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Wissen Nur vier Prozent finanzieren sich über Stipendium
Nachrichten Wissen Nur vier Prozent finanzieren sich über Stipendium
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09:20 06.11.2009
Viele Studenten kommen nicht auf die Idee, sich um ein Stipendium zu bewerben. Quelle: Rainier Surrey (Archiv)
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Dabei ist es durchaus lohnend, denn im Gegensatz zum BAföG muss es nicht zurück gezahlt werden. Es ist aber nicht nur das Geld, über das sich Anna Brümmer, Studentin an der Universität Osnabrück, freut. Es sind auch die Kontakte, die sie als Stipendiatin des Cusanuswerks knüpfen kann, die Erfahrung, die sie in Seminaren und Gesprächen sammelt. Hier befassen sich die Stipendiaten nicht nur mit Fachlichem, sondern auch mit Biografien, mit Orientierung und - das Cusanuswerk ist eine bischöfliche Stiftung - mit Glaubensfragen.

Das Cusanuswerk ist eines von elf Begabtenförderungswerken, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung unterstützt werden. Ziel von Einrichtungen wie der Studienstiftung des Deutschen Volkes oder der Heinrich Böll Stiftung ist es, motivierte, qualifizierte und engagierte junge Menschen zu fördern.

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Maximal 525 Euro können Studenten erhalten. Die Höhe wird ähnlich wie beim BAföG berechnet. Hinzu kommen 80 Euro Büchergeld. Gefördert werden zudem Auslandsaufenthalte, Praktika oder Sprachkurse.

An den Hochschulen sind Vertrauensdozenten für die Stipendiaten da. Die Osnabrücker Cusanus-Gruppe trifft sich, um sich auch mit Ehemaligen “über alles auszutauschen, was anfällt“, erzählt Brümmer. Die Gruppe besucht Ausstellungen, geht zum Weihnachtsmarkt. Die Stipendiaten berichten von ihren Auslandsaufenthalten und engagieren sich sozial. Sie fühlen sich verbunden: „Wenn was ist, ist immer jemand da. Das ist anders, als mit den anderen Studenten“, sagt Brümmer, die Sprecherin der Gruppe.

Bundesweit tauschen sich die Stipendiaten über das Internet aus. Wohnungssuche, Fachliches oder Stellen - hier wird alles angefragt, das sie interessiert, weiterbringt, was ihnen hilft. „Das Vertrauen ist untereinander gleich da“, erzählt die 28-Jährige.

Beworben hat sie sich im Oktober 2007. Die Zusage kam Ostern 2008. Sie hatte sich online über das Verfahren erkundigt, Unterlagen eingereicht, später wurde sie zu einem Gespräch eingeladen. Das Auswahlverfahren der Begabtenförderungswerke variiert. Bei manchen können nur bestimmte Berufsgruppen Stipendiaten vorschlagen. Beim Cusanuswerk ist auch die Selbstbewerbung möglich, und das in jedem Fach. Brümmer studiert das Lehramt für berufliche Bildung und trifft auf Politologen, Betriebswirtschaftler oder Naturwissenschaftler. Beim Cusanuswerk müssen die Bewerber katholisch sein.

Wichtig ist allen elf Förderungswerken, dass sich die Studenten nicht nur durch gute Leistungen auszeichnen, sondern auch sozial engagiert sind. Brümmer spielt in ihrer Heimatgemeinde Orgel und setzt sich in der Hochschulgemeinde Osnabrücks ein.

Bewerbungen sind beim Cusanuswerk zum 1. März und zum 1. November möglich. Seit diesem Jahr können sich auch Abiturienten bewerben. Damit trägt das Werk den veränderten Studienstrukturen durch den Bachelor-Abschluss Rechnung, sagt Ingrid Reul, Sprecherin des Cusanuswerks. Rund 800 Studenten fördert das Werk jährlich. Es gehen etwa 700 Bewerbungen ein, rund 250 werden aufgenommen. Die Tendenz ist steigend, da die Mittel vom Ministerium in den vergangenen zwei Jahren erhöht worden sind.

Im Gegenzug müssen die Stipendiaten an den Angeboten der Werke teilnehmen und über den Fortgang des Studiums berichten. Gefragt nach Tipps für Studenten, die mit einer Bewerbung liebäugeln, sagt Anna Brümmer schlicht: „Die Leute müssen sich einfach trauen.“

lni