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Nachrichten Wissen Schilder sollen Verbraucher zum Mehrweg führen
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08:23 07.02.2013
Foto: Einweg- oder Mehrwegflasche? Die Pfandregelung ist verwirrend.
Einweg- oder Mehrwegflasche? Die Pfandregelung ist verwirrend. Quelle: dpa
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Berlin

Das Knacken von zerquetschten Plastikflaschen im Rückgabeautomaten ist mittlerweile ein vertrautes Begleitgeräusch beim Einkauf im Supermarkt. Seit mehr Menschen ihren Getränkekauf im Discounter erledigen und die Händler das Geschäft mit Getränken in Plastikflaschen ausgeweitet haben, ist der Verkauf von Mehrwegflaschen zurückgegangen. Im Jahr 2004 lag ihr Anteil bei 70 Prozent, mittlerweile ist die Quote auf unter 50 Prozent gesunken. Jetzt soll deutlich gekennzeichnet werden, ob es sich bei den Getränken um „Mehrweg"- oder „Einweg"-Flaschen handelt.

Für die Kunden ändert sich allerdings nicht viel, denn das bisherige Pfandsystem wird durch die neue Verordnung nicht berührt. Die Verbraucher sollen sich durch die Neuregelung allerdings bewusst für die Getränkeverpackung entscheiden können, „die ihren ökologischen Ansprüchen genügt“. Durch den irreführenden Begriff des Einwegpfands glaubten viele Kunden irrtümlicherweise noch immer, sie kauften eine Mehrwegflasche, sobald sie ein einmaliges Pfand zahlten.

Die Discounter hingegen verdienen gut am Einwegmüll. Sie sparen an der teuren Rücknahme- und Wiederbefüllungslogistik. Das kurze Leben der Einwegflaschen endet trotz des Pfandbetrags von 25 Cent entweder im Hausmüll – oder aber im Rückgabeautomat, der mit der Quetsche das einträgliche Recycling vorbereitet. Denn der Wertstoff bedeutet bares Geld. Plastikflaschen werden derzeit mit bis zu 500 Euro pro Tonne gehandelt und meist in Asien in einen neuen Rohstoff umgewandelt, aus dem Fleecepullover, Taschen, Skijacken und andere Produkte hergestellt werden.

Die neue Verordnung wird nach dem Kabinettsbeschluss nun dem Bundestag und dem Bundesrat vorgelegt. Nach ihrer Verabschiedung greift zudem eine Übergangsfrist von neun Monaten. Für den Handel erwartet die Bundesregierung aufgrund der geplanten Verordnung Mehrkosten von einmalig 5,6 Millionen Euro und jährliche Zusatzkosten von 700.000 Euro. Insgesamt sind 125.000 Unternehmen betroffen. Ausnahmen gelten nur für Kioske, kleinere Geschäfte, in denen der Kunde beispielsweise bedient wird, und Getränkeautomaten.

Die Branche reagierte gestern zurückhaltend auf die Änderungen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) kritisierte, dass die neue Regelung nicht automatisch den Mehrweganteil erhöhen, sondern nur die Unternehmen belasten würde. Vielmehr sollten die Etiketten der Flaschen besser gekennzeichnet werden. „Es gibt keinen Grund mit neuen, teuren Maßnahmen einzugreifen“, sagte HDE-Geschäftsführer Kai Falk.

Selbst Verbraucherschützer zeigten sich unzufrieden. Der Bundesverband der Verbraucherschützer begrüßte zwar, dass den Kunden nun beim Einkauf durch ein Schild am Getränkeregal geholfen werde. „Den Hinweis hat er aber unter Umständen zu Hause schon wieder vergessen“, sagte eine Sprecherin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen. Deswegen plädiert der Verband für eine klare Kennzeichnung auf den Etiketten.

Eine solche Regelung hält allerdings die Europäische Kommission für bedenklich. Eine Etikettierung könnte den freien Warenverkehr behindern, etwa weil ein Niederländer mit einem deutschen Mehrweg- oder Einwegaufdruck auf der Flasche nichts anfangen könnte, hieß es.

Kai Kollenberg (mit: dpa)

Fakten zur Flasche

Das ist die Einwegflasche:

Einwegflaschen werden mit einem vergleichsweise hohen Energieaufwand produziert. Die ersten dieser Kunststoffflaschen brachte Anfang der neunziger Jahre das Unternehmen Coca-Cola  auf den deutschen Markt. Einwegflaschen bestehen fast immer aus Polyethylentherephthalat (PET). Sie sind meist mit dem deutschen Einwegpfand-Zeichen versehen. Das Einwegpfand liegt einheitlich bei 25 Cent.

Das ist die Mehrwegflasche:

Waren 2004 noch 48,4 Prozent der Pfandflaschen Mehrwegflaschen aus Glas, wurden 2009 nur noch 34,2 Prozent ermittelt. Pfandflaschen sind zu erkennen entweder am Mehrweg-Zeichen, am Umweltzeichen „Blauer Engel“ oder am Hinweis „Mehrweg“ oder „Mehrwegflasche“. Bei Mehrweg beträgt das Pfand in der Regel 8 oder 15 Cent.

Welche Flasche ist am besten?
Entscheidend für die Ökobilanz einer Flasche ist, wie viel Energie Herstellung und Transport benötigen. Glasflaschen können nach Angaben des Bundesumweltministeriums bis zu 50-mal wieder befüllt werden, Kunststoffpfandflaschen dagegen nur elf- bis 13-mal. Dennoch sind Plastikpfandflaschen umweltfreundlicher – weil sie wiederverwendet werden. Das liegt am geringeren Gewicht der PET-Flaschen. Einwegflaschen werden zwar recycelt – die dabei entstehenden Abgase sowie die kurze Verwendungsdauer stehen einer positiven Bilanz jedoch im Weg.

dapd/v

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