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Wissen Ölpest bedroht Lebensraum von zahlreichen Tierarten
Nachrichten Wissen Ölpest bedroht Lebensraum von zahlreichen Tierarten
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21:15 01.05.2010
Auch Pelikane sind von der Ölpest im Golf von Mexiko bedroht. Quelle: dpa
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Dutzende Tierarten sind von der Ölpest im Golf von Mexiko bedroht. Fische, Krebse, Säugetiere und viele Vogelarten leben in dem ökologisch empfindlichen Mündungsgebiet des Mississippi und den Sumpfgebieten von Louisiana. Doch nicht nur heimische Tierarten, sondern auch viele Zugvögel sind in Gefahr.

Besonders bedroht sind laut Umweltschützern die Großen Tümmler und Pottwale. Pottwale, die die Gewässer südlich und östlich des Mississippi-Deltas als Kinderstube nutzen, hätten die Auswirkungen vermutlich schon zu spüren bekommen, da dieses Gebiet bereits direkt von dem Ölteppich betroffen sei, sagt Michael Jasny, Spezialist für Seetiere. In den küstennahen Gewässern sammeln sich auch gern die Großen Tümmler. Laut Jasny kann der auf die Küste zutreibende Schlick ganze Populationen dieser Delphin-Art zerstören, da diese ohnehin nur aus mehreren Dutzend Tieren bestehen. Das Öl kann sich auf die Haut der Säugetiere legen und so zum Erstickungstod führen, aber auch beim Einatmen tödlich wirken.

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Doug Rader, Chef-Ozeanologe vom Environmental Defense Fund, sieht ganze Fisch-Generationen im Golf von Mexiko in Gefahr. „Die Oberfläche der See ist wie eine Bundesautobahn für Fischlarven, die mit der Strömung zu weit entfernten Laichgebieten getrieben werden“, sagt Rader. „An der Wasseroberfläche ist das Öl am giftigsten, und die Tiere sind am empfindlichsten.“ Eine ganze Generation von Schnapperfischen, Zackenbarschen und anderen Fischen könne ausgelöscht werden. Auch die Laichplätze des bei Freizeitanglern so beliebten Louisiana Redfish sind in Gefahr.

Doch nicht nur für die Meerestiere wird das Öl zur tödlichen Gefahr. Das Mississippi-Delta mit seinen Feuchtgebieten ist ein beliebter Landeplatz für Vögel aller Art - Singvögel aus den Tropen, Wattvögel, Seevögel und Raubvögel. Experten befürchten, dass der Wind das Öl ins Landesinnere treibt, in das verworrene Netz von Nebenflüssen, und dann in den Gräsern und kleinen Wasserlachen des Marschlandes zurückbleibt.

„Die Feuchtgebiete des Mississippi-Deltas sind die wichtigsten Feuchtgebiete auf dem ganzen Kontinent, und zurzeit nisten dort alle Zugvögel“, sagt Dean Wilson, Aufseher im Apatchafalaya-Sumpf westlich des Deltas. Auch der braune Pelikan, offizieller Vogel des US-Bundesstaates Louisiana, macht auf seiner Reise in wärmere Gefilde gerne einen Zwischenstopp in den Sümpfen und an den Stränden des Mississippi-Deltas, um Fische zu fangen. Er war erst im November von der Liste der gefährdeten Tierarten genommen worden.

Selbst wenn die Pelikane und andere Vögel nicht direkt mit dem Öl in Berührung kommen und der Golf von Mexiko irgendwann vom Öl befreit sein sollte, wird sich der giftige Schlick auf Dauer in der Nahrungskette der Tiere festsetzen. Rader fürchtet deshalb „eine der größten Umweltkatastrophen Amerikas“.

afp