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08:28 19.11.2018
Bei einer Ticketreservierungen haben Bahnfahrer Anspruch auf ihren Sitzplatz. Quelle: Daniel Bockwoldt/dpa
Berlin

Ist der Fernzug voll besetzt, können sich Bahnkunden mit einer Sitzplatzreservierung glücklich schätzen. Doch was tun, wenn der reservierte Platz schon vergeben ist - an einen viel älteren, gebrechlich wirkenden Menschen. Kann man in dieser Situation guten Gewissens seinen Platz einfordern?

Rechtlich ist die Situation klar: Den Anspruch auf den reservierten Sitz hat der Kunde. Gegebenenfalls sollte der Schaffner die Situation klären, erklärt ein Bahnsprecher.

Was tun bei schlechtem Gewissen?

Aber da ist natürlich noch die Frage der Höflichkeit. Sie lautet nicht: Kann ich den Platz einfordern? Sondern: Sollte ich älteren und womöglich schwächeren Mitreisenden nicht den Vorzug geben? „Das sollte jeder so handhaben, wie er sich dabei gerade fühlt“, sagt Moritz Freiherr Knigge, Experte für Umgangsformen.

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Manchmal kann man sich gut für eine kurze Fahrt in den Flur stellen. Manchmal findet sich auch ein anderer Sitz, und manchmal will man eh erst mal in das Restaurant gehen.

Aber manchmal will man arbeiten, schlafen oder es sich einfach für die langen Stunden Fahrtzeit an einem Ort gemütlich machen - also den reservierten Platz gerne einnehmen. Zumal es ja auch sein kann, dass in einem überfüllten Zug der Zugführer Reisende ohne Sitzplatz auffordern muss, auszusteigen und den Folgezug zu nehmen.

Immerhin: Wenn einen nun das schlechte Gewissen drückt, einen Menschen mit eingeschränkter Beweglichkeit vom reservierten Sitzplatz wegzubitten, gibt es noch Optionen für den betroffenen Mitreisenden. Für bestimmte Zielgruppen gibt es reservierte Plätze im Zug, etwa für Menschen mit schwerer Behinderung. Darauf weist die Bahn hin. Im Regionalverkehr gibt es vielfach auch Piktogramme an Sitzen, die darauf hinweisen, dass Schwangere diese in Anspruch nehmen können.

Kontakt zum Bahnpersonal aufnehmen

Der Bahnsprecher rät: Man könne auch mit dem Zugbegleiter Kontakt aufnehmen. Der habe unter Umständen noch die Möglichkeit, solche Reisenden in der vielleicht nicht so überfüllten ersten Klasse unterzubringen. „Das ist immer eine Vor-Ort-Entscheidung, es gibt keinen Rechtsanspruch darauf“, betont der Sprecher.

Freiherr Knigge hält es für wichtig, dass man den Mitreisenden freundlich anspricht. „Wenn jemand nur sagt „Stehen Sie auf, das ist mein Platz!“, dann ist das schon sehr besitzergreifend und aggressiv.“ Stattdessen könne man die Situation auch mit einer höflicheren Anrede angehen - und damit vielleicht sogar eine Überraschung erleben. „So eine Anrede produziert eine positive Stimmung. Mir ist es dann schon passiert, dass mein sitzender Nachbarn einem Stehplatzinhaber seinen Platz anbot, da er eh gleich den Zug verlassen musste“, erzählt Knigge.

Eine positive Stimmung schaffen

Würde man aber aggressiv den Mitreisenden auf dem reservierten Sitzplatz dazu auffordern, diesen zu räumen, erzeugt das insgesamt eine schlechte Stimmung. „Und dann bietet sich auch keiner aus dem Umfeld an, zu helfen“, vermutet Knigge. „Die Menschen mögen nun mal eine angenehme Stimmung lieber als eine unangenehme. Und sie mögen es nicht, wenn jemand ständig meckert.“

Er hat aber auch Verständnis dafür, dass Menschen schon mal auf ihr Anrecht pochen. „Ich nehme mich da selbst gar nicht aus“, sagt der Bahn-Vielfahrer Knigge. Manchmal verhalte man sich dabei auch etwas ungeschickt und wirke womöglich unbeabsichtigt aggressiv. „Die Basis für höflichen Umgang ist Gelassenheit. Man sollte reflektieren: Ist man gerade latent gestresst? Wie gehe ich damit um?“, rät Knigge.

Wenn man freiwillig auf die Reservierung verzichtet und sich aus Rücksicht auf den älteren Reisenden einen anderen Platz sucht, ins Restaurant geht oder gar steht, kann man laut Bahnportal das Geld für die Reservierung nicht zurückverlangen.

Von RND/dpa

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