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17:15 19.08.2013
Von Waldbesitzern gefürchtet: die Borkenkäfer. Quelle: dpa
Braunschweig

Sie sind unscheinbar, können jedoch riesige Schäden verursachen: Borkenkäfer. Vor allem der nur zwei Millimeter große Kupferstecher (Pityogenes chalcographus) und der etwa fünf Millimeter große Buchdrucker (Ips typographus) werden gefürchtet. Nach dem eher kalten Frühsommer hat der heiße Juli den Insekten gut gefallen - sie haben sich stark vermehrt. „Die Lage ist angespannt“, sagt Diplomforstwirtin Nadine Bräsicke vom bundeseigenen Julius Kühn-Institut (JKI).

Auch Michael Habermann von der Nordwestdeutschen Forstlichen Versuchsanstalt (NW-FVA) in Göttingen, der mehrere Bundesländer angehören, hält die Lage für ernst, aber nicht hoffnungslos. „In einigen Gebieten gibt es Nester der zweiten Generation. Die befallenen Bäume sollten schnellstens gefällt und aus dem Wald entfernt werden.“ Höhere Berglagen seien wegen der kälteren Temperaturen weniger betroffen. Blieben die befallenen Bäume im Wald, könne es im nächsten Jahr auf Heideflächen zu großen Schäden kommen:
„An einem Baum können 60.000 bis 80.000 Käfer sitzen“, sagt Habermann.

Mitte April schwärmen die Borkenkäfer normalerweise aus. Je nachdem, wie viele der im Vorjahr angelegten Nester den Winter im Wald überstanden haben, kann es zu einer explosionsartigen Vermehrung kommen - mit enormen Schäden vor allem in Fichtenwäldern als Folge. Vor allem Wälder in Bayern, Baden-Württemberg, Niedersachsen und Hessen, aber auch Thüringen seien dann bedroht.

Sollte der Herbst warm und sonnig werden, fürchtet Bräsicke in diesem Jahr sogar vereinzelt eine dritte Käfer-Generation. „Im Frühjahr könnte es dann eine Plage geben“, erklärt sie. Ein Weibchen kann zwischen 30 bis 100 Eier legen. Nach Berechnungen von JKI-Wissenschaftlern können aus 200 Käfern in der ersten Generation 4000, in der zweiten 80.000 werden. „In der dritten Generation potenziert sich die Zahl der Käfer dann auf 1,6 Millionen - ausgehend von 200“, erläutert die Forstwissenschaftlerin.

Die Käfermännchen knabbern in die Rinde der Bäume kleine Hohlräume, von Wissenschaftlern Rammelkammern genannt. Dann sondern sie hormonelle Duftstoffe, Pheromone, ab und locken so die Weibchen an. Nach der Paarung legen die Weibchen mehrere Zentimeter lange Gänge an, in denen sie die Eier ablegen. Jede einzelne Larve frisst sich dann wiederum einen kleinen Gang. „So entstehen die je nach Käferart typischen Muster in der Baumrinde“, erklärt Bäsicke. Dabei werden die Nährstoffadern der Bäume zerstört.

Die wichtigste vorbeugende Maßnahme sei der Brutraumentzug durch die sogenannte saubere Waldwirtschaft. Dazu gehört eine schnelle Holzabfuhr und die Aufarbeitung von Sturm- und Bruchholz. Mischwälder schützen zudem vor einer Plage. Nach dem Krieg wurden in Deutschland viele Wälder in Monokultur angelegt. Die schnellwachsenden Fichten etwa versprachen hohen wirtschaftlichen Gewinn. Seit Anfang der 1990er Jahre ist vielerorts mit einem naturnahen Waldumbau begonnen worden. „Das dauert natürlich Jahrzehnte, bis wieder überall Mischwälder gewachsen sind“, sagt Bräsicke.

dpa

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