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Steuererklärung 2018: Wann müssen Sie Ihre Einkommenssteuererklärung abgeben?

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14:17 20.06.2019
Wer seine Steuererklärung für das Jahr 2018 macht, hat jetzt in allen Bundesländern bis zum 31. Juli 2019 Zeit dafür. Quelle: Pixabay (Symbolbild)
Berlin

Zu Beginn eines jeden Jahres rückt sie immer näher: Die Abgabe der Steuererklärung. Für viele eine ungeliebte Thematik. Deswegen die gute Nachricht vorweg: Arbeitnehmer dürfen sich dieses Jahr auf mehr Geld freuen. Denn der Grundfreibetrag steigt und der Einkommensteuertarif wird an die Inflation angepasst. Außerdem gibt es mehr Zeit, um die Steuererklärung zu erledigen. Wer seine Erklärung für das Jahr 2018 macht, muss sie nicht – wie früher – bis zum 31. Mai beim Finanzamt einreichen, sondern hat jetzt in allen Bundesländern bis zum 31. Juli 2019 Zeit dafür.

Mehr Zeit bekommen auch Steuerberater. Sie haben 14 Monate Zeit, für ihre Kunden die Steuererklärung zu erledigen. Eine vom Berater bearbeitete Steuererklärung für 2018 muss deshalb bis Ende Februar 2020 beim Finanzamt vorliegen. Die schlechte Nachricht: Wer trödelt und die Frist nicht einhält, bekommt vom Finanzamt eine Strafe. Pro angefangenem Monat der Verspätung kann der Fiskus 0,25 Prozent der festgesetzten Steuer kassieren, mindestens aber 25 Euro.

In der Zeitschrift Finanztest „Steuern 2019“ haben die Experten alles, was wichtig ist, zusammengetragen. Marieke Einbrodt von der Stiftung Warentest gibt einen Überblick der Steuererleichterungen, die der Allgemeinheit oft nicht bekannt sind.

Handwerkerkosten und Haushaltnahe Dienstleistungen

Das Finanzamt akzeptiert für Handwerker und Dienstleistungen im Haushalt 20 Prozent der angegebenen Kosten. Der Betrag wird dann direkt von der zu zahlenden Steuer abgezogen. Steuerzahler sparen also mit jedem investierten Euro.

Für Tätigkeiten wie Babysitting, Fensterputzen oder Haustierbetreuung, die von einem Minijobber ausgeführt werden, können bis zu 2550 Euro abgerechnet werden. Wenn eine sozialversicherte Kraft diese Aufgaben erledigt, dann können bis zu 2000 Euro eingetragen werden.

Bei Handwerkerarbeiten können bis zu 6000 Euro eingetragen werden. Wenn alle Investitionsmöglichkeiten voll ausgereizt werden, dann ermäßigt sich die Steuer im Jahr um bis zu 5710 Euro.

Werbungskosten

Ausgaben für den Job rechnen sich. Pauschal gewährt das Amt jedem Arbeitnehmer 1000 Euro, die den zu versteuernden Arbeitslohn senken. Kommen mehr als 1000 Euro Werbungskosten zusammen, zählt jeder zusätzlich in den Job investierte Euro.

Die größten Posten sind dabei wohl Fahrtkosten, Ausgaben für einen beruflichen Zweitwohnsitz, Umzugskosten, Kosten eines Arbeitszimmers und Ausgaben für Arbeitsmittel. Doch auch kleinere berufliche Ausgaben zählen, etwa die Beiträge zu einer speziellen Berufshaftpflichtversicherung oder die Kontoführungsgebühren für das Gehaltskonto. Für ein solches akzeptiert das Amt pauschal 16 Euro.

Fahrten zur Arbeit

Für den Weg von zu Hause zur Arbeit und zurück gewährt das Finanzamt die Pendlerpauschale. Pro Arbeitstag gibt es für jeden Kilometer der einfachen Wegstrecke 30 Cent – dabei spielt es keine Rolle, ob Steuerzahler mit dem Auto, dem Fahrrad oder zu Fuß unterwegs sind. Nutzen sie öffentliche Verkehrsmittel wie Bus oder Bahn, dürfen sie wahlweise auch Ihre tatsächlichen Ticketkosten absetzen.

Apropos Ticketkosten: Arbeitgeber können ihre Mitarbeiter mit steuerfreien und umweltfreundlichen Boni erfreuen. Monats- und Jahresfahrkarten kann der Arbeitgeber seit Januar 2019 für den öffentlichen Nahverkehr komplett steuerfrei weitergeben. Arbeitnehmer müssen das kostenlose Ticket weder versteuern, noch Sozialabgaben leisten.

Das Dienstrad bleibt steuerfrei und das Elektro- und Hybridauto wird mit – statt bisher 1 Prozent – mit o,5 Prozent versteuert.

Bildungskosten

Ausgaben für Stellensuche, einen professionell gestalteten Lebenslauf, Bewerbungsmappen, Fachbücher, Porto, Fahrtkosten und Gebühren für ein Bewerbungstraining können abgesetzt werden. Alle Quittungen hierfür sollten als Nachweis aufgehoben werden.

