Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wissen So essen Sie richtig: Die sieben goldenen Wahrheiten
Nachrichten Wissen So essen Sie richtig: Die sieben goldenen Wahrheiten
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
04:00 11.03.2019
Die Vielfalt macht’s: Zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung gehören Obst und Gemüse, aber auch Vollkornprodukte und hochwertige Pflanzenöle. Quelle: Pixabay (Symbolbild)
Hannover

Dr. Thomas Ellrott leitet das Institut für Ernährungspsychologie an der Georg-August-Universität Göttingen. Er kennt sich mit einer ausgewogenen und gesunden Ernährung aus und gibt im Interview Tipps, was unbedingt auf den Speiseplan gehört und was nicht. Außerdem räumt er mit Ernährungsmythen auf, die sich hartnäckig über Generationen gehalten haben.

Alle Welt will sich gesund ernähren. Dabei ist oft das Gegenteil der Fall. Wie sieht denn DIE gesunde Ernährung eigentlich aus?

Das ist das zentrale Problem, denn die eine gesunde Ernährung für alle gibt es nicht. Dafür sind Menschen viel zu unterschiedlich. Wir unterscheiden uns erheblich in den genetischen Vorgaben, im Stoffwechsel, Alter, Geschlecht, Kalorienverbrauch, in der Zusammensetzung der Darmflora und vielen anderen Aspekten. Da kann es keine Ernährung geben, die für alle gleichermaßen perfekt ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung hat 2018 auf Basis aktueller wissenschaftlicher Erkenntnisse zehn Regeln für vollwertiges Essen und Trinken formuliert, die eine gute Basis für Gesundheit, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden darstellen, aber nicht in jedem Einzelfall gelten.

Wenn es sieben goldene Wahrheiten gibt, dass Essen gesund macht, welche wären das?

Die ersten sieben Vorschläge der Deutsche Gesellschaft für Ernährung sind Vielfalt auf dem Teller, Obst und Gemüse in großen Mengen, Getreideprodukte möglichst in den Vollkorn-Varianten, Milchprodukte täglich, Fisch ein- bis zweimal pro Woche, Fleisch nicht mehr als 300 bis 600 Gramm pro Woche und hochwertige Pflanzenöle wie Rapsöl nutzen. Ein aus meiner Sicht besonders wichtiger Aspekt ist das Thema Getränke. Kalorien aus Getränken sättigen nicht so gut wie Kalorien aus festen Lebensmitteln. Wer zu Übergewicht und Diabetes neigt, sollte flüssige Kalorien aller Art, also Säfte, Nektare, Bier, Limonaden, Cola, Eistees aber auch Wein und andere Alkoholika aus diesem Grund besonders sparsam auswählen.

Dr. Thomas Elrott ist Ernährungspsychologe und leitet das Institut für Ernährungspsychologie an der Georg-August-Universität Göttingen. Quelle: ellrottellrott

Warum scheitern wir im Alltag so häufig daran, uns gesund zu ernähren?

Das liegt einmal daran, dass unsere Einkäufe und Entscheidungen beim Essen in den meisten Fällen gerade nicht nach Gesundheitsmotiven erfolgen, obwohl das oft angenommen wird. Im Alltag ist es für den Verbraucher viel wichtiger, dass das Essen gut schmeckt, schnell und einfach zuzubereiten und möglichst preiswert ist. Hinzu kommt der Dauerstress, in dem sich viele befinden. Stress sorgt dafür, dass das Gehirn sämtliche Rechenleistung für die Bewältigung benötigt. So steht für eine gesunde und vernünftige Wahl des Essens praktisch keine Rechenleistung mehr zur Verfügung. In solchen Situationen werden Entscheidungen allein intuitiv und gewohnheitsmäßig getroffen. Ein rationales Abwägen nach Gesundheitsargumenten ist nicht möglich, da die dafür benötigte hohe Hirn-Rechenleistung nicht zur Verfügung steht.

Wir sind heutzutage konfrontiert mit einer Vielzahl von Diäten oder Ernährungsweisen. Wie sollten wir mit Ernährungstrends umgehen? Bloß nicht verunsichern lassen oder flexibel für Neues sein?

