Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Wissen Gefährlich bunt
Nachrichten Wissen Gefährlich bunt
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 16.11.2013
Foto: Das harmlose Äußere von Spielzeug und Buntstiften täuscht – zahlreiche Produkte sind mit Schadstoffen wie Nickel belastet. Die Behörden werben nun um Whistleblower.
Das harmlose Äußere von Spielzeug und Buntstiften täuscht – zahlreiche Produkte sind mit Schadstoffen wie Nickel belastet. Die Behörden werben nun um Whistleblower. Quelle: dpa
Anzeige

Dies sei untragbar und schwer vermittelbar, sagte der Präsident des BfV, Helmut Tschiersky, bei der Vorstellung des Jahresberichts zur Lebensmittelsicherheit am Dienstag in Berlin. Untersucht wurden insgesamt 168 Proben von Metallspielzeug aller Art. Davon überschritt knapp ein Viertel den zulässigen Grenzwert des sogenannten Übergangmetalls. Etwa zehn Prozent aller Kinder reagieren derzeit auf Nickel allergisch.

Probleme stellten die Kontrolleure von Bund und Ländern auch bei Holzspielzeug für Kleinkinder und bei Buntstiften fest. Mehr als neun Prozent der 333 untersuchten Proben von Holzspielzeug enthielten mehr Weichmacher, sogenannte Phthalate, in der Lackschicht als erlaubt.

Von den Buntstiften waren knapp 21 Prozent belastet – jeder fünfte Stift liegt über dem Grenzwert. Kinder seien deshalb besonders gefährdet, weil sie „Schadstoffe nicht nur über die Nahrung aufnehmen können, sondern auch über ihr Spielzeug“, sagte Tschiersky. „Ich richte meinen Appell ganz klar an die Hersteller solcher Spielsachen, die ihre Eigenkontrolle verbessern müssen“, sagte er.

Neben Kinderspielzeug haben die Behörden im vergangenem Jahr auch wieder knapp 530 000 Lebensmittelhersteller kontrolliert. Bei rund 26 Prozent (etwa 138 000 Betriebe) wurden Verstöße festgestellt. Von mehr als 396 000 untersuchten Lebensmittelproben wurden zwölf Prozent (48 500) beanstandet.

So fanden die Lebensmittelüberwacher unter anderem in zehn Prozent der untersuchten Rinds- und Schweinebrühwürste nicht zulässiges Geflügelfleisch. Auch bei der Verwendung von Lebensmittelfarben, den sogenannten Azofarbstoffen, tricksen offenbar die Hersteller. Diese müssen mit dem Hinweis „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit von Kindern beeinträchtigen“ versehen werden. Durch die vorgestellten Untersuchungsergebnisse zeigte sich nun, dass ein Großteil der von Kindern bevorzugten Produktgruppen nicht entsprechend gekennzeichnet ist. Besonders betroffen sind feine Backwaren (65 Prozent) und Speiseeis (64 Prozent). Weniger oft Süßwaren (37) und alkoholfreie Getränke (21 Prozent).

BfV-Präsident Tschiersky appellierte an die Verantwortung der Hersteller. Es gebe eine Pflicht zur Eigenkontrolle, betonte er. Zudem rief er Mitarbeiter der Lebensmittelbranche auf, mögliche Verstöße den Ämtern anonym zu melden. Dafür gebe es eigens auf den Websites der Kontrolleure – zu finden unter www.bvl.bund.de – Whistleblower-Links.

Kritik an der Arbeit der Behörden kam von der Verbraucherschutzorganisation Foodwatch. Jahr für Jahr werde bei den amtlichen Kontrollen jeder vierte Lebensmittelbetrieb beanstandet, ohne dass sich an dieser traurigen Quote irgendetwas verbessere, beklagte Foodwatch. Gegen die konkrete Veröffentlichung von Firmen und Produkten hat die Branche bisher immer erfolgreich geklagt.

Von Dennis Siepmann (mit: epd/dpa)

Diese Schadstoffe stecken drin

  • Phthalate: Dibutylphthalat (DBP) und andere Phthalate sind in Insektenschutzmitteln und Kosmetikartikeln sowie in Produkten aus Weich-PVC zu finden. Dazu gehören neben Lebensmittelverpackungen auch Kinderspielzeuge aus Weich-PVC, auf denen Kleinkinder gerne herumkauen. Die Hormonwirkung von DBP kann die Geschlechtsorgane schädigen und unter anderem eine verfrühte Pubertät hervorrufen.
  • Polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe: Sogenannte PAK werden Azofarbstoffen, Insektiziden, Stabilisatoren und Weichmachern zugesetzt. Der Mensch nimmt sie mit der Atemluft, durch Nahrung oder Trinkwasser auf. PAK gelten als krebserregend.
  • Polychlorierte Biphenyle (PCB): Diese Stoffe sind als Weichmacher in vielen Kunststoffen enthalten. PCB gehören zum weltweit geächteten „dreckigen Dutzend“ der Chemiestoffe. PCB stehen im Verdacht, Krebs zu erregen.
  • Organozinnverbindungen: Diese Stoffe dienen als Stabilisatoren in PVC-Kunststoffen. Auch aufblasbare Wasserspielzeuge oder bedruckte Textilien enthalten das die Leber, das Nerven- und Immunsystem schädigende Gift. ze
Wissen Studie widerlegt Eltern-Sorge - Kein früherer Sex durch Aufklärung
13.11.2013
Wissen Spezieller Rollstuhl - Mit dem Ohrmuskel lenken
12.11.2013
Wissen SpaceCup des Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt - Roboter im Wettstreit
12.11.2013