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Wissen Lagerkoller bei Astronauten im Mars-Container
Nachrichten Wissen Lagerkoller bei Astronauten im Mars-Container
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19:35 11.09.2011
Von Christiane Eickmann
Im März simulierten zwei Astronauten einen Mars-Spaziergang. Quelle: dpa
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Wenn die Menschen eines Tages tatsächlich zum Mars fliegen sollten, bräuchten sie dafür 520 Tage hin und zurück. Das haben Weltraumexperten ausgerechnet. Und daher verbringen seit dem 3. Juni sechs Männer ihr Leben in einem Container und simulieren eine 520 Tage andauernde Mars-Mission. Unabhängig davon, dass so eine Mission in ganz weiter Ferne liegt – schließlich schwächelt zurzeit sowohl die amerikanische als auch die russische Raumfahrt.

Nun ist rund eineinhalb Monate vor dem Ende des bisher größten, 15 Millionen Dollar teuren Mars-Experiments in der Geschichte der Raumfahrt zu hören, dass die sechs Männer in Moskau an einem toten Punkt angelangt seien. Die Teilnehmer aus China, Frankreich, Italien und Russland seien nach 15 Monaten Isolation in einem Container „psychisch ausgelaugt“. Das sagte der russische Versuchsleiter Jewgeni Djomin der Agentur Interfax. Die Männer wollten in jedem Fall aber bis zum 4. November durchhalten. „Die Ungeduld ist groß“, sagte Peter Gräf vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Sonntag der Nachrichtenagentur dpa. „Die Männer wollen endlich ihre Familien und die Sonne sehen.“

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Das Moskauer „Raumschiff“ erinnert an die Fernsehshow „Big Brother“: Kameras hängen fast überall und dokumentieren rund um die Uhr, ob die Probanden die 105 Forschungsprojekte auch wirklich bearbeiten. Gerade an einem Punkt, an dem die Männer erschöpft seien, schaue die Versuchsleitung mithilfe der Kameras genau auf das Geschehen in dem Container, sagte Gräf. „Die meisten Experimente sind abgeschlossen und der Arbeitsanfall geringer – da wird der Aufenthalt in einer reizarmen Umgebung natürlich monotoner.“

Höhepunkt der Mission war ein simulierter Spaziergang auf dem Mars im Februar – und das ist nun schon länger als ein halbes Jahr her.

Die Experten in einem Moskauer Institut, die das Experiment betreuen, wollten die „Marsianer“ aber weiter „bei Laune halten“, wie es bei „Interfax“ hieß, ohne dies weiter auszuführen. Manche Teilnehmer bemühen sich auch selbsttätig um Ablenkung. So schreiben die beiden Europäer Diego Urbina and Romain Charles Tagebuch, twittern, machen Fotos und drehen Filme.

Einen gewaltigen Unterschied gibt es übrigens zwischen dem Mars- und dem „Big Brother“-Container: Bei der Fernsehshow dürfen auch Frauen mitmachen. Die rein männliche Crew beim Weltraumexperiment war von Experten stets kritisiert worden: weil so das soziale Verhalten einer isolierten Gruppe nicht erforscht werden könnte. Vielleicht wäre es mit Frauen auch weniger langweilig geworden.