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Kommentar: Erweiterte DNA-Analyse – Übertriebene Erwartungen

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18:52 01.08.2019
Ein Mann gibt bei einem Reihengentest eine DNA-Probe ab. Quelle: Stefan Sauer/dpa
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Berlin

Diese Pläne werden noch für viel Diskussionen sorgen. Künftig sollen Tatortspuren eines mutmaßlichen Täters auch auf Hautfarbe, Alter und andere Merkmale untersucht werden können.

Vor allem die Hautfarbe ist umstritten. Denn nützlich für die Fahndung ist nur eine ungewöhnliche Hautfarbe. War der Täter wahrscheinlich hellhäutig, ist dies in Deutschland meist kein allzu interessanter Hinweis. Ein dunkelhäutiger Täter ist dagegen die Ausnahme. Also ist die Information polizeilich relevanter.

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Das allein spricht aber noch nicht gegen die neue Methode. Denn natürlich darf die Hautfarbe für Fahndungszwecke genutzt werden. Wenn ein Zeuge einen Dunkelhäutigen gesehen hat, kann die Polizei diese Information nicht ignorieren.

Ein Test liefert nur Wahrscheinlichkeiten

Es wäre auch kontraproduktiv, wenn eine Technik nur deshalb abgelehnt würde, weil mit ihrer Hilfe äußere Merkmale eines Menschen festgestellt werden können und dürfen. Dies würde nur zum Vorwurf führen, bestimmte Gruppen würden gezielt vor Strafverfolgung geschützt.

Bedenklich ist aber die bisherige Kommunikation über die erweiterte DNA-Analyse. Hier wird viel zu sehr die Erwartung geweckt, dass die neue Methode sichere und verlässliche Ergebnisse liefert. Immer wieder heißt es, so könne die Zahl der möglichen Täter „eingeschränkt“ oder „eingegrenzt“ werden. Dabei liefert ein Test nur Wahrscheinlichkeiten, auf die sich die Polizei nicht verlassen sollte.

Es ist zu hoffen, dass die nun beginnende Diskussion für realistische Einschätzungen sorgt.

Von RND/Christian Rath