Arbeitsmittel

Mit Arbeitsmitteln lässt sich besonders sparen: Kostet die Neuanschaffung von Laptop, Schreibtisch oder Handy maximal 952 Euro brutto, dürfen Steuerzahler solche Arbeitsmittel vollständig in der Steuererklärung des Kaufjahres absetzen.

War der Gegenstand teurer, verteilen sich die Kosten auf die übliche Nutzungsdauer. Wie viele Jahre die beträgt, kann der amtlichen Tabelle zur Absetzung für Abnutzung auf der Internetseite des Bundesfinanzministeriums entnommen werden. Wenn die Anschaffung auch privat genutzt wird, darf nur der berufliche Anteil geltend gemacht werden.

Zu Arbeitsmitteln gehören auch kleinere Anschaffungen, etwa Druckerpapier und -patronen, Fachbücher oder Werkzeuge. Wer bei der Arbeit spezielle Berufskleidung tragen muss, etwa Schutzkleidung, Uniform oder Labor- und Arztkittel, darf entsprechende Anschaffungs- und Reinigungskosten absetzen.

Fortbildung

Fahrtkosten, Verpflegungs- und Übernachtungskosten, Ausgaben für Lernmittel oder Bildungsdarlehen: Wer sich auf eigene Kosten für seinen Job weiterbildet, kann das ebenfalls unbegrenzt absetzen. Das gilt auch, wenn man sich - während einer Phase der Arbeitslosigkeit oder in Elternzeit – weiterbildet.

Arbeitszimmer

Wenn zuhause ein kleines Büro eingerichtet wird, können einige Kosten hierfür steuerlich berücksichtigt werden. Steht für bestimmte Tätigkeiten kein anderer Arbeitsplatz als das Heimbüro zur Verfügung, sind bis zu 1250 Euro möglich.

Telefon und Internet

Laufende Kosten eines privaten Telefon- und Internetanschlusses können Steuerzahler dann absetzen, wenn sie ihn zum Teil auch für berufliche Aufgaben nutzen. Wie viel ein Anschluss beruflich genutzt wird, weisen Steuerzahler mit einer Aufstellung nach, die sie repräsentativ über drei Monate führen. Diese sollte die beruflichen Kontakte mit Namen, Telefonnummer, Grund und Dauer der Gespräche oder der Onlinerecherchen beinhalten. Der Aufwand lohnt sich allerdings nur bei umfangreicher beruflicher Nutzung.

Alternativ können Steuerzahler von ihren monatlichen Kosten pauschal 20 Prozent als beruflich veranlasst ansetzen, maximal 20 Euro pro Monat. Das erspart ihnen den aufwendigen Einzelnachweis. Die Finanzbeamten erkennen die vereinfachte Methode an, wenn die Berufsgruppe erfahrungsgemäß auch zu Hause beruflich telefoniert – wie bei Lehrern, Außendienstlern oder Angestellten mit Home-Office-Regelung.

Bezweifelt das Amt, dass ein Pauschalabzug zusteht, kommen Steuerzahler um den Einzelnachweis nicht herum.

Beiträge zu Berufsverbänden

Geleistete Beiträge für die Mitgliedschaft einer Gewerkschaft oder eines Berufsverbandes können als Werbungskosten abgesetzt werden.

Umzugskosten

Wenn ein Arbeitnehmer für die Arbeit seinen Wohnort wechselt, können Kosten für die Spedition, den Mietwagen, für den Makler, doppelte Mieten und Fahrtkosten für die Wohnungssuche als Werbungskosten abgesetzt werden. Vom Chef steuerfrei übernommene Ausgaben rechnen Sie zuvor aber gegen.

Für kleinere Posten, wie Schönheitsreparaturen, Trinkgelder oder die Ummeldung darf auch noch eine Umzugspauschale berechnetet werden: Sie beträgt 764 Euro (Ehepartner 1528 Euro) für Umzüge bis Ende Februar 2018, dazu kommen 337 Euro für jeden, der mitzieht. Bei Umzügen ab März 2018 beträgt sie 787 Euro (1573 Euro bei Ehepartnern), für Mitziehende gibt es 347 Euro.

Sonderausgaben

Bei Sonderausgaben handelt es sich um Kosten, die die Steuer senken, indem das zu versteuernde Einkommen reduziert wird. Private Ausgaben zählen bei der Steuer eigentlich nicht. Die Sonderausgaben sind eine Ausnahme von dieser Regel. Die Liste der Sonderausgaben ist lang. Wer also genügend von ihnen absetzt, kann damit ordentlich Sparpotenzial entwickeln.

Zu Sonderausgaben gehören etwa Kosten der Altersvorsorge und sonstige Vorsorgeaufwendungen: Das Finanzamt fördert die Grundversorgung, das heißt, Basisbeiträge zu Kranken- und Pflegeversicherungen rechnen Steuerzahler unbegrenzt ab. Was für Chefarztbehandlung und Einzelzimmer bezahlt wird, bleibt außen vor. Versicherte, die weniger als 1900 Euro für die Basisabsicherung geleistet haben, können diesen Höchstbetrag anderweitig ausschöpfen und etwa mit Beiträgen zur Arbeitslosen-, Unfall-, Haftpflicht- oder Krankenzusatzversicherung Steuern sparen.

