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“Naturkosmetik ist ein Statement”: Interview mit einer Make-up-Artistin, die Nachhaltigkeit in die Branche bringt

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11:29 30.09.2019
Marisol Prada lebt vegan: Ihre persönlichen Wertevorstellungen verknüpft sie auch in ihrem Beruf als Visagistin - und das funktioniert. Quelle: Oliver Rudolph
Hannover

Mit 18 fing Marisol Pradas Karriere an – mit einer Ausbildung als Maskenbildnerin am Theater. Heute arbeitet die 32-Jährige als selbstständige Hair- und Make-up-Artistin. Neben diesem Beruf steht sie für einen deutschen Drogeriemarkt vor der Kamera, ist Markenbotschafterin einer Naturkosmetikfirma und kann auf eine namhafte Kundenliste stolz sein. Bei Instagram folgen ihr knapp 35.000 Menschen – ihre Arbeit kommt an. Denn Marisol repräsentiert Werte, die auf den ersten Blick nicht in den Visagisten-Alltag passen: Nachhaltigkeit, Minimalismus und Natürlichkeit.

Frau Prada, wo beginnt für Sie die Verbindung zwischen Ihrem Beruf und Nachhaltigkeit?

Naturkosmetik ist schon lange nicht mehr die Creme für Ökos, auf dem Markt hat sich unglaublich viel getan. Ich beobachte einen tollen Trend, der das Bewusstsein dahingehend schärft, dass man sich wieder auf die Natur besinnt. Ich finde den Gedanken, auch das Aussehen mit Nachhaltigkeit und der Natur zu vereinen, sehr schön, wodurch mein Beruf durchaus mit Bewusstsein zu tun hat. Das zeigt sich zum Beispiel dadurch, dass krasse, bunte Schminke, à la Kim Kardashian, immer mehr in den Hintergrund rückt. Ein schöner Glow, ein wenig Rouge und Wimperntusche reichen heute als Make-up aus, also minimalistisch und zurück zur Natürlichkeit ist die Devise und das spiegelt den Gedanken der Nachhaltigkeit ja durchaus wieder.

Ein Trend, den auch die jungen Menschen wahrnehmen?

Absolut, denn wie gesagt, Naturkosmetik ist meiner Meinung nach keine Nische mehr. Wenn man sich ein wenig mit dem Thema beschäftigt, sieht man, wie groß der Markt ist. Und das geht an der jüngeren Generation nicht vorbei. Besonders bei Instagram bekomme ich viele Anfragen von Mädels, die auf Naturprodukte umsteigen wollen und mich fragen, was sie am besten benutzen können. Auch wenn ich auf Messen arbeite, merke ich immer wieder, dass die junge Zielgruppe erstaunlich groß ist. Ich habe mittlerweile das Gefühl, dass da echt eine coole Generation heranwächst, die viel bewusster ist als meine. Auch die Models, mit denen ich arbeite, haben ein ganz anderes Auftreten als noch vor zehn Jahren.

Inwiefern haben sich die Models verändert?

Damals kam es schon eher vor, dass viele Frauen, die ich geschminkt habe, schlichtweg ungesund aussahen: Sie waren abgemagert, hatten wenig Haare auf dem Kopf, schlechte Haut. Und heute strahlen viele richtig, sehen gesund aus, haben kräftiges Haar. Sie erzählen mir dann, dass sie sich vegan ernähren oder Yoga machen – einfach viel mehr auf sich achten. Klar, es gibt auch immer noch einige, die von ihren Modelagenturen unter Druck gesetzt werden und hungern und ihren Körper nicht wirklich gut behandeln, es ist sicherlich keine einfache Branche. Doch das sind vergleichsweise nur noch wenige – auch unter den Models hat ein Umdenken stattgefunden.

Das freut mich natürlich sehr zu sehen, dass die Models einfach gesund sein wollen, denn besonders für junge Mädchen sind sie oft ein Vorbild.