Die Strategie „bloß nicht verunsichern lassen“ halte ich für wesentlich zielführender als das ständige Aufspringen auf neue Trends. Ein solches „Diät-Hopping“ ist meist nicht erfolgreich. Im Gegenteil, es reihen sich JoJo-Effekte hintereinander, bei denen immer etwas mehr Gewicht auf der Waage dazu kommt, als vorher abgenommen wurde.

Welches sind die größten Mythen in Bezug auf gesunde Ernährung?

Ganz klar, dass die große Komplexität der Ernährung allein auf einen vermeintlich schuldigen Nährstoff reduziert wird. Vor 30 Jahren hat man das Cholesterin im Essen verdammt, in der Zwischenzeit das Fett und heute den Zucker. Andere wichtige Faktoren werden dabei völlig vergessen: die Kalorienaufnahme, Salz, Fett und gesättigte Fettsäuren, raffinierte Stärke, Fleisch in großen Mengen, die Versorgung mit Mineralstoffen, Spurenelementen und Vitaminen, der schützende Effekt von Gemüse, Obst, Nüssen und Vollkorngetreide usw.

Seit einiger Zeit liegt Fasten extrem im Trend. Hat es einen Grund, dass etliche Menschen lieber ganz auf Nahrung verzichten statt sich richtig zu ernähren?

Fasten ist die maximal mögliche Vereinfachung der Ernährung. Ich muss nicht groß nachdenken oder aufwendig abwägen. Für manche ist das einfacher als ständig darauf zu achten, was auf den Tisch kommt. Bevor man jedoch gar nichts ändert, ist das vorübergehende Fasten durchaus eine Alternative. Beides kann aus gesundheitlicher Sicht vorteilhaft sein: die langfristige Umstellung der Ernährung oder das Einlegen von regelmäßigen Fastenphasen bei unveränderter Ernährung.

Wie können wir es schaffen, angesichts von Alltagsstress, Zeitnot und schlechten Gewohnheiten wieder zu einer gesunden Ernährung zurückzufinden?

Apps und Programme, wie beispielsweise der Marktführer „MyFitnessPal“, können das durchaus erleichtern. Sie helfen, solche Gewohnheiten sichtbar zu machen und nachfolgend zu verändern. Eine andere Möglichkeit ist die Nutzung von professioneller Unterstützung, entweder vor Ort durch eine versierte Ernährungsfachkraft oder im Rahmen von Online-Coachingprogrammen, wie sie zum Beispiel von der AOK unter dem Namen „Abnehmen mit Genuss“ auch für Fremdversicherte angeboten werden.

Ein anderer Weg ist das Wiederentdecken des selbst Kochens zuhause. Wer viel selbst kocht, isst automatisch gesünder. Das zeigen wissenschaftliche Untersuchungen. Wer das selbst Gekochte dann zusammen mit Freunden und Familie isst, profitiert gleich doppelt: Gemeinsame Mahlzeiten sind auch echte soziale Lagerfeuer, denn sie knüpfen und festigen die für unser Leben entscheidenden Beziehungen zu anderen Menschen.

Worauf sollte man achten, wenn man sich gesund ernähren möchte? Wie viel Obst und Gemüse sollte man täglich essen? Und wie oft darf es auch mal Fisch oder Fleisch sein? Die besten Tipps finden Sie in unserer Bildergalerie.

Von RND / Sophie Hilgenstock

Wissen Fit und gesund - Gesund kochen für Babys

Die Ernährungswissenschaftlerin und Kochbuch-Autorin Dagmar von Cramm verrät im Interview, welchen Trends Kinderernährung heutzutage folgt und wie man auch mit wenig Zeit Kleinkinder gesund ernährt.

10.03.2019

Lange galt: Was gut für problematische Füße und geschwollene Beine ist, sieht selten chic aus. Inzwischen haben die Hersteller begriffen, dass Stützstrümpfe und Gesundheitsschuhe auch modisch etwas hermachen müssen.

10.03.2019

Eine Krebserkrankung, eine Organtransplantation: Das sind gravierende Einschnitte ins Leben – und der Stoff für bewegende Geschichten. In neuen Büchern erzählen Autoren, wie sie diese Zeit überstanden haben.

10.03.2019