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Nachrichten Wissen Forschung: Frauen haben oft das Nachsehen
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20:57 05.11.2015
Bücherregale mit Publikationen in einer Universitätsbibliothek: Weibliche Forscherinnen sind bei der Veröffentlichung ihrer Ergebnisse weniger produktiv als ihre Kollegen und werden auch seltener zitiert. Quelle: Patrick Seeger/dpa
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Berlin

In der deutschen Forschungslandschaft herrscht noch immer eine Kluft zwischen den Geschlechtern. Das ist das Ergebnis des Reports "Mapping Gender in the German Research Area", der am Donnerstag am Vortag eines Gender-Gipfels in Berlin vorgestellt wurde.

Frauen veröffentlichen seltener

Demnach stieg der Anteil von Frauen in der Forschung zwar fächerübergreifend von rund 28 Prozent in 2010 auf fast 31 Prozent im vergangenen Jahr. Allerdings veröffentlichen Frauen aus verschiedenen Gründen weniger Studien als ihre männlichen Kollegen und werden auch seltener zitiert.

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Für den Report, der im Wissenschaftsverlag Elsevier erscheint, werteten die beteiligten Forscher mit Hilfe einer Datenbank nach eigenen Angaben unter anderem fast 709.000 veröffentlichte Dokumente von mehr als 405.500 Forschern aus.

Männer werden häufiger zitiert

Um zu erheben, wie häufig aus ihren Texten zitiert wurde, wurde demnach ein Zeitfenster von fünf Jahren ab der Veröffentlichung betrachtet. Grundlage dazu war der sogenannte "field-weighted citation impact (FWCI)", der die Zahl der Zitierungen eines Artikels denen vergleichbarer Texte - etwa mit dem gleichen Erscheinungsjahr oder Forschungsfeld – gegenüberstellt.

Das Ergebnis: Publikationen von Frauen wurden seltener zitiert als die von Männern. Im Zeitraum von 2010 bis 2014 lag der durchschnittliche FWCI von weiblichen Forschern demnach mit einem Wert von 1,68 etwas unter dem der männlichen mit 1,75.

Seilschaften zwischen Wissenschaftlern

Prof. Martina Schraudner, Leiterin des Fachgebiets Gender und Diveritsy-Aspekte an der Technischen Universität Berlin, hält dafür verschiedene Gründe für möglich. Bestehende Seilschaften zwischen männlichen Wissenschaftlern seien nur eine denkbare Erklärung. Hinzu komme, dass sich Frauen in Fächern mit ähnlich hohem Männeranteil tendenziell eher mit neueren, unbekannteren Themenbereichen befassten.

"Bis ein Thema sich als relevant festsetzt, sind aber etwa zehn Jahre nötig", erklärte sie. Erst dann werde auch regelmäßig aus entsprechenden Texten zitiert. Zudem veröffentlichen Forscherinnen ihre Ergebnisse dem Report zufolge seltener.

Eventuell Qualität vor Quantität

Im Zeitraum von 2010 bis 2014 kamen sie demnach lediglich auf 2,07 Publikationen im Jahr, während es bei den Männern im Schnitt 2,34 waren. Erst in leitenden Positionen gleicht sich die Publikationsrate demnach aus.

"Man kann entweder relativ lange an einem Thema arbeiten oder in vielen kleinen Scheibchen publizieren", erklärte Schraudner. Möglicherweise gehe bei Forscherinnen Qualität eher vor Quantität. Überraschend: In eher männlich dominierten Fachbereichen veröffentlichten Frauen sogar überdurchschnittlich viele Ergebnisse.

In Physik und Astronomie vor den Männern

In Informatik, Physik, Astronomie und Maschinenbau publizierten sie der Erhebung zufolge im Schnitt mehr als ihre männlichen Kollegen. Im Fach Physik und Astronomie waren es beispielsweise jährlich 4,03 Publikationen – im Gegensatz zu 3,27 bei den Herren. Schraudner zufolge könnte das auch daran liegen, dass Frauen sich dort besonders beweisen wollten.

Von Antonia Lange

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