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• Ich habe mit Instagram angefangen, da waren gefühlt nur eine Handvoll Leute auf der Plattform. Keine*r hat sich darum geschert, was wirklich gepostet wird • Mein erster Post ging am 15.8.2011 online. Ich bekam ganze Drei Likes (Von wem eigentlich?)• #collectmoments – wow, wie oft ich diesen Hashtag benutzte und heute verfluche • dann der Umbruch von Ich-poste-random-Bilder hin zu Ich-will-auch-dass-die-Bilder-schön-aussehen • Auf einmal gab es all diese professionellen Bilder und es muss so zwischen 2013 und 2015 gewesen sein, als die Grenzen zwischen professionellem Account, Blogger, Influencer und Privatperson verschwommen. Das, was Instagram eigentlich groß gemacht hatte, blieb irgendwo zwischen #thegoodlife und #livelaughlove hängen • 2017 wurde mein Account plötzlich gelöscht! Ich hatte knapp 40K. Anfangs ist eine Welt zusammengebrochen • kurze Zeit später die Frage: Warum das alles Marisol? Ich sah nur noch Café Latte, Dauergrinsen, #lovemyjob, #besties und diese einen Uhr, die du unbedingt brauchst, um dein Leben in den Griff zu bekommen. ich wollte einfach nur noch schreiend rausrennen, alle mal schütteln und den großen, roten Knopf drücken. Der alles resetet auf 2011 • mit etwas Abstand ist mir dann bewusst geworden, das es eben auch immer zwei Seiten dieses unendlich großen Luxusproblems gibt, das Instagram nicht nur per se schlecht ist. Im Gegenteil, mittlerweile liebe ich dieses Medium, weil ich irgendwann eine Sache begriffen habe, es ist nicht nur alles oberflächlicher %#^*$ • Für mich ist diese Plattform eine riesige Chance sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen und auszutauschen. Es gibt so viele Menschen, die tolle Accounts geschaffen haben • Nehmen wir das Medium doch wieder selbst in die Hand. Mir doch egal, was irgendein Algorithmus mir vorgaukeln will. Ich muss nicht alles immer nur konsumieren, sondern kann auch ganz aktiv steuern, was ich sehen möchte und was eben nicht. Kein Bock auf Lifestyle-Accounts?dann folge den Menschen, die dich weiterbilden, deren Geschichte du spannend findest oder die praktische Tipps mitgeben. Dazwischen noch ein paar Fun-Accounts und schon hat man ein Feed, der einem jeden Tag Freude bereitet •

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Wie kann man sich Ihren Arbeitsalltag darüber hinaus vorstellen, besonders was Ihr „Werkzeug“ angeht. Sind Sie frei in der Auswahl der Produkte?

Ja, das bin ich zum Glück. Dem Kunden ist nur wichtig, dass das Endprodukt stimmt. Ich kann mit an das Set bringen, was ich will. Während andere ihre High-End-Produkte [hochpreisige Kosmetik] auspacken, bringe ich abgefüllte Dosen aus meiner Küche mit – ich stelle nämlich 70 bis 80 Prozent meiner Pflegeprodukte selbst her. Wenn ich merke, dass sie gut funktionieren, nehme ich sie auch mit zu meinen Jobs.

Wenn ich dann mit meinem selbst gemachten Haarspray rumsprühe, halten sich die Models ihr Getränk zu, und ich sag nur: „Dieses Spray könnte ich euch sogar in den Mund sprühen – ihr könntet es essen und es würde nichts passieren.“ Das ist generell ein guter Ansatz: Nur das auf die Haut lassen, was man auch essen würde. Und umgekehrt.

Dann finden sich bei Ihnen nachhaltige und essbare Produkte?

