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17:11 08.06.2014
Seit zwei Jahren geht der Bedarf nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) zurück. Quelle: dpa
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Berlin

Blut, immer mehr Blut: Das war lange Jahre der Leitsatz deutscher Blutspendedienste. Sie gingen von einem stets steigenden Bedarf an Konserven aus. „Jede einzelne Blutspende wurde dringend gebraucht“, sagt Friedrich-Ernst Düppe vom Blutspendedienst West des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). Mittlerweile hat sich das Bild gewandelt: Seit zwei Jahren geht der Bedarf nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) zurück.

2013 wurden demnach deutlich weniger Blutkonserven benötigt als im Jahr zuvor: Der Wert schrumpfte um knapp fünf Prozent, das sind etwa 217 000 Transfusionen bei insgesamt mehr als vier Millionen. Als Ursache gilt ein Umdenken in vielen Kliniken: Sie sparen Blut. „Vor allem bei geplanten Eingriffen können Ärzte heute im Vorfeld alternative Maßnahmen ergreifen“, sagt DRK-Sprecher Düppe. Eine Rolle spiele dabei auch Kostenbewusstsein, heißt es beim privaten Blutspendedienst Haema.

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Vorreiter sind die Unikliniken Münster, Bonn, Frankfurt am Main und Schleswig-Holstein. Anfang 2013 starteten sie ein Blut-Management-Programm, bei dem etwa 20 Maßnahmen kombiniert werden. Zum Beispiel werden Patienten vor OPs auf Blutarmut getestet. Operiert wird erst, wenn der Mangel behandelt ist. Dabei geht es nicht nur um Geld: Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert seit Jahren einen bewussten Umgang mit Blutkonverserven. Ziel ist auch, Patienten Nebenwirkungen und Folgeerkrankungen zu ersparen, die mit Transfusionen fremden Blutes einhergehen können.

Je nach Lage würden bereits kleinere Blutspendeaktionen gestrichen, bei Spenden aus der verbreiteten Blutgruppe Rhesus-Positiv werde „auf die Bremse“ getreten, sagt DRK-Sprecher Düppe. Blut verfallen zu lassen, sei schließlich unethisch. Nur 42 Tage sind die Konserven haltbar. Spenden mit dem eher seltenen negativen Rhesus-Faktor seien aber nach wie vor knapp. „Der Vorrat reicht zwei bis fünf Tage.“

Gesteuert werde das Spendenaufkommen zwar durchaus, generell könne aber keine Rede von einem signifikanten Einbruch der Nachfrage sein, heißt es bei Haema. Gerade in Ballungszentren mit vielen Kliniken und Notfällen lassen sich Transfusionen nicht immer umgehen: „Zusätzlich zu den Spenden am Klinikum müssen wir nach wie vor Konserven hinzukaufen“, sagt Iris Loquai von der Blutspendezentrale der Kölner Uniklinik.

Bestimmte Patienten könnten ohne Blutspende nicht überleben, betont eine Sprecherin des DRK Blutspendedienstes Nord-Ost. Krebspatienten zum Beispiel brauchen unverändert viele Transfusionen, etwa ein Fünftel der Spenden werden laut DRK für sie verwendet.

Die Nachfrage werde in Zukunft auch wieder anziehen, sind die DRK-Experten überzeugt. Auf mehr ältere Menschen, die nicht mehr spenden dürfen oder die selbst Transfusionen benötigen, kämen weniger junge Spender. Vor allem in der Gruppe von 25 bis 40 Jahren klaffen demnach Lücken. Aktuell „nicht hinter jedem Blutbeutel hinterherlaufen zu müssen“, sei eine Chance, sich verstärkt um diese potenziellen Spender zu bemühen, sagt Düppe.

Die Termine im Vorfeld des Blutspendetages am 14. Juni zeigen, dass viele Dienste dabei auf Events setzen: In Berlin unterstützen Darsteller eines Gruselkabinetts die Aktion, in Köln und anderen Städten sind Spende-Wettbewerbe ausgerufen. Andere Blutspendedienste locken unabhängig vom Tag mit Aufwandsentschädigungen.

Dass private Dienste in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen haben, belegen Statistiken des PEI. Je nach Art der Blutspende ist der DRK-Anteil am Gesamtaufkommen um bis zu sieben Prozent auf etwa 70 Prozent gesunken - offenbar zugunsten der Privaten. Der Rückgang sei „minimal“ und Spender zu bezahlen sei in den meisten Ländern der Welt unüblich, betont Düppe. Das Motto seiner Organisation zum Blutspendetag lautet: „Danke für das uneigennützige Geschenk“.

dpa

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