Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wissen „Phobos-Grunt" könnte bewohntes Gebiet treffen
Nachrichten Wissen „Phobos-Grunt" könnte bewohntes Gebiet treffen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
17:32 16.01.2012
Die abstürzende Raumsonde „Phobos-Grunt“ stürzt wahrscheinlich in den Atlantik. Quelle: dpa
Moskau

Die Raumsonde „Phobos-Grunt“ wird russischen Experten zufolge vermutlich über Argentinien in die Erdatmosphäre eintreten. Die dabei nicht verglühenden Teile könnten nach jüngsten Berechnungen am Sonntag nach 17.00 Uhr MEZ in den Atlantik stürzen, teilte die Raumfahrtbehörde Roskosmos am Freitag nach Angaben der Agentur Interfax mit. Eine Gefahr für bewohnte Gebiete sei nicht völlig auszuschließen, sagte der Moskauer Raumfahrt-Experte Alexander Ilin. Details seien aber erst kurz vor dem Absturz berechenbar.

Die Giftstoffe im Tank sowie das radioaktive Kobalt an Bord verglühten wohl, sagte Ilin. „Die rund 13,5 Tonnen schwere Raumsonde wird von der Hitze förmlich zerrissen.“ Rund zwei Tonnen der Raumsonde seien aus Metall, davon könnten voraussichtlich 200 Kilogramm als Trümmer zur Erde fallen.

Der am „Phobos-Grunt“-Projekt beteiligte Forscher Wladimir Sytschjow sagte, an Bord des 120 Millionen Euro teuren Flugkörpers befänden sich auch Mikroorganismen und Fruchtfliegen. „Sie befinden sich in hermetisch abgeschlossenen Titankapseln und stellen keine Bedrohung für die Bevölkerung dar - falls sie den Absturz überhaupt überstehen“, wurde der Wissenschaftler vom Institut für Biomedizinische Probleme (IMBP) zitiert.

Schwere Vorwürfe gegen Roskosmos erhob der Flugpionier Wladimir Bugrow. „Wenn einigen Ingenieuren vor dem Start von „Phobos-Grunt“ tatsächlich klar war, dass die Mission nur 50 Prozent Erfolgschancen hat - warum haben sie dann ihre nötige Unterschrift geleistet?“, sagte der 78-Jährige der Zeitung „Rossijskaja Gaseta“.

Bugrow sprach von der „schwersten Pannenserie in der russischen Raumfahrt seit 50 Jahren“. Zuletzt seien 1962 fünf Raketenstarts gescheitert. Russland benötige dringend ein Raumfahrtprogramm mit klarer Perspektive, forderte Bugrow. Diese könne nur heißen:
Mars-Expedition. Im vergangenen Jahr waren bei fünf russischen Pannen Trägerraketen abgestürzt und teure Satelliten verlorengegangen.

Die am 9. November 2011 vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan gestartete „Phobos-Grunt“ sollte bis 2014 im All bleiben und den Marsmond Phobos erforschen. Wegen einer technischen Panne blieb die Raumsonde aber in der Erdumlaufbahn stecken. Mit der ersten interplanetaren Mission seit 15 Jahren wollte die Raumfahrtnation Russland nach Rückschlägen wieder international Eindruck machen.

Die Flugleitzentrale bei Moskau kündigte unterdessen an, dass die Internationale Raumstation ISS erneut ein Ausweichmanöver fahren müsse. Am Freitagabend werde die Flugbahn der ISS leicht verändert, um Trümmern des US-Kommunikationssatelliten Iridium-33 auszuweichen. Der US-Apparat war 2009 in einem spektakulären „Weltraum-Crash“ mit einem ausgedienten russischen Militär-Sputnik kollidiert.

dpa

Mehr zum Thema

Nach vergeblichen Rettungsversuchen stürzt die russische Raumsonde „Phobos-Grunt“ bald ab. Trümmer werden wohl die Erde treffen. Die Giftstoffe an Bord verglühen aber vermutlich, sagen Experten.

12.01.2012

Nach der Pannenserie steht die russische Raumfahrtbehörde Roskosmos unter Druck. Jetzt prescht deren Chef nach vorn und munkelt von möglicher Sabotage. Eher im Nebensatz gibt er zu: Am Verlust der Marsmond-Sonde „Phobos-Grunt“ sei wohl auch die unfertige Technik schuldig.

10.01.2012

Die beispiellose Pannenserie geht weiter - wieder verliert die stolze Raumfahrtnation Russland einen Satelliten. Dabei kündigte der Kreml erst unlängst harte Strafen an für den Fall neuer Misserfolge.

23.12.2011

Frauen in ganz Deutschland haben die gefährlichen Billig-Brustimplantate im Körper. Experten raten dringend zur Operation. Doch wer zahlt für den Pfusch der Firma PIP?

12.01.2012

Nach vergeblichen Rettungsversuchen stürzt die russische Raumsonde „Phobos-Grunt“ bald ab. Trümmer werden wohl die Erde treffen. Die Giftstoffe an Bord verglühen aber vermutlich, sagen Experten.

12.01.2012

Das tropische Usutu-Virus hat der Amsel-Population in Deutschland zugesetzt. Die ersten Ergebnisse der bundesweiten Mitmachaktion „Stunde der Wintervögel“ zeigten, dass am vergangenen Wochenende etwa ein Drittel weniger Amseln gezählt wurden als noch bei der Zählung vor einem Jahr.

12.01.2012