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Nachrichten Wissen Nasa jubelt nach Landung auf dem Mars
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21:59 06.08.2012
Jubel bei der NASA: Der Marsrover „Curiosity“ hat die Landung auf dem Roten Planeten geschafft und Bilder gesendet. Quelle: dpa
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Washington

Vielleicht hätten sie das alles nicht gemacht, wenn sie vorher gewusst hätten, was der Spaß kostet. Aber als der amerikanische Präsident John F. Kennedy am 25. Mai 1961 seine Landsleute aufforderte, innerhalb eines Jahrzehnts einen Mann auf den Mond zu schicken und gesund wieder nach Hause zu holen, spielte Geld nicht die große Rolle. Es war die Zeit, in der zwei politische Systeme miteinander konkurrierten, eine Zeit des Säbelrasselns und der Muskelspiele. Es ging darum, der ganzen Welt die Vorreiterrolle der USA zu demonstrieren, und die sollte nicht auf der Startbahn ins All ihre Grenze finden. Es ging also schlicht um die Überlegenheit des Westens gegenüber dem Osten. Wer fragt da nach Geld?

25 Milliarden Dollar ließen sich die USA ihr Mercury- und Apollo-Programm kosten, umgerechnet läge die Summe heute bei etwa 100 bis 120 Milliarden. Parallel investierten die Sowjets in ihre Raumflüge. Ob sich der Aufwand gerechnet hat, ist seither oft gefragt worden – die Antworten fallen unterschiedlich aus. Menschheitsträume lassen sich halt schwer in bare Münze umrechnen.

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Daran hat sich nichts geändert, und spätestens seit Montag wird die Frage nach Sinn oder Unsinn der Weltraumforschung wieder gestellt. „Curiosity“, der neue Roboter der Nasa, ist auf dem Mars gelandet. Die Freude über das Gelingen der schwierigen Landung des bislang größten Mars-Forschungsfahrzeugs war groß. „Landung bestätigt“, tönte es in der Nacht zum Montag  durch das Kontrollzentrum im kalifornischen Pasadena, dann brach unter den Wissenschaftlern Jubel aus. Minutenlang klatschten die Forscher und lagen sich in den Armen. Viele hatten vor Freude und Erleichterung Tränen in den Augen. „Ich saß die ganze Zeit wie auf glühenden Kohlen“, sagte Nasa-Direktor Charles Bolden. „Es ist einfach unglaublich.“ Erste grobkörnige Bilder, die „Curiosity“ kurz zuvor an die Erde geschickt hatte, lösten weitere Begeisterungstürme aus. Der Schatten des Rovers, der steinige Boden des Planeten und viel Staub, den die Landung aufgewirbelt hat, sind zu erkennen.

Die Erleichterung bei der Nasa ist auch deshalb riesengroß, weil das extrem komplizierte Landemanöver des rund 900 Kilogramm schweren Rovers nur allzu leicht hätte schiefgehen können. Nach dem Eintritt in die Mars-Atmosphäre musste „Curiosity“ innerhalb von nur sieben Minuten von rund 21 000 Stundenkilometern auf null abbremsen. Unter anderem ein Fallschirm und Korrekturdüsen ermöglichten die weiche Landung – für eine Luftkissen-Technik wäre der Rover viel zu schwer gewesen. Nasa-intern war das Manöver, in das von der Erde aus nicht mehr eingegriffen werden konnte, längst nur noch als die „sieben Minuten des quälenden Bangens“ bekannt gewesen. „Aber jetzt sind daraus die sieben Minuten des Triumphs geworden“, sagte Nasa-Manager John Grunsfeld.

„Curiosity“ befindet sich nun im Gale-Krater, einem der tiefsten Punkte auf dem Mars. In den kommenden Tagen wird der mit einer Atombatterie betriebene Rover seine Systeme aktivieren und mit der Arbeit beginnen: Er kann zum Beispiel Bodenproben entnehmen und in einem eigenen Labor gleich analysieren. Außerdem hat er mehrere Kameras, einen Laser, eine Wetterstation, ein Strahlenmessgerät und ein Gerät zum Aufspüren von Wasserstoff an Bord.

US-Präsident Barack Obama würdigte die Landung als „beispiellose  Leistung der Technologie“. Die Nasa sehnte dieses Erfolgserlebnis herbei, seit Budgetkürzungen und das politisch durchgesetzte Ende der rund 30-jährigen Raumschiff­ära gewaltig am Selbstbewusstsein der Behörde genagt hatten. „Viele haben gesagt, dass die Nasa ihren Weg verloren hat, dass wir nicht mehr wissen, wie man forscht und keinen Mut mehr haben“, sagte Grunsfeld. „Jetzt können wir sagen, die Nasa weiß wie man forscht, wir haben geforscht, und wir sind auf dem Mars.“ Die Mission soll die Grundlagen für einen Flug auf den Nachbarplaneten mit Menschen an Bord in etwa 20 Jahren legen.

Gemessen am Flug zum Mond sind die Kosten der Marsforschung eher gering. Dennoch macht sich Argwohn breit in ­einer Zeit, in der die Kassen weltweit leer sind. Rund zwei Milliarden Euro hat ­„Curiosity“ gekostet. Ist die Mission ihr Geld wert? Und was wollen wir überhaupt auf dem Mars, sollten wir jemals selbst dorthin gelangen?

Grundsätzlich ist es eine Frage der Neugier, die den Menschen ins All treibt. Wenn man so will, erleben wir ja gerade nichts anderes als eine neue Stufe des menschlichen Pioniergeistes. Auf dem Mars begibt sich die Nasa auf die Suche nach Leben (und dabei denkt man schon lange nicht mehr an kleine, grüne Männchen), aber auch nach Rohstoffen. Schon heute weiß man, dass etwa in Asteroiden Metalle wie Seltene Erden sowie Platin, Eisen und Nickel zu finden sind. Was unter der Oberfläche des Mars liegt, ist ungewiss. Man könnte es mit einer Spur Sarkasmus auch so formulieren: Da der Mensch sich alle Mühe gibt, seinen Heimatplaneten restlos auszubeuten, muss er sich rechtzeitig auf die Suche nach neuen Ressourcen begeben. Manche gehen sogar einen Schritt weiter: Wenn der Tag gekommen ist, an dem die Erde unbewohnbar geworden ist, dann sollte man einen Fluchtpunkt gefunden haben.

Warum aber gerade der Mars? Die simple Antwort: Weil es der Planet ist, der uns am nächsten liegt. Knapp zwei Jahre dauert die Reise. Für eine Astronautencrew ist die Reise zum Mars heute noch nicht machbar. Die Bedingungen auf dem Planeten sind lebensfeindlich. Dennoch könnte in nicht allzu ferner Zukunft der erste Mensch seinen Fuß auf diesen Planeten setzen. Der ehemalige deutsche Raumfahrer Thomas Reiter, heute Astronautenchef bei der Europäischen Raumfahrtagentur Esa, ist optimistisch: „In zwei oder drei Jahrzehnten“ sei es so weit, prophezeit er. Die technischen Probleme seien bis dahin gelöst – auch dank ­„Curiosity“. Ob man auch die finanziellen Dinge in den Griff bekommt, bleibt abzuwarten.

Uwe Nesemann (mit: dpa)

Dieser Artikel wurde aktualisiert.

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