Genau, viele meiner selbst gemachten Produkte könnte man quasi essen. Ich habe im Jahr 2015 angefangen, meine Produkte umzustellen. Die, die ich noch in meinem Make-up-Kit hatte, habe ich nach und nach aufgebraucht und durch vegane und nachhaltige Kosmetik ersetzt. Ich musste mich schon ziemlich durchprobieren am Anfang, denn gerade für die Arbeit im professionellen Bereich braucht man spezielle Produkte. Für Fernsehproduktionen benötigt man beispielsweise HD-Schminke, die war damals im nachhaltigen Bereich kaum zu finden. Aber jetzt, mehr als vier Jahre später, gibt es in meinem Kit kein Produkt, das nicht nachhaltig ist oder fair produziert wurde. Vom in Deutschland handgemachten Pinsel über Baumwoll-Wattepads bis hin zu den Bambus-Wattestäbchen.

Lesen Sie auch: Rezepte: Naturkosmetik selber machen

Der Austausch der Produkte würde heute höchstwahrscheinlich schneller gehen?

Und wie. Wie erwähnt, der Markt ist riesig geworden, viel größer, als man denkt. Der deutsche Markt ist da übrigens super aufgestellt, auch Nachbarländer wie die Niederlande oder die Schweiz. Denn im Sinne der Nachhaltigkeit ist es ja auch, Produkte nicht aus Übersee bestellen zu müssen, obwohl ich da manchmal noch Abstriche machen muss. Besonders die USA sind Vorreiter, was vegane und Fairtrade-Produkte im Kosmetikbereich angeht.

Beobachten Sie mittlerweile auch Kollegen, die auf nachhaltige Produkten achten?

Die Kollegen benutzen schon noch viele konventionelle Produkte, oder Wattestäbchen aus Plastik zum Beispiel, aber ich finde es spannend, dass viele so an meinen Produkten interessiert sind. Es wird generell immer geschaut, was wer benutzt und es ist ein ständiger Austausch. Aber in der Regel, gerade im Profi-Bereich, benutzen die meisten Visagisten noch konventionelle Produkte.

Weckt gerade dieser Nachhaltigkeits-Gedanke das Interesse einiger Kunden?

Die Nachfrage wurde besonders in den letzten zwei Jahren immer größer – das habe ich durch Anfragen auf jeden Fall gemerkt. In der Fashionbranche wird Nachhaltigkeit zunehmend wichtig, deswegen kommen Brands auf mich zu, die diesen roten Faden einfach durchziehen wollen und sagen: Unsere Kampagne soll mit Naturkosmetik geschminkt werden. Es ist auch einfach selten, dass Make-up-Artisten nachhaltig schminken. Da habe ich mir, sicherlich auch durch Instagram, inzwischen einen Namen gemacht. Mit meiner Arbeit, mit Make-up, lässt sich heutzutage ein Statement setzen – das wollen auch die Kunden. Naturkosmetik ist ein Statement, denn dahinter befindet sich ein Riesenkonstrukt, bei dem es um mehr als Inhaltsstoffe geht.

Stichwort Namen: Gibt es Kunden, auf die Sie besonders stolz sind?

Ja, aber auf diese Kunden bin ich stolz, weil ich nie gedacht hätte, dass sie auf Nachhaltigkeit Wert legen. Vor ein paar Jahren hätte ich es nicht für möglich gehalten, das ich ein Editorial für Zeitschriften wie die „Elle“ oder „Haper´s Bazaar“ fast ausschließlich mit Naturkosmetik schminke, ich dachte: „Das geht gar nicht.“ Aber nun zu sehen, dass auch die bekannten Namen greifbar und offen für Neues sind, macht mich stolz. Es zeigt auch, dass in der Branche etwas geht und dass die Naturkosmetik langsam einzieht. Da geht mir jedes Mal das Herz auf.

Generell bin ich sehr froh, meine Lücke gefunden zu haben. Sie ist noch nicht so stark abgedeckt. Aber, was mir besonders wichtig ist, in diesem Bereich kann ich mit gutem Gewissen arbeiten – und etwas bewegen.

RND/Alice Mecke

Von Alice Mecke/RND

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