entdeckt haben. Die Studenten finden dann immer ganz schnell heraus, dass wir dafür diesen Preis bekommen haben - und finden das auch ganz gut. Auch, dass wir tatsächlich zur Preisverleihung gefahren sind. Wenn ich Kollegen davon berichte, dass wir einen Ig-Nobelpreis gewonnen haben, sagen sie immer: „Ach ja, die Juckreiz-Studie“.

Dann lassen Sie uns doch über die berühmte Juckreiz-Studie sprechen. Was haben Sie untersucht?

Ich forsche zum Thema Schmerz und Schmerzverarbeitung. Der Juckreiz ist, was die neuronale Verarbeitung betrifft, sozusagen der kleine Bruder des Schmerzes. Ein großes Problem beim Juckreiz ist, dass sich die Betroffenen so lange kratzen, bis ihre Haut ab ist und es blutet. Wir haben uns also gefragt: Was kann man machen, um diesen Juckreiz zu lindern? Können wir das Gehirn nicht vielleicht ein bisschen austricksen?

Wie denn austricksen?

Indem man zum Beispiel Menschen, denen der rechte Arm juckt, so vor einen Spiegel stellt, dass über den Spiegel der linke Arm zu sehen ist, er aber wie der rechte aussieht. Für das visuelle System sieht das dann so aus, als wäre es der linke Arm, der juckt. Wenn man dann den „richtigen“ linken Arm kratzt, der eigentlich gar nicht juckt, hilft das, den Juckreiz zu lindern. Die Linderung ist natürlich nicht so stark, wie wenn man die tatsächlich juckende Stelle kratzt. Aber man kann das Gehirn doch ein bisschen austricksen.

Um das Gehirn auszutricksen, kann man zum Beispiel im Sitzen beide Arme auf die Oberschenkel legen, dann einen Spiegel zwischen die Beine stellen und von links in den Spiegel schauen. Dann sieht man mittels des Spiegels den linken Arm, der aber wie der rechte Arm aussieht. Quelle: Andreas Sprenger/Universität Lübeck

Forschen Sie in diesem Bereich derzeit noch?

Ja, wir bereiten gerade weitere Studien vor, die das noch intensiver untersuchen sollen. Wir wollen zum Beispiel im MRT herausfinden, was währenddessen im Gehirn abläuft.

Hat Ihnen der Preis bei dieser Forschung geholfen, zum Beispiel bei der Finanzierung Ihrer Experimente?

Bis jetzt noch nicht, leider. Aber man muss sagen, dass die Studie durch den Preis sehr viel Aufmerksamkeit bekommen hat. Auf der wissenschaftlichen Seite ist es so, dass der Artikel in etwa so oft in anderen Publikationen zitiert wurde, wie man das erwarten würde. Aber er ist sehr viel häufiger gelesen worden. Auf der Website des Journals, in dem wir unsere Studie veröffentlicht haben, kann man sehen, wie häufig der Text angeschaut worden ist. Bevor wir in Boston waren, waren das etwa 1500 Abrufe. Danach waren es auf einmal 22.000. Inzwischen ist der Artikel fast 60.000 Mal aufgerufen worden.

Sie würden anderen Preisträgern also durchaus raten, zur Preisverleihung zu fahren?

Ich habe es im Nachhinein nicht bereut. Wir waren uns ja sicher, dass das, was wir gemacht haben, solide ist und auch jeder nicht-humorvollen Vorstellung genügt. Also: Wenn jemand das mal ausprobieren möchte, warum nicht?

Anna Schughart/RND

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