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Wissen Ostdeutsche leiden seit Mauerfall häufiger an Allergien
Nachrichten Wissen Ostdeutsche leiden seit Mauerfall häufiger an Allergien
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09:28 05.05.2010
Hatschie! Ostdeutsche leiden seit der Einheit häufiger an Allergien als noch zu DDR-Zeiten. Quelle: dpa

Juckende Augen, Triefnasen und Niesanfälle in Ost wie West: 20 Jahre nach der Wiedervereinigung wachsen die Deutschen auch in Sachen Allergien zusammen. Zum Beispiel beim Heuschnupfen. Litten zu Mauerfall-Zeiten nur sechs Prozent der Ostdeutschen darunter, waren es Ende der 90er Jahre schon fast zwölf Prozent - ein großer Schritt in Richtung des höheren Westniveaus. Dort wuchs die Menge der Geplagten im gleichen Zeitraum von fast 10 auf 17 Prozent an. Bei den Kindern und Jugendlichen in Ost und West sind schon keine Unterschiede mehr auszumachen. Und die Gesamttendenz ist weiter steigend.

Mittlerweile leidet in Deutschland fast jeder Dritte an einer Atemwegsallergie, die durch Pollen, Tierhaare oder Hausstaubmilben ausgelöst wird. Zählt man Allergien gegen Nahrungsmittel, Medikamente, Insektengifte sowie Kontaktallergien und Neurodermitis hinzu, dann sind sogar bis zu 50 Prozent der Deutschen betroffen, schätzen Forscher. „Ein Hauptgrund für die wachsende Zahl ist der sogenannte westliche Lebensstil“, sagt Prof. Karl-Christian Bergmann, Allergieexperte der Europäischen Stiftung für Allergieforschung (ECARF) in Berlin. „Die DDR-Kinder hatten mehr Bronchitis, wegen der höheren Luftverschmutzung, aber sie hatten weniger Allergien.“

Bergmann, selbst aus Ost-Berlin stammend, erinnert sich daran, dass seine eigenen kleinen Söhne ständig Infekte aus der Krippe mit nach Hause brachten: „Aber eine frühe Belastung mit bakteriellen Eiweißen bedeutet auch, dass sich weniger Allergien entwickeln.“ Unter dem Begriff „westlicher Lebensstil“ sammeln die Forscher mehrere Faktoren der sogenannten Hygienehypothese: großstädtische Lebensweise, intensiver Einsatz verschiedenster Putzmittel, kleine Familien mit eher individuell betreuten Kindern, wenig Infektionskrankheiten in Schwangerschaft und Kindheit.

Hinzu kommt ein verändertes Still- und Ernährungsverhalten. Etwa, wenn Lebensmittel außerhalb der Saison und nicht heimischer Herkunft gegessen werden. Außerdem wurden viele Wohnungen in den neuen Bundesländern mit Teppichböden und dicht schließenden Fenstern ausgestattet - ein paradiesischer Lebensraum für Hausstaubmilben.

Grundsätzlich, so Bergmann, komme Heuschnupfen in ländlichen Gebieten seltener und auch schwächer vor als in Ballungsräumen. „Ich kenne gar keinen einzigen Landwirt, der Heuschnupfen hat.“ Ein möglicher Grund: „Durch die höhere Temperatur des Stadtkerns wird Luft aus der Umgebung angesogen. Der Pollenflug endet deshalb nicht um 10 Uhr morgens, wie auf dem Land, sondern dauert länger an. Außerdem sind diese Pollen mit winzigen Diesel- und Feinstaubpartikelchen belastet. Das macht die Allergene noch aggressiver“, erläutert der Fachmann.

Als Folge werden Schleimhäute und Bronchien immer stärker gereizt. „So kommt es auch, dass bei mir auf einmal ein 84-Jähriger steht, der erstmals Heuschnupfen hat. So etwas gab es früher nicht.“

Nach dem Mauerfall bot sich Allergieforschern eine optimale Ausgangslage, um eine genetisch ursprünglich gleiche Bevölkerung mit verschiedenen Lebensumständen zu untersuchen. Bergmann berichtet von einer Studie in Leipzig, die sogar versuchte, einen Schutzeffekt vor Allergien durch den erhöhten Butterkonsum in der DDR nachzuweisen. „Im Westen aßen viel mehr Menschen Margarine, aber die schmeckte bei uns scheußlich und deshalb nahmen alle Butter.“ Die Studie konnte die These allerdings nicht erhärten.

Dafür zeigte sich in den vergangenen Forschungsjahren, dass in Sachen Allergie neben dem Ost-West-Unterschied offenbar eben auch das Stadt-Land-Gefälle sowie das soziale Milieu eine Rolle spielen. Sprich: Allergien als Wohlstandskrankheit. Auch ein Nord-Süd-Gefälle wird diskutiert. Und dann ist da noch der geheimnisvolle Geschlechterunterschied. Egal ob Ost oder West - es haben deutlich mehr Frauen Heuschnupfen als Männer. Möglicherweise, so vermuten die Forscher, haben Frauen schlicht ein höheres „Allergiebewusstsein“, und die Männer ignorieren die lästigen Symptome.

dpa

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