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Wissen Keine Embryonenfabriken für die Stammzellenforschung
Nachrichten Wissen Keine Embryonenfabriken für die Stammzellenforschung
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10:31 28.03.2009
Von Nicola Zellmer
Eine Stammzellen-„Fabrik“ in Bangkok. Quelle: afp
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Welche Stammzelltypen es gibt, wie sie entstehen und wie sie in Forschung und Medizin eingesetzt werden können, erklärte Prof. Hans Schöler, Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Biomedizin in Münster und einer von Deutschlands führenden Stammzellforschern, bei einem Vortrag in der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH).

Dabei blieb Schöler stets allgemein verständlich und machte sowohl den ethischen Konflikt um die Gewinnung von Stammzellen aus menschlichen Embryonen deutlich als auch das Potenzial dieser „zellulären Alleskönner“ für die Medizin.

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„Das Dilemma des Stammzellforschers ist, dass er, wenn er embryonale Stammzellen einsetzen will, den Embryo töten muss“, verdeutlichte der Wissenschaftler. In Deutschland dürfen die Forscher daher nur mit im Ausland vor einem bestimmten Stichtag erzeugten Zelllinien arbeiten. „Würden tatsächlich Stammzelltherapien entwickelt, könnten aber auf der anderen Seite eine Vielzahl unterschiedlicher Patienten profitieren.“ Ob man dafür tatsächlich die umstrittenen embryonalen Stammzellen braucht oder ob auch sogenannte adulte Stammzellen aus erwachsenen Organen helfen können, werde häufig diskutiert. „Zumindest für bestimmte Krankheiten braucht man aber die Alleskönner“, erklärte Schöler.

Um die zu gewinnen, haben Wissenschaftler in den vergangenen Jahren eine elegante und ethisch unbedenkliche Methode entwickelt: die Rückprogrammierung von Zellen aus der Haut oder anderen Geweben in „Alleskönnerzellen“. Diese sogenannten iPS-Zellen können inzwischen sogar ohne einen dauerhaften Eingriff in ihr Erbgut produziert werden. Schöler, der ebenfalls auf diesem Gebiet arbeitet, sieht die iPS-Zellen vorerst dennoch vor allem als Instrument zur Erforschung von Krankheiten. „Dabei müssen wir die Ergebnisse immer noch mit den an embryonalen Stammzellen gewonnenen Ergebnissen vergleichen“, betonte er.

Für die Zukunft hofft Schöler, dass die Forscher irgendwann gar keine embryonalen Stammzellen mehr benötigen werden. „Aber selbst wenn das nicht so ist, werden wir keine Embryonenfabriken benötigen, um große Stammzellmengen zu produzieren“, sagte er.