Ins Gewicht fällt bei den Sonderausgaben aber auch Kirchensteuer, die der Arbeitgeber vom monatlichen Bruttolohn einbehalten hat. Beim Finanzamt gehen auch Spenden durch – in Höhe von bis zu 20 Prozent des Gesamtbetrags der Einkünfte. Steuerzahler, die mehr für gute Zwecke gegeben haben, können eventuell in späteren Jahren davon steuerlich profitieren. Für die Betreuung ihrer Kinder können Eltern Kosten bis zu 6000 Euro absetzten. Zwei Drittel davon, also maximal 4000 Euro, wirken sich als Sonderausgabe aus.

Steuererklärung 2018: Außergewöhnliche Belastungen

• Pauschbeträge

Gewisse finanzielle Mehrbelastungen federt das Finanzamt mit Pauschbeträgen ab: Wird ein hilfsbedürftiger Angehöriger gepflegt, bekommt der Pflegende pauschal 924 Euro. Wenn man selbst durch eine Behinderung eingeschränkt ist, erhält man je nach Grad der Behinderung einen Pauschbetrag zwischen 310 und 3700 Euro. Hinterbliebene, die beispielsweise eine Rente aus einer gesetzlichen Unfallversicherung beziehen, haben Anspruch auf einen Pauschbetrag von 370 Euro.

• Kinderfreibeträge

Für die minderjährigen Kinder erhält man Kindergeld – unter bestimmten Voraussetzungen auch für Volljährige bis zum vollendeten 25. Lebensjahr. Mit der Steuererklärung kann man prüfen lassen, ob der Kinderfreibetrag in Kombination mit dem Freibetrag für Betreuung, Ausbildung und Erziehung eine größere Steuerersparnis einbringt. Meist profitieren erst Gutverdienende ab einem Jahreseinkommen von 63 995 Euro. Für studierende Kinder zwischen 18 und 25 Jahren, die auswärts untergebracht sind, kann zusätzlich der Ausbildungsfreibetrag in Höhe von 924 Euro beantragt werden.

Tipp der Finanzexpertin für die Steuererklärung

Am ehesten verschenken diejenigen Geld, die gar keine Steuererklärung machen und sich damit selbst die Chance nehmen, zu viel bezahlte Steuern vom Finanzamt zurückzuholen. Selbst wer auf den ersten Blick vermutet, nicht genug zusammenzubekommen, sollte es zumindest versuchen. Die Liste der absetzbaren Posten ist lang.

Steuererklärung: Einspruch auf Steuerbescheid

Nicht immer ist man mit dem Finanzamt einer Meinung. Wenn die Behörde zum Beispiel bestimmte Posten in der Steuererklärung nicht akzeptiert, kann Einspruch gegen den Bescheid eingelegt werden. „Es lohnt sich immer, wenn zwischen Ihren Berechnungen und dem Ergebnis im Steuerbescheid ein Unterschied von mindestens zehn Euro liegt“, sagt Uwe Rauhöft vom Bundesverband Lohnsteuerhilfevereine BVL. „Denn ab dieser Grenze muss das Finanzamt einen Steuerbescheid im Zweifel auch ändern.“

Wann ist ein Einspruch sinnvoll?

Man sollte erstmal kontrollieren, ob all die Ausgaben, die ich in die Steuererklärung aufgenommen habe, auch im Steuerbescheid wiederzufinden sind. Wenn das Finanzamt abgewichen ist und bestimmte Aufwendungen nicht anerkannt hat, sollte auf jeden Fall ein Einspruch eingelegt werden. Es sei denn, man stellt fest, dass man selbst etwas berücksichtigt hat, was tatsächlich nicht anzuerkennen ist.

Einspruch gegen die Steuererklärung: Welche Fristen gelten?

Einspruch kann einen Monat lang eingelegt werden. Die Frist läuft mit dem Erhalt des Steuerbescheides, wobei üblicherweise von einer dreitägigen Postlaufzeit ausgegangen wird. Das heißt: Stempel des Steuerbescheides plus drei Tage. Danach gilt er grundsätzlich als zugegangen. Wenn der Beginn und das Ende auf einen Samstag, Sonntag oder einen Feiertag fallen, verlängert sich die Frist auf den nächstfolgenden Werktag.

Was muss auf jeden Fall in einem Einspruch stehen?

Es muss erkennbar sein, wer den Einspruch absendet und welcher Steuerbescheid damit angegriffen wird. Das Wort „Einspruch“ muss nicht zwingend drüber stehen, und man muss einen Einspruch auch nicht begründen. Allerdings ist das zu empfehlen, weil ich den Sachbearbeiter im Finanzamt ja überzeugen möchte. Das Finanzamt muss zwar auch nachprüfen, wenn es keine Begründung gibt. Aber es liegt nahe, dass es dann zum selben Ergebnis kommt wie im Steuerbescheid.

Von RND